Wassermangel in Kalifornien: Arbeitsplätze in Gefahr. Foto: dpa

Der US-Bundesstaat leidet seit Jahren unter großer Trockenheit. Nur noch mit technischer Hilfe lässt sich der Wassermangel lindern.

Fresno - Der Familienbetrieb Arthur & Orum in Fresno kann sich vor Aufträgen kaum noch retten. Die Nachfrage nach den Diensten der Firma lässt sich am Umfang der Auftragsbücher ablesen. Wasserbohranlagen sind der Renner in Kalifornien.

Wer ganz unten auf der Liste steht, muss mindestens drei Jahre warten, bis er an die Reihe kommt. „Wir werden verrückt“, sagt die Unternehmerin Kim Hammond, die von der verzweifelten Situation vieler Farmer weiß. Das Wasser ist knapp, sehr knapp. Wenn es nicht reicht, geht in einer der einst produktivsten Anbauregionen der Welt wieder eine Ernte verloren, oder es muss schon wieder ein Betrieb Bankrott anmelden. Denn ohne Wasser wächst auf den Gemüsefeldern und Obstplantagen rund um Fresno nicht viel. Und genau das ist das Problem in Central Valley, das bereits seit drei Jahren unter extremer Trockenheit leidet.

Dieses Jahr kündigte sich erstmals seit 2010 wieder das Wetterphänomen El Niño an, das in der Regel Regen und Feuchtigkeit mit sich bringt. In diesem Jahr kommt es allerdings „ein wenig zu spät“, wie der Klimaforscher Mike Halpert erklärt. In jedem Fall komme es nicht früh genug, um für ausreichend Erleichterung im dürregeplagten Kalifornien zu sorgen. Auch die sintflutartigen Regenfälle im vergangenen Dezember waren nicht viel mehr ein Tropfen auf den heißen Stein. Anlässlich des Weltwassertags am Sonntag mehren sich besorgte Stimmen.

Ein Wunder muss geschehen

Die Landwirtschaftsexperten von Fresno sind mit Klimaforscher Halpert einer Meinung: Wenn nicht ein Wunder geschieht, werde sich der Abwärtstrend für die Landwirte beschleunigen, die in guten Zeiten einmal auf einer 700 Kilometer langen und 80 Kilometer breiten Anbaufläche die Hälfte aller Früchte und Gemüsesorten für die USA produziert haben. Verschärft wird die Situation nach Erkenntnissen der Stanford University durch die Erderwärmung. Und die Klimaforscher der US-Raumfahrtbehörde Nasa sagen, dass mit steigenden Temperaturen die Verdunstung zunimmt und die Böden stärker austrocknen.

Der Meteorologe Benjamin Cook ist sicher: „Menschengemachter Klimawandel wird die Dürren in den regenarmen Jahren noch verschlimmern.“ Cook erwartet für das 21. Jahrhundert nicht nur in Kalifornien katastrophale Trockenzeiten, sondern auch weit darüber hinaus. „Es wird in den nächsten 200 Jahren schlimmer als alles, was wir bisher erlebt haben.“ Die Wasser-Manager von 40 Bundesstaaten sehen einen Mangel für die nächsten zehn Jahre voraus.

Mindestens 500 Meter unter der Erde

Um zum kostbaren Nass zu kommen, muss aufwendige Technik eingesetzt werden. „Wir müssen tiefer und tiefer gehen“, bestätigt Arthur & Orum das Problem. Früher genügte ein Bohrloch von einigen Dutzend Metern, um auf Trinkwasser zu stoßen, jetzt müssen sich die Bohrer auf mindestens 500 Meter unter die Erde vorarbeiten. Wenig hoffnungsvoll ist Cook, dass sich die unterirdischen Reservoirs nach dem Abpumpen wieder auffüllen, denn in der Sierra Nevada herrscht chronischer Schneemangel. In diesem Jahr macht die Schneedecke gerade einmal 19 Prozent des Durchschnittswerts für den Monat März aus. Noch weniger Schnee gab es zuletzt 1991.

Die Wasserknappheit führt schon jetzt zu bizarren Konsequenzen. In 17 zentralkalifornischen Gemeinden gab es Mitte vergangenen Jahres so wenig Wasser, dass Städte wie East Porterville der Bevölkerung Brauchwasser aus Tanks für Duschen und Toiletten zur Verfügung stellten. In San Ramon, einem Ort in der Nähe von San Francisco, klauten Bauarbeiter das kostbare Wasser aus Feuerwehr-Hydranten. Aber auch legale Aktivitäten wie das Bohren nach Grundwasser bringen Probleme mit sich. Der Grundwasserspiegel im Central Valley sank an einigen Stellen so weit ab, dass der Boden einbrach.

Die Unternehmerin Kim Hammond fühlt sich hin- und hergerissen. Einerseits weiß sie um die Warnungen der Wissenschaftler, die in dem Bohren eine Art Selbstmord auf Raten sehen – mit der realen Gefahr der Verwüstung des kalifornischen Gartens Eden. „Auf der anderen Seite retten wir jetzt die Einnahmen unserer Nachbarn.“ Ein Dilemma, für das es keine Lösung gibt.

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