Wie es sich für eine Filmpremiere gehört, stehen die Gäste Spalier, als die Hauptdarsteller von „Kaftan never dies“ mit der Stretchlimousine vor dem Ludwigsburger Central-Theater eintreffen. Foto: factum/Bach

Ein lokal gedrehter Agentenstreifen feiert im Ludwigsburger Central-Kino als Vorfilm für den neuen Bond „Spectre“ seine Weltpremiere. Die gewitzte Parodie ist gespickt mit Absurditäten und Selbstironie – das Publikum ist begeistert.

Ludwigsburg - Hunderte Fans haben sich vor dem Ludwigsburger Central-Theater eingefunden. Sie trinken Sekt, drängen sich dicht an dicht entlang des roten Teppichs, der für die Filmstars ausgelegt wurde, und warten alle nur auf einen: auf Bond. Volker Bond. Er ist der Hauptakteur in dem 007-Streifen „Kaftan never dies“, der am Donnerstag seine Weltpremiere in Ludwigsburg feiert. Dann, endlich, fährt die weiße Stretchlimousine vor. Zig Kameras werden gezückt, die Menge wartet gespannt. Als Bond und sein Widersacher Kaftan dem Gefährt entsteigen, bricht Jubel aus, die Leute johlen und klatschen.

So soll es sein bei einer Premiere. Allerdings ist dies keine gewöhnliche Erstaufführung. Denn weder Bond, noch Kaftan oder irgendein anderer Darsteller des Films sind echte Schauspieler. Vielmehr sind sie alle Fans von James Bond im Original und haben an einem ambitionierten Projekt mitgewirkt: an einer Parodie des weltberühmten Agentenfilms, einer Low-Budget-Version mit lokalem Touch. Die Idee dazu hatten Uwe Luckscheiter und Ralf Dickenbrock. Sie motivierten an die 40 Freunde und Bekannte zum Mitmachen, die meisten davon trainieren mit ihnen in der Leichtathletikgemeinschaft Freiberg.

Die Idee hat ihren Ursprung in den 80er Jahren

Ganz neu ist die Idee für den Bond-Verschnitt nicht. Sie hat ihren Ursprung in einer offensichtlich legendären Aktion in den 80er Jahren. Damals organisierten Luckscheiter und Dickenbrock einen Bond-Marathon für Freunde und Bekannte: Alle 17 bis dato erschienenen 007-Filme wurden am Stück gezeigt. Das dauerte rund 48 Stunden, 40 Leute kamen. Zwar hielten nur sieben bis zum Schluss durch, doch für die Initiatoren war die Sache ein Riesenerfolg. Davon angestachelt, erdachten sie immer neue Aktionen – unter anderem 1994 ihren ersten eigenen Bondfilm „Der Kaftan des Bösen“, der stolze 100 Minuten dauerte.

Irgendwann kam die Idee auf, diesen in einer Privatvorstellung im Kino zu zeigen. Claus Wollenschläger, der Inhaber der Ludwigsburger Kinos Central und Union, fand die Idee gut: 2009 wurde der Freiberger Bond vor 120 Zuschauern im Central-Theater gezeigt. 2012 legte die Leichtathletik-Truppe mit dem 18-Minuten-Clip „Kaftan returns“ nach, der als Vorfilm des offiziellen Bonds „Skyfall“ vor einem voll besetzten Saal mit 430 Gästen über die Leinwand flimmerte.

Trotz großer Nachfrage nur eine Vorstellung

Auch der aktuelle Streifen war heiß begehrt, lange vor der Vorstellung waren die 430 Karten ausverkauft. Er hätte locker das Doppelte loswerden können, erzählt Uwe Luckscheiter. Auch zusätzliche Shows wären möglich gewesen: Das Ludwigsburger Scala und das Prisma in Freiberg hätten Interesse angemeldet. „Aber wir wollten nur eine einzige, richtige Premiere.“

Wohl auch, weil Luckscheiter und seine Crew für ihren Auftritt einen enormen Aufwand mit viel Liebe zum Detail betreiben. So wird ihr Werk nicht nur auf der regulären Leuchtanzeige des Kinos angekündigt, sie haben auch Plakate entworfen, die die Schaukästen im Eingangsbereich zieren und professionellen Versionen kaum nachstehen. Während ihrer Begrüßung wird dann am Donnerstag im Kinosaal ein Clip auf der Leinwand eingeblendet, den die beiden Organisatoren zuvor von sich aufgenommen haben – in dem sie sich quasi selbst von der Bühne jagen, damit der Film endlich beginnen kann.

Selbstironie, Absurditäten und überzeichnete Anspielungen

Dieser ist gespickt mit überzeichneten Anlehnungen an den Original-Bond, mit Selbstironie und absurden Szenen rund um Ludwigsburg. So taucht Kaftan (Ralf Dickenbrock), der Erzfeind des von Volker Wagenknecht gespielten Bonds, aus dem Monrepos-See auf und muss zunächst seine Leoparden-Puschen auswringen, bevor er sich mit seinen stets böse dreinblickenden Bodyguards, den Twin Towers, auf die Jagd nach Bond macht. Um an einen 007-Detektor (auf Diskette) zu gelangen, wird ein schmieriger Dealer (Claus Wollenschläger) mit einem Sturz vom Kinobalkon ausgeschaltet. Dann führt die Verfolgungsjagd unter anderem ins Freiberger Rathaus, wo Bond für den Kämmerer flugs eine Rechenaufgabe löst, im Trauzimmer die Braut eines anderen küsst und dem Bürgermeister (gespielt von Dirk Schaible höchstpersönlich) seinen Martini wegtrinkt mit der Bemerkung: „Ist der geschüttelt oder gerührt? Ach, egal!“

Auch auf der Skipiste im schicken Sankt Moritz (gedreht in Großerlach im Rems-Murr-Kreis) stellt der Kaftan Bond nach. Der Agent lotst seinen tollpatschigen Verfolger, der seine Füße samt Leopardenpuschen auf die Ski geklemmt hat, über gefährliche Pisten und durch eng stehende Bäume, an denen Kaftan samt seinen Twin Towers erbärmlich scheitert. In Schottland (Golfclub Monrepos) folgt schließlich der große Showdown: Bond besiegt Kaftan beim Golfen – und erledigt ihn schließlich auch körperlich mit zig überaus präzise geschossenen Golfbällen. Das Publikum kommt aus dem Lachen kaum raus – eine Fortsetzung folgt.

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