Wendlingen/Kirchheim Mit der Schnellbahntrasse wird es jetzt ernst

Von Wolfgang Berger 

Der Bahnübergang Schützenstraße in Wendlingen wird verschwinden. Foto: Horst Rudel
Der Bahnübergang Schützenstraße in Wendlingen wird verschwinden. Foto: Horst Rudel

Die Bahn beginnt mit der Neubaustrecke. Im selben Zug finden in Wendlingen Straßenbauarbeiten statt, die zu einer Verkehrsberuhigung im Zentrum führen sollen.

Wendlingen - In Kürze beginnt die Deutsche Bahn im Bereich Wendlingen/Kirchheim mit dem Bau eines rund 16 Kilometer langen Abschnitts der neuen Schnellbahntrasse Wendlingen-Ulm. Die Arbeiten im Rahmen des Bahnprojekts Stuttgart 21 ziehen weitere Infrastrukturmaßnahmen in der Stadt Wendlingen selbst nach sich. So wird die Landesstraße zwischen Wendlingen und Oberboihingen verlegt. Die Stadt verspricht sich davon eine spürbare Verkehrsberuhigung im Zentrum. Außerdem verschwindet der Bahnübergang Schützenstraße. Einzelheiten zu den bevorstehenden Arbeiten haben Vertreter der Stadt, der Deutschen Bahn und des Regierungspräsidiums jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Rathäuser kritisieren sechs Monate Vollsperrung

Um wie geplant die Landesstraße statt wie bisher über die Nürtinger Straße dann künftig über die Heinrich-Otto-Straße zu führen, wird laut Frank Maiwald vom Regierungspräsidium (RP) Stuttgart in diesem Bereich voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2017 eine Vollsperrung von einem halben Jahr notwendig.

Der motorisierte Verkehr zwischen Wendlingen und Oberboihingen soll in dieser Zeit über Nürtingen-Zizishausen und Unterensingen umgeleitet werden. Der Wendlinger Bürgermeister Steffen Weigel macht keinen Hehl daraus, dass er und sein Oberboihinger Amtskollege Torsten Hooge mit der Vollsperrung „nicht glücklich“ sind. Und wenn schon Sperrung, dann hätten sie sich eine ortsnahe Umleitung gehabt, was indes offenbar nicht möglich schien. Die Beteiligten bitten indessen um Verständnis für Unannehmlichkeiten. „Ab 2019 wird Wendlingen vom Durchgangsverkehr entlastet sein“, sendet Frank Maiwald eine positive Nachricht in die Bürgerschaft. Auch Oberboihingen profitiere davon.

Im nächsten Frühjahr rücken die Tunnelbohrer an

Für die Arbeiten in Wendlingen in Zusammenhang mit der Neubaustrecke gibt es eine Kostenberechnung von 15 Millionen Euro. Die Projektpartner Bahn, RP und Stadt Wendlingen übernehmen je ein Drittel. Im Fall Wendlingens rechnet die Stadt indessen mit erheblichen Zuschüssen. Das Rathaus geht davon aus, dass an der Stadt am Ende nicht mehr als 1,5 Millionen Euro hängenbleiben werden.

Im Zusammenhang mit der neuen Trasse baut die Bahn in Wendlingen zwei Brücken über das Neckartal, Anschlüsse an die Strecke Tübingen/Plochingen sowie den rund acht Kilometer langen Albvorlandtunnel bei Kirchheim. Am Ostportal bei Nabern sollen im nächsten Frühjahr die Bohrmaschinen anrücken. Um die Baustelle einzurichten, wird der Fuß- und Radweg zwischen Kirchheim und Nabern verlegt, er verlängert sich um rund 300 Meter. Wenn später das Westportal des Albvorlandtunnels in Angriff genommen wird, muss auch dort der zwischen Wendlingen und Oberboihingen verlegt werden.

Zauneidechsen werden umgesiedelt

Um die Bauarbeiten ausführen zu können, muss die Bahn unter anderem den Artenschutz beachten. Entlang der Strecke, beispielsweise bei Oberboihingen, kommen geschützte Zauneidechsen vor, die umgesiedelt werden. Jens Hallfeldt von der Deutschen Bahn geht aber davon aus, dass der Zeitplan trotzdem eingehalten wird.

Die neue Bahnstrecke Wendlingen/Ulm ist 60 Kilometer lang. Die Fahrzeit zwischen Stuttgart und Ulm im Fernverkehr soll sich von 54 auf 28 Minuten praktisch halbieren. Für die Neubaustrecke sind 3,2 Milliarden Euro. Im Unterschied zu Stuttgart 21 bewegt sich die Bahn mit diesem Teilprojekt derzeit im Kostenrahmen.

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