Da waren sie noch unterwegs: Silke und Ulrich Lechler in der Ruinenstadt Machu Picchu in Peru. Die beiden fahren seit Herbst 2019 die Panamericana ab. Foto: privat

Silke und Ulrich Lechler aus Stuttgart-Schönberg sind auf der Panamericana unterwegs, nun sind sie in Costa Rica gestrandet. Einen Gartenzwerg haben sich die unfreiwilligen Dauercamper trotzdem noch nicht angeschafft. Und sie haben im Gegensatz zu anderen auch großes Glück.

Schönberg - Dauercamper wollten sie nie werden. Und nun sind sie es doch: Seit mehr als 50 Tagen hängen Silke und Ulrich Lechler aus Stuttgart-Schönberg aufgrund des Coronavirus in ihrem 14-Quadratmeter-Wohnmobil in Costa Rica fest. Eigentlich wollten die beiden die Panamericana von Argentinien bis nach Alaska abfahren, nun sitzen sie Tag und Nacht auf derselben Finca kurz vor der Grenze zu Nicaragua fest – mit 15 anderen Wohnmobilen. „Obwohl wir jetzt unfreiwillig Dauercamper sind, hat sich noch keiner einen Gartenzwerg angeschafft“, sagt Silke Lechler (55), und ein Lachen kommt durch die Telefonleitung.

Eigentlich sollte es die Reise ihres Lebens werden: Im Oktober 2019 haben Ulrich und Silke Lechler ihr altes Leben in Deutschland hinter sich gelassen. „Mein Mann war gerade in Rente gegangen, ich bin selbstständig und dachte mir: Wenn nicht jetzt, wann dann?“, berichtet Silke Lechler.

Rückkehr ohne Wohnmobil ist keine Option

Die beiden vermieteten ihr Haus in Schönberg, erledigten allerhand Papierkram, ließen sich impfen und schlossen sich einer Gruppe aus mehreren Deutschen und Schweizern an, um gemeinsam die Panamericana abzufahren. Tagsüber war jeder für sich, abends traf sich die Gruppe zum Übernachten auf Stellplätzen. „Anfangs waren wir 20 Wohnmobile, jetzt sind wir noch 15. Manche sind in Panama vorzeitig aus der Reise ausgestiegen oder haben die Rückholflüge der deutschen Bundesregierung in Anspruch genommen“, sagt die 55-Jährige.

Für das Paar aus Schönberg war das keine Option – so wie für viele andere, die mit eigenem Auto im Ausland unterwegs sind. „Wir müssten dann unser Wohnmobil in Zollverschluss geben und nach Hause fliegen – und wüssten nicht, ob und wann wir das Fahrzeug je wieder sehen und die Reise fortsetzen könnten.“ Zudem sei die Planung für die Rückholflüge sehr vage, richtig verlassen könne man sich darauf nicht, meint Silke Lechler. Deshalb wartet das Paar weiter ab. „Wir hätten aber nie gedacht, dass es so lange dauern wird“, gibt Silke Lechler zu. Anfangs dachte die Gruppe, dass sie an Ostern weiterreisen könnte. Inzwischen rechnen sie nicht vor Juni mit einer Fortsetzung.

Das Ziel Alaska rückte in weite Ferne

Dabei war anfangs alles so gut: Im Oktober 2019 landeten sie in Brasilien, einen Monat später kam das Wohnmobil mit dem Schiff in Buenos Aires (Argentinien) an. Von dort ging es zum sogenannten Fin del Mundo (dt.: Ende der Welt) und weiter über Chile, Peru, Bolivien, Ecuador und Kolumbien – immer entlang der Panamericana und „traumhaften Sehenswürdigkeiten“, schwärmt Ulrich Lechler. Von Kolumbien aus nahmen sie Flugzeug (für sich) und Schiff (für das Wohnmobil) nach Panama und reisten anschließend nach Costa Rica. „Im März hatte Corona dann Mittelamerika erreicht, eine Einreise in die vor uns liegenden Länder war nicht mehr möglich“, sagt der 65-Jährige. „Plötzlich rückte unser Ziel Alaska in weite Ferne.“

Trotz allem hat das Schönberger Paar Glück: „Auf der Finca haben wir Trinkwasser, Duschen, Toiletten und sogar ein kleines Restaurant.“ Gekocht und geschlafen wird freilich in den Wohnmobilen. Was noch problemlos funktioniert, sind Dinge für den täglichen Bedarf einzukaufen. Außerdem besucht die Gruppe hin und wieder andere Hotels, um sich dort im Pool abzukühlen – mittags hat es bis zu 35 Grad. Andere Ausflüge sind nicht mehr möglich: Strände, Museen, Nationalparks und öffentliche Plätze wurden geschlossen. Außerdem gelten zu bestimmten Tagen und Uhrzeiten Fahrverbote für Autos, abhängig ist dies von der Endziffer des Nummernschilds.

Eigentlich wollten sie im Winter Skifahren

„Unsere Tage laufen sehr ähnlich ab“, berichtet Silke Lechler. „Mein Mann steht zeitig zum Joggen auf, weil da die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit noch angenehm sind. Wenn er zurück ist, kocht er Kaffee, und wir frühstücken. Dann kümmern wir uns um die Tiere, die hier leben. Irgendwann gehe ich spazieren mit den anderen Frauen, und einer von uns fährt einkaufen. Zwischendurch lesen wir viel, hören Hörbücher, und abends schauen wir in der Gruppe Filme oder spielen Karten.“

Eigentlich wollten die beiden im November 2020 in Halifax (Kanada) ihre Reise beenden und auf ein Schiff nach Hamburg steigen. „Wir sind leidenschaftliche Skifahrer und wollten die Saison ausnutzen.“ Im Gegensatz zu manch anderen aus der Gruppe haben die Lechlers aber keinen zwingenden Zeitdruck. „Falls die Reise nun länger dauert, müssten wir nur im Herbst kurz nach Hause fliegen, weil mein Mann Medikamente nimmt und sich mit dem Arzt abstimmen muss.“ Bis dahin hoffen sie weiter, dass ihr Leben als Dauercamper bald ein Ende hat.

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