Alessio Fochesato hat mehr als einen Vogel: Auf sein Kommando fliegen Dutzende Papageien unter der Zirkuskuppel - erstmals in Stuttgart und damit ein Weltrekordversuch. Foto: Stardust International

Weihnachtszeit heißt in Stuttgart auch Zirkuszeit. Der Weltweihnachtscircus auf dem Cannstatter Wasen steht dabei seit über 20 Jahren für artistische Höchstleistungen.

Stuttgart - Am Neckar liegt die Zirkushauptstadt der Welt, und wenn Henk van der Meyden die besten Artisten der Welt ruft, wollen sie alle nach Stuttgart kommen – sagt der Zirkus-Zampano. „Die ganze Welt wollte die Nummer haben.“ Er – wer sonst, denkt er sich wohl – hat sie für Stuttgart bekommen. Gemeint hat er eine 20 köpfige Truppe aus dem Großen Chinesischen Staatszirkus, deren Mitglieder von Donnerstag an auf dem Cannstatter Wasen atemberaubende Sprünge durch Reifen vollführen und dabei einen Weltrekordversuch starten.

Insgesamt sollen beim diesjährigen Weltweihnachtscircus vom 5. Dezember bis 6. Januar vier zirzensische Bestmarken fallen. Die tollkühnen kolumbianischen Motorradakrobaten, schon vor drei Jahren in ihrem „Globe of Death“ einer der Höhepunkte, wollen sich erstmals zu zehnt todesmutig in die Stahlgitterkugel wagen.

Der Papageien-Trainer Alessio Fochesato hat angeblich davon geträumt, in Stuttgart 50 Papageien gleichzeitig loszulassen. In diesem Jahr soll der Eintrag ins Rekordbuch gelingen. Eine besondere Flugshow bieten alljährlich die Trapezartisten aus Nordkorea. Han Ho Song heißt ein junger Mann, der mehrere Jahre lang einen fünffachen Salto einstudiert hat. „,Jetzt ist es gelungen‘, haben sie mir erzählt, als ich dieses Jahr nachgefragt habe“, berichtet Van der Meyden. Als einer von wenigen pflegt er Kontakte in das abgeschottete Land. In Stuttgart soll der Fünfer klappen.

Die Akrobaten müssen dreimal am Tag ran

Nach dem Jubiläumsprogramm im vergangenen Jahr habe er für die 21. Auflage über ein besonders Thema nachgedacht, sagt van der Meyden. „Es heißt Weltrekordprogramm.“ Was sonst, möchte man ergänzen. Alle Jahre wieder vor dem Christfest verspricht der manegenverrückter Chef der Zirkusproduktionsfirma Stardust International Superlativ um Superlativ. Auch wenn mit Van der Meyden verbal gelegentlich die Gäule durchgehen, so präsentiert er doch regelmäßig eine Zirkusshow der Weltklasse. Auf sympathische Art unbescheiden sortiert er seine Protagonisten dabei ein paar Stufen höher ein als Hochleistungssportler. „Olympische Spiele finden nur alle vier Jahre statt, hier müssen die Artisten bis zu dreimal am Tag ran“, formuliert der Impresario kokett.

Neben den genannten Könnern hat der Holländer weitere Artisten verpflichtet, die seiner Vorstellung von Spitzenklasse entsprechen: unter anderen Mario Berousek, „der schnellste Jongleur der Welt“, den Entertainer Kris Kremo, der mit drei Zigarrenkisten eine Vierfach-Pirouette dreht, dazu Geraldine Knie und Maycol Errani vom Schweizer Nationalzirkus Knie mit aufwendige Pferde- respektive Kamel-Dressuren.

Das Vertrauen in van der Meydens Versprechen scheint beim Publikum groß zu sein. Es seien bereits 100 000 der 130 000 Karten verkauft, gibt er zu Protokoll. Dass etliche Artisten schon in Stuttgart zu sehen waren, hat laut van der Meyden zwei Gründe: „Die Stuttgarter fragen nach bestimmten Nummern immer wieder, außerdem gibt es weltweit etwa 100 Darbietungen, die das geforderte Niveau erfüllen.“

Tickets für den Weltweihnachtscircus können telefonisch von 9 bis 24 Uhr zwischen unter 07 11 / 6 74 47 70 reserviert werden. Karten kosten zwischen 23 und 52 Euro (Ermäßigung möglich). Die Zirkuskasse auf dem Wasen hat täglich bis 20 Uhr geöffnet. Die Abendvorstellungen beginnen außer an Silvester (19.30 Uhr) immer um 20 Uhr. nachmittags geht es um 15 Uhr los, die Matinee-Vorstellungen starten um 11 Uhr. Die Eintrittskarten sind als VVS-Kombitickets für den ÖPNV gültig.

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