Der Kraftmensch Tulga balanciert im Weltweihnachtscircus einen brennenden Balken auf seinem Nacken . Foto: LICHTGUT

Tulga – einer der stärksten Männer der Welt – tritt derzeit auf dem Cannstatter Wasen auf. Der berühmte Artist will 2028 mit seinen brennenden Balken das olympische Feuer entfachen.

Der mongolische Kraftmann Battulga Battogtogh sorgt im Stuttgarter Weltweihnachtscircus regelmäßig für Furore: Nicht nur, weil der 40-Jährige einen bis zu 60 Kilogramm schweren Balken auf seinem Nacken trägt und diesen fast so federleicht wie ein Streichholz umherschwingt, nein, dazu kommen noch Feuer und Flamme. Denn der Balken wird von beiden Seiten angezündet. „Erst durch die Wärme des Feuers schwitze ich“, sagt Tulga. Ansonsten fühle er sich bequem und wohl bei der Nummer, während das Publikum den Atem anhält und ihm am Ende tosenden Applaus schenkt.

 

Dass er außergewöhnlich gut ist, haben auch die Verantwortlichen des Internationalen Circusfestivals von Monte Carlo mitbekommen. Dort trat er im Januar auf. Er bekam einen Sonderpreis. Und direkt nach seiner Vorführung kam Dalien Cohen vom Weltweihnachtscircus auf ihn zu und fragte ihn, ob er nach Stuttgart komme. „Ein Traum wird wahr“, sagt er und lacht. 2018 war er in Amerika bei „America’s got Talent“ mit dabei, und beim „Supertalent“ bei der RTL-Casting-Show mit den TV-Juroren Dieter Bohlen und Bruce Darnell war er einer der erfolgreich Mitwirkenden. Seitdem trat er in 18 verschiedenen Ländern in Europa, Saudi-Arabien, China, Russland, Australien, Großbritannien, Slowakei und Rumänen auf.

Auch in Stuttgart begeistert der Weitgereiste, der seit vielen Jahren im amerikanischen Chicago wohnt, mit verschiedenen Kraftakten, mal mit einem fünf Meter langen 40 Kilogramm schweren Balken und einem sechs Meter langen Balken, der 60 Kilogramm schwer ist. Nicht genug, dass rechts und links Flammen lodern: Zum Staunen des Publikums bewegt er die schweren Hölzer auch noch, hält sie nur mit seinen Muskeln in Nacken, Rücken, Kopf und Mund – dabei hängt er kopfüber an einem Vertikalseil. Dann wird es noch spannender: Jetzt kommen 150 Kilo als Holzstange auf die Schultern, rechts und links noch zwei Frauen.

Zwei Weltrekorde mit dem brennenden Balken

Battulga Battogtogh blickt auf zwei Weltrekorde mit dem brennenden hölzernen 60 Kilogramm schweren sechs Meter langen Balken. Zum einen balanciert er diesen ganze 1,18 Minuten freischwebend und ohne den Einsatz seiner Hände auf dem Nacken. Zum anderen kann er den Balken 28 Sekunden lang mit dem Mund tragen. Die beiden Titel holte er sich in Italien.

In der Wüste Gobi in der Mongolei geboren

Tulga kommt weder aus einer Zirkusfamilie noch besuchte er eine Artistenschule. „Ich bin in der Mongolei in der Wüste Gobi geboren“ sagt er. Anfangs seien seine Eltern, der Vater war Militäroffizier, die Mutter arbeitete beim Roten Kreuz, skeptisch gewesen, als er sich der Artistik zuwandte, heute seien sie seine Unterstützer. Der Zirkus faszinierte ihn, etwa die Luftakrobatik „Flight of Passion“ und der von Chinesen aufgeführte Schwanensee-Tanz, der aktuell auch im Weltweihnachtscircus zu sehen ist. So stieg er auch zuerst als Ballett-Akrobat ein und hob eine mongolische Partnerin.

Tulga im Gespräch an der Manege im Weltweihnachtscircus Stuttgart. Foto: Iris Frey

Kraft war von Anfang an sein Thema. „Als Mongole bin ich schon von der Geburt an als Baby mit dem Wrestling – dem Ringen – groß geworden.“ Während sein Bruder Bergbauingenieur wurde, „bin ich der Verrückte“. Nach der Hochschule in der Mongolei ging er zur Universität und studierte Lehramt für Geschichte und Archäologie. „Doch Geschichte ist so langweilig.“ Als er 20 Jahre alt war, entschied er sich für den Zirkus. 2009 ging er nach Amerika, nachdem er Wrestling, Gymnastik und Akrobatik intensiviert hatte.

Artist in einem der größten Zirkusse der USA

Er arbeitete bei Ringling Brothers and Barnum & Bailey, einem der größten Zirkusse der USA und reiste mit ihm umher. Erst trat er dort mit einer Ballettnummer – Schwanensee – auf, dann mit Hand-zu-Hand-Akrobatik. Schließlich ersetzte er zwei Männer, die mit zwei Holzbalken jonglierten und kreierte seine eigene Vorführung, die jetzt weltweit für Aufmerksamkeit sorgt. Seit 2011 arbeitet er daran mit einem Freund. Als dieser sich den Nacken brach, machte er alleine weiter. Um es noch gefährlicher zu machen, kam das Feuer hinzu.

Mongolisches Klima hat ihn robust gemacht

Im Zirkus will Tulga seine mongolische Kultur mit den Menschen teilen. Die mentale und die physische Stärke. Er will Menschen ermuntern zu Bewegung jeglicher Art. Bevor er auftritt, ist Konzentration gefragt: „Ich denke an meine Familie, an meine Kultur und sehe die schöne Landschaft der Mongolei vor mir, das gibt mir Kraft“, sagt er. Er hat Frau und drei Kinder in Chicago. Als Mongole habe er gelernt, die großen Temperaturschwankungen von minus 40 Grad in der Wüste im Winter und bis 40 Grad im Sommer auszuhalten: „Wenn Du kein Fleisch isst, kannst du dort nicht überleben.“ Dieses äußerst schwierige Klima hat ihn robust gemacht. „Mongolen sind Einzelkämpfer.“ Mongolische Elemente fließen auch in seine Kostüme ein: „Ich bin der Krieger von Dschingis Khan“, sagt er.

Auch Verletzungen bei der Artistik

Seine Artistik ist sehr gefährlich. Er selbst hat sich schon häufig verletzt. Einmal wurde er von einer Bowling-Kugel, die er jongliert, wegen einer Sichtstörung durch Scheinwerfer am Kopf verletzt und musste genäht werden. Doch das hat ihn nicht umgehauen. Aber statt Medizin zu trinken oder Schmerztabletten zu nehmen, trainiert er lieber oder geht – in die Sauna. Vom Leuze in Stuttgart ist er begeistert. „Da entspanne ich in der Sauna meine Muskeln“. Dort schöpft er Kraft für seine gigantischen Aufführungen. „Wenn ich auftrete, bin ich in meinem Traumland. Ich will mich herausfordern und die Menschen unterhalten und inspirieren, selbst körperlich aktiv zu werden und nicht nur aufs Handy zu schauen“ sagt der 95-Kilo-Mann, der nur 1,73 Meter groß ist.

Sein Ziel: bei der olympischen Eröffnungsfeier in Los Angeles auftreten

Der Gewinner des Goldenen Elefanten vom Circusfestival Girona von 2018 will nach dem Weltweihnachtscircus in den Alpen bergsteigen gehen und an seiner Bewerbung arbeiten, um bei der Eröffnungsfeier zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles aufzutreten. Vielleicht gelingt es ihm dort mit seinem brennenden Balken das olympische Feuer und die Begeisterung für seine Artistik zu entfachen? Das wäre ihm zu gönnen. In Stuttgart brennen die Flammen der Begeisterung für ihn bereits jetzt noch bis zum 6. Januar beim Weltweihnachtscircus auf dem Cannstatter Wasen.