Eine Auktion auf dem Tsukiji-Fischmarkt in Tokio: Künftig werden die Thunfische zwei Kilometer entfernt versteigert. Foto: dpa

Der größte Fischmarkt der Welt in Tokio zieht um. Die Nachbarn sind in Alarmbereitschaft, denn auf dem Gelände leben Zehntausende von Ratten, die sich ebenfalls in Bewegung setzen könnten.

Tokio - Schnell müssen sie sein – und möglichst unauffällig. Denn der Feind schläft nicht. Wenn der berühmte Tsukiji-Fischmarkt in Tokio an diesem Freitag umzieht, rückt ein ganzes Heer von Kammerjägern an. Ihr Gegner: Zehntausende von Ratten, die auf dem 23 Hektar großen Marktgelände im noblen Stadtteil Ginza leben. „Sobald sie merken, dass etwas Ungewöhnliches passiert, werden sie sich massenweise in Bewegung setzen“, warnt der Beamte, der die Aktion leitet. Um zu verhindern, dass die Tiere in die Nobel-Boutiquen und Luxusrestaurants der Nachbarschaft einfallen, hat die Stadtverwaltung einen todsicheren Plan ausgearbeitet: Alle Eingänge der Kanalisation werden verschlossen, alle Löcher in den Zäunen rund um das Gelände abgedichtet. Vor dem Abriss der Marktgebäude werden die Ratten mit drei Meter hohen Stahlwänden umzingelt. Dann sollen die Kammerjäger den Tieren mit 40 000 Klebefallen und 300 Kilogramm Gift den Garaus machen.

Der riesige, klimatisierte Komplex ist zweimal so groß wie der alte Markt

Gelingt das nicht, droht eine Ratteninvasion – und den Reichen und Schönen die ein oder andere unschöne Begegnung. Und das ausgerechnet in Ginza, einem der schicksten Ausgehviertel Tokios. Die Besitzer der Lokale sind jedenfalls in Alarmbereitschaft. „Das ist beängstigend“, sagt der Inhaber eines Restaurants: „Manche Nachbarn füttern bereits die Straßenkatzen zur Verteidigung.“ Kammerjäger Kazuya Takahashi rät zur Wachsamkeit: „Wir empfehlen, nicht einmal die Türen offen zu lassen, denn sobald der Umzug des Markts beginnt, könnten die Kanalratten kommen.“

Der größte Fischmarkt der Welt befindet sich künftig in einem hochmodernen Gebäude im Stadtteil Toyosu. Innerhalb von fünf Tagen beziehen die etwa 900 Händler, die täglich 480 Arten von Meerestieren im Wert von zwölf Millionen Euro verkaufen, das neue Quartier in gut zwei Kilometer Entfernung. Der riesige, klimatisierte Komplex ist zweimal so groß wie der alte Markt und steht auf einem im Meer aufgeschütteten Gelände. „Der größte Unterschied ist, dass Toyosu ein geschlossener Markt ist“, sagt Masataka Miyake von der Stadtverwaltung. Sensoren steuern Türen und Rollläden. Sobald sie sich öffnen, wird ein starker Luftstrom in Gang gesetzt. „Dieser Luftvorhang verhindert, dass die kalte Luft entweicht.“ Und dass Insekten und Ratten eindringen.

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