Alok Sharma, der designierte Präsident der diesjährigen UN-Weltklimakonferenz (COP26), spricht während einer Pressekonferenz. Foto: Alessandra Tarantino/AP/dpa Foto: dpa

Nur noch wenige Tage sind es bis zur Weltklimakonferenz. Große Hoffnungen ruhen auf dem Zusammentreffen von Entscheidern. Der Handlungsdruck steigt - doch die Skepsis wächst auch.

London/Glasgow - Der britische Gastgeber der Weltklimakonferenz COP26 hält das Ringen in Glasgow um schärfere Klimamaßnahmen für schwieriger als die Einigung auf das Pariser Klima-Abkommen.

"Was wir in Glasgow schaffen wollen, ist wirklich schwierig", sagte der designierte COP-Präsident, Alok Sharma, dem "Guardian" (Samstag). "Es ist brillant, was in Paris geschafft wurde, es war ein Rahmenabkommen, aber viele der Details wurden offen gelassen."

In Paris hatten sich 2015 mehr als 190 Staaten auf das Ziel geeinigt, die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf deutlich unter zwei Grad, möglichst auf 1,5 Grad, zu begrenzen. Dazu sollten alle Länder Aktionspläne auflegen. In Glasgow wollen ab Sonntag rund 200 Staaten zwei Wochen lang beraten. "Das ist auf vielen Ebenen definitiv schwieriger als Paris", sagte Sharma. "Es ist, als sei man in einer Prüfung am Ende bei den schwierigsten Fragen angekommen, und gleichzeitig hat man kaum noch Zeit." Man werde die Pläne am 1,5-Grad-Ziel messen. Mit den aktuellen Plänen steuert die Welt einem UN-Bericht zufolge auf 2,7 Grad Erderwärmung zu.

Klimaschützer aus ärmeren Weltregionen forderten vor der Klimakonferenz von reichen Ländern wie Deutschland einen entschlosseneren Einsatz gegen die Klimakrise. Sie müssten ihre CO2-Emissionen drastisch verringern und mehr Geld zur Bekämpfung der Folgen des Klimawandels in ärmeren Ländern bereitstellen, sagten Aktivisten von Fridays for Future aus Kenia, Mexiko und den Philippinen der Deutschen Presse-Agentur. Die versprochenen 100 Milliarden Dollar für Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel in ärmeren Ländern reichten nicht und würden nicht einmal bereitgestellt, monierte Mitzi Jonelle Tan aus den Philippinen.

Thunberg: "Stehen einer existenziellen Krise gegenüber"

"Wandel kommt, wenn Menschen Wandel verlangen", sagte die prominenteste Fridays-for-Future-Vertreterin Greta Thunberg am Wochenende in einem Interview der BBC. "Deshalb können wir nicht erwarten, dass alles bei diesen Konferenzen passiert." Die 18-jährige Schwedin wird mit anderen Aktivisten nach Glasgow reisen. "Ein Erfolg wäre es, wenn die Menschen endlich beginnen, die Dringlichkeit der Situation verstehen, und wirklich realisieren, dass wir einer existenziellen Krise gegenüberstehen", sagte Thunberg.

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, rief Deutschland auf, sich aktiver für Klimaschutz in Asien, Afrika und Lateinamerika einzusetzen. "Es geht nicht nur um finanzielle Hilfen, sondern auch um Diplomatie", sagte Birol der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS). Außerdem müsse die kommende Bundesregierung die erneuerbaren Energien schneller ausbauen und Kohlekraftwerke zügiger stilllegen. "Wenn man an Schwellenländer appelliert, auf den Kohlestrom zu verzichten, dann sollte auch Deutschland offiziell bestätigen, vor 2038 auszusteigen."

Der weltweit führende Ölexporteur Saudi-Arabien versprach, bis zum Jahr 2060 klimaneutral zu werden. Der CO2-Ausstoß solle dafür bis 2030 jährlich um 278 Millionen Tonnen verringert werden, sagte Kronprinz Mohammed bin Salman in Riad am Samstag. Für Investitionen rund um das Klima seien umgerechnet 160 Milliarden Euro geplant. So will der Wüstenstaat in den nächsten 20 Jahren zehn Milliarden Bäume pflanzen. In einem ersten Schritt würden in dem Königreich im Rahmen der Saudi Green Initiative 450 Millionen Bäume gepflanzt, sagte Kronprinz Mohammed.

© dpa-infocom, dpa:211024-99-717211/2

  
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