Bonn ist Schauplatz der größten zwischenstaatlichen Konferenz, die je in Deutschland stattgefunden hat. Aber wieso ist der Gipfel eigentlich in Deutschland, worum geht es bei den Gesprächen und warum dauert das Treffen so lange?

Berlin - Großereignisse sind in Bonn selten geworden. Das ändert sich am Montag. Im Rahmen des 23. Weltklimagipfels strömen Regierungsvertreter, Beamte, Wissenschaftler, Unternehmensvertreter und Aktivisten aus fast 200 Ländern in die alte Bundesstadt. Mit 25 000 Delegierten, mehr als 1000 Journalisten hat die größte zwischenstaatliche Konferenz auf deutschem Boden ihren Auftakt. Hier die wichtigsten Informationen.

Wieso ist der Gipfel in Deutschland?

Eigentlich wäre ein Land in Asien als Gastgeber für die UN-Klimakonferenz an der Reihe gewesen. Als vor einem Jahr in Marrakesch über den nächsten Austragungsort verhandelt wurde, fand sich aber kein Staat, der diese Aufgabe übernehmen wollte. Deshalb greift eine alte Regel, die seit der Ansiedlung des Klimasekretariats der Vereinten Nationen in Bonn, gilt: Findet sich kein Gastland für den Gipfel, springt das UN-Klimasekretariat an seinem Stammsitz ein und organisiert die Konferenz. Deshalb hat es die Cop 23 – „Cop“ steht für „Conference of Parties“, wie die 23. Weltklimakonferenz im Diplomatenjargon heißt – an den Rhein verschlagen.

Ist Deutschland damit Gipfelgastgeber?

Politischer Gastgeber des diesjährigen Klimagipfels sind die Fidschi-Inseln. Die deutsche Bundesregierung gibt lediglich administrative Hilfestellung; sie ist sogenannter „technischer Gastgeber“. Der Inselstaat im Pazifik ist zu klein, hat nicht die nötige Infrastruktur und ist auf dem Globus zu abgelegen, um ein solches Großereignis zu beherbergen.

Wieso ist der Gipfel für Fidschi wichtig?

Politisch ist es ein starkes Signal, dass Fidschi die Präsidentschaft übernommen hat. Die Inseln sind schon heute stark vom Klimawandel betroffen. Wegen des steigenden Meeresspiegels droht ihnen der baldige Untergang. Die Fidschi-Inseln zählen deshalb zu der Aosis-Gruppe der rund vierzig kleinen Inselstaaten, die bei den Klima-Verhandlungen eine eigene Interessengruppe bilden. Sie setzen sich wegen ihrer prekären Lage traditionell für einen sehr ehrgeizigen Klimaschutz ein. Frank Bainimarama, Ministerpräsident der Fidschi-Inseln, wird das in seiner Rolle als offizieller Klimagipfel-Präsident sicher nicht verleugnen. Das macht den Bonner Gipfel spannend – denn die Inseln spielen erstmals eine solch federführende Rolle.

Was bedeutet der Gipfel für Bonn?

Die Verantwortlichen in Bonn sind überaus zufrieden. Offizielle Schätzungen gehen davon aus, dass die Teilnehmer während ihres Aufenthalts bis zu 70 Millionen Euro ausgeben. Die Hotels sind in in den nächsten zwei Wochen gut gebucht. Die Stadt hat normale Einwohner aufgerufen, ihre Gästezimmer zur Verfügung zu stellen. Rund 550 Bonner machen mit und bringen Teilnehmer unter, die sich kein teures Hotelzimmer leisten können. Auch 65 Vereine stellen Turnhallen und Räume als Schlaflager zur Verfügung.

Wer kommt zu so einer Konferenz?

Klimagipfel sind wahrscheinlich die buntesten und ungewöhnlichsten UN-Konferenzen überhaupt. Das liegt daran, dass sie nicht allein als Spitzentreffen wichtiger Politiker angelegt sind, sondern auch als Informations- und Agitationsbörse dienen: für Klimawissenschaftler, für Unternehmen und für Nicht-Regierungsorganisationen und Interessensgruppen aus aller Welt. Parallel zu den Sitzungen der Beamten und Politiker gibt es Tausende Begleitveranstaltungen. Ungefähr 25 000 Delegierte haben sich in Bonn angesagt, ob alle kommen, ist offen. Aber die Demonstration für den Kohleausstieg am Samstag mit rund 10 000 Teilnehmern gibt einen Vorgeschmack auf das Publikumsinteresse an dem Thema. Auf dem Konferenzgelände gibt es jeden Tag viele Pressekonferenzen und Hunderte von Nebenveranstaltungen, die die offiziellen Verhandlungen begleiten. Um all diese Treffen am Rande der offiziellen Verhandlungen abhalten zu können, wurden in der Nähe des World Conference Centers Bonn (WCCB) zwei Zeltstädte mit 55 000 Quadratmetern Fläche aufgebaut.

Worum geht es bei den Gesprächen?

Beim Pariser Gipfel vor zwei Jahren haben sich die Vertreter der Staaten darauf geeinigt, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad, möglichst sogar auf nur 1,5 Grad zu begrenzen. Seither wird an einem Regelwerk gearbeitet, wie diese Vorgabe umgesetzt werden kann. Dafür müssen noch administrative Grundlagen geschaffen. In Bonn geht es unter anderem darum, dass die Beiträge der Nationalstaaten zur Verminderung des Kohlendioxidausstoßes vergleichbar und überprüfbar sind. Das klingt nach kleinem Karo, ist aber von großer Bedeutung, wenn es gelingen soll, die Welt insgesamt auf Fortschritte beim Klimaschutz zu verpflichten.

Wieso dauert der Gipfel so lange?

Die Klima-Gipfel dauern immer 14 Tage. Die Verhandlungen sind schon deshalb kompliziert, weil sie unter drei verschiedenen klimapolitischen Dächern stattfinden: der UN-Klimarahmenkonvention, dem Kyoto-Protokoll und dem Pariser Klimaabkommen. Nicht alle Staaten haben alle diese Dokumente ratifiziert, deshalb gibt es drei Verhandlungsstränge mit teilweise unterschiedlichen Teilnehmern. In der ersten Woche treffen Heerscharen von Beamten die letzten Vorbereitungen für die politischen Gespräche. Ernst, im Sinne von politisch wichtig, wird es bei UN-Klimakonferenzen immer erst in der zweiten Woche, in diesem Jahr also vom 13. November an. Dann treffen nach und nach die Klimaminister aus aller Welt in Bonn ein. Die heiße Entscheidungsphase des Gipfels wird in diesem Jahr am 15.11. von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet. Die deutsche Delegation wird von Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) geleitet. Obwohl in Berlin die Jamaikasondierung weiterläuft, hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel – die übrigens 1995 als Umweltministerin im damaligen Kabinett Kohl Gastgeberin der allerersten UN-Klimakonferenz (Cop 1) in Berlin gewesen ist – angekündigt.

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