US-Clown Bello Nock treibt seine lustigen wie gefährlichen Späße Foto: Leif Piechowski

Wer aufhört sich zu wundern, ist tot, findet der südamerikanische Naturforscher Charles Brewer-Carías. Jahr für Jahr verlassen Tausende quicklebendig den Weltweihnachtscircus. Die Macher der 23. Auflage auf dem Wasen versprechen von Donnerstag an wieder zig Artisten der Superlative zum sich Wundern.

Stuttgart - Stuttgart besser als Monte Carlo? Fürst Albert von Monaco dürfte energisch widersprechen. Henk van der Meyden ist aber davon überzeugt: „Das Programm in diesem Jahr ist besser als das in Monte Carlo, denn wir haben nur die Gewinner“, argumentiert der Chef des Stuttgarter Weltweihnachtscircus am Montag vor Medienvertretern.

Beim Zirkusfestival von Monte Carlo werden Anfang eines jeden Jahres die besten Artisten der Welt ausgezeichnet, der Goldene Clown gilt als Oscar der Zirkuswelt – und Henk van der Meyden kennt alle Stars in der Manegen der Welt.

Seit 23 Jahren trifft sich ein Teil von ihnen in Stuttgart auf dem Cannstatter Wasen, und wie jedes Jahr schwelgt der niederländische Tausendsassa in Superlativen. Man gewinnt den Eindruck, dass er selbst zuweilen den Überblick verliert – natürlich nicht darüber, was derzeit en Vogue ist, sondern nur wie viele Goldene Clowns er fürs aktuelle Programm zusammengeführt hat oder wie viele Weltrekorde das Publikum denn bis zum 10. Januar auf dem Wasen wird bestaunen dürfen.

Der schnellste Messerwerfer plant einen Rekordversuch

Patrick Brumbach zum Beispiel gilt als schnellster Messerwerfer der Welt. 99 Klingen wirft er in einer Minute auf seine Ehefrau. Früher standen seine Mutter und seine Schwester am Messerbrett – sie haben überlebt. In der Nachmittagsvorstellung am 29. Dezember plant er einen Rekordversuch beidhändig mit dem Rücken zum Messerbrett.

Oder René Casselly jr.: Bei einer Schleuderbrettnummer will der 18-Jährige – wenn er „im Rhythmus“ ist – per vierfachem Salto auf dem Rücken eines Elefanten landen. Erstmals seit 2004 sind im Weltweihnachtscircus wieder Elefanten zu sehen. Die Familie Casselly kommt mit vier Kühen und einem Bullen auf den Cannstatter Wasen.

Auch die Artistentruppe aus Nordkorea – in diesem Jahr fliegende Menschen an einer Kombination aus Trapez und russischer Schaukel – will sich rekordverdächtige 20 Meter hoch durch das Zirkuszelt schleudern.

Neue Nummern präsentiert der Zirkus in Stuttgart

Tradition hat längst das Gastspiel des Schweizer Nationalzirkus Knie. Géraldine Knie, ebenfalls mehrfache Monte-Carlo-Preisträgerin, präsentiert in diesem Jahr ein Pferdekarussell, bei dem sie 28 ihrer Vierbeiner durch die Manege dirigieren wird.

Van der Meyden hat aber nicht nur amtierende oder ehemalige Gewinner im Programm: „Tradition hat auch, dass wir in Stuttgart neue Nummern zuerst präsentieren, ehe sie im Januar in Monte Carlo gewinnen“, frohlockt der Maestro. Ein Pas de deux zu Pferd wie jenes von Merrylu Casselly und József Richter aus Ungarn habe er in seinen 45 Jahren als Zirkuspromoter nicht gesehen. „Die gewinnen bestimmt mal.“

Ebenso, da ist er überzeugt, die chinesischen Mädchen mit einer Diabolo-Nummer und die reine Frauenriege aus Russland auf der russischen Schaukel.

Nach 2013 treibt US-Clown Bello Nock wieder auf dem Wasen seine so lustigen wie gefährlichen Späße. Eine Lücke hat van der Meyden in diesem Jahr geschlossen. Nach dem überraschenden Tod von Peter Goesmann übernimmt dessen Freund und Bauchredner Willer Nicolodi den Part des Conférenciers, allerdings ohne Stimme aus der Bauchhöhle.

Liebesgeschichte unter Artisten

Zu gerne hätte van der Meyden dem Publikum neben all den Höchstleistungen noch eine echte Hochzeit geboten – nach der Verlobung von Merrylu Casselly und Jozsef Richter voriges Jahr in einer Manege vor 1500 Menschen nun deren Trauung im Weltweihnachtscircus zelebriert. Doch manches schafft auch der zirkusverrückte Holländer nicht. Ihr persönliches Pas de Deux begehen Casselly/Richter nächstes Jahr in Budapest.

Der Weltweihnachtscircus gastiert vom 10. Dezember bis zum 10. Januar auf dem Cannstatter Wasen. Geplant sind bis zu drei Vorstellungen am Tag. Spielfrei ist am 14. Dezember. Die Tickets kosten zwischen 23 und 61 Euro (ermäßigt drei Euro weniger; für die Weihnachts- und Silvestershows drei bzw. sechs Euro Zuschlag). Kartentelefon: 07 11 / 6 74 47 70 oder 07 11 / 22 11 05. Die Zirkuskasse am Wasen hat täglich von 9 bis 20 Uhr geöffnet. www.weltweihnachstcircus.de

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