Der Trend ist inzwischen über den Atlantik geschwappt: pinkfarbene Mützen, die für Frauenrechte stehen. Foto: The Canadian Press

Seit der Vereidigung Donald Trumps als US-Präsident sind pinkfarbene Strickmützen zum Symbol für Frauenrechte geworden. Einige Stuttgarterinnen haben sich aus Solidarität ebenfalls „Pussy Hats“ gestrickt.

Stuttgart - Ein humanistisches Weltbild sieht man jemandem nicht an. Hanna Grymel-Babinecz hatte das Bedürfnis, ihre Ansicht zu nach außen zu tragen. Deshalb hat sich die 44-Jährige eine pinkfarbene Mütze gestrickt. „Maschen gegen Trump“, nennt das die gebürtige Polin, die in Zuffenhausen lebt. Die Mütze sei für sie ein Symbol für Frauenrechte.

Nach der Vereidigung des US-Präsidenten Donald Trump sind nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern weltweit Hunderttausende Frauen und Männer in Städten auf die Straßen gegangen, um für Frauenrechte und gegen sexistische, herablassende und verächtliche Äußerungen des neuen Präsidenten zu demonstrieren. Vorbild war der „Women’s March on Washington“. Das gemeinsame Symbol: eine pinke Mütze mit Zipfeln rechts und links, die Katzenohren andeuten sollen.

Pussy Hat ist Anlehnung an einen Satz von Donald Trump

Ihren Namen Pussy-Hats (deutsch: Muschi-Mützen) verdanken diese Mützen einem Wortspiel: „pussy cat“ heißt Miezekatze. Pussy ist im Englischen gleichzeitig ein abfälliger Begriff für die weiblichen Genitalien. Hintergrund für die Titulierung der Mützen als Pussy-Hats ist ein aus dem Jahr 2005 stammender Videomitschnitt. In diesem sagte Trump gegenüber dem Reporter Billy Busch, wenn ein Mann ein Star sei, könne er alles mit Frauen machen, was er wolle: „Grab them by the pussy.“ („Greif ihnen zwischen die Beine.“)

Weltweit beteiligten sich laut der englischen Zeitung „The Guardian“ etwa zwei Millionen Menschen aus Solidarität an den Demonstrationen, das amerikanische „Time Magazine“ titelte im Anschluss „The Resistance rises – how a march becomes a movement“ (deutsch: Der Widerstand wächst – wie eine Demonstration zu einer Bewegung wird). Viele Frauen haben die Bewegung am diesjährigen One-Billion-Rising-Day fortgesetzt. Die weltweite Tanzdemo findet alljährlich am Valentinstag statt und erinnert daran, dass jede dritte Frau weltweit im Laufe ihres Lebens Opfer einer Gewalttat wird. Schätzungen gehen von einer Milliarde Frauen aus. Daraus leitet sich der Name ab: „One Billion Rising – eine Milliarde erhebt sich“.

In Stuttgart hatten viele Frauen bei der Tanzdemo ihre pinkfarbenen Pussy-Hats auf, wie Hanna Grymel-Babinecz. Auch Martina Schütz, Leiterin des Stadtteilzen­trums Stöckach, trug ihre selbst gestrickte, pinke Kopfbedeckung am Schlossplatz. So kam sie mit vielen anderen Frauen in Kontakt. „Es ist eine gute Gelegenheit, um zu diskutieren, was weltweit gerade passiert.“ Bei ihrer Arbeit im Stadtteilzentrum habe sie oft mit Frauen, vor allem Frauen mit Migrationshintergrund, zu tun, die nie gelernt haben, ihre Rechte einzufordern.

Die Idee für die Pussy Hats stammt aus den USA

Die Idee für die Pussy-Hats stammt von den Amerikanerinnen Krista Suh und Jayna Zweiman. Sie haben das Projekt nach der Wahl im November 2016 als Vorbereitung für den „Women’s March on Washington“ gestartet. Ihr Ziel: ein einzigartiges und visuell auffälliges Statement für Frauenrechte setzen. Außerdem sollten Frauen, die nicht bei der Demonstration mitlaufen konnten, auch ihre Solidarität ausdrücken können. Die Farbe Pink wählten sie, „weil es eine weibliche Farbe ist, die für Zuwendung, Mitgefühl und Liebe steht“.

Für Martina Gerbig ist der Einsatz für Chancengleichheit für Frauen nicht nur Protest, sondern quasi ihr Job. Die Textilingenieurin ist Vorsitzende der Regionalgruppe Stuttgart des Deutschen Ingenieurinnenbund (dib). Seit 30 Jahren ist sie im dib aktiv. „Pink ist auch unsere Farbe“, sagt Gerbig. Das hat ihr gefallen. Die Pussy-Hat-Bewegung unterstützt sie, weil sie es wichtig findet, „solche Themen mit etwas Humor zu transportieren“. Gleichberechtigung ist aus ihrer Sicht noch lange nicht erreicht: „Aktuell empfinde ich es eher so, als würden wir wieder Rückschritte machen.“

Frauen kämpfen heutzutage weniger für ihre Rechte

Der Rechtsruck, der durch Europa gehe, propagiere wieder ein sehr konservatives Frauenbild. Auch zögen es viele Frauen wieder vor, nach dem ersten Kind auszusteigen und Hausfrau zu werden. „Die kapitulieren vor dem System“, ist ihr Eindruck. Ein Ausstieg räche sich immer. „Keine intelligente und studierte Frau ist auf Dauer nur mit Kindererziehung zufrieden und glücklich.“ Auch der Gedanke an die Rente werde dabei verdrängt.

Für den Internationalen Frauentag am Mittwoch, 8. März, rufen die Initiatorinnen der Pussy-Hat-Bewegung aus den USA zu einer globalen, virtuellen Demonstration mit den pinkfarbenen Mützen auf. Alle Frauen sollen sich die Mützen stricken und tragen. Auch in Deutschland gibt es Aktionen: So haben die weiblichen Mitglieder der Partei Bündnis90/Die Grünen unter dem Motto „Männer haben Denkmäler, Frauen haben Zukunft“ dazu aufgerufen, öffentliche Denkmäler in ganz Deutschland mit den Mützchen zu verzieren.

Männliche Denkmäler sollen Pussy Hats tragen

Stephanie Reinhold, Bundestagskandidatin der Grünen im Wahlkreis Esslingen, hatte überlegt, die Aktion für Esslingen zu übernehmen. „Wir haben leider nicht so viele Denkmäler.“ Sie hat sich die Mütze gekauft, weil sie Trumps Aussagen gegenüber Frauen „respektlos“ findet. „Ich beobachte in meinem Umfeld, dass viele Frauen nicht mehr so für ihre Rechte kämpfen.“

Auf den internationalen Laufstegen ist die pinke Mütze übrigens bereits angekommen: Die Luxusmarke Missoni beendete ihre Schau auf der Mailänder Fashion-Week mit ein paar Dutzend Models, die die Mütze in verschiedenen Varianten trugen. Angela Missoni wollte damit ein Zeichen für weibliche Solidarität setzen.

„Wenn Frauen sich verbünden, entsteht daraus eine riesige Stärke“, sagt Hanna Grymel-Babinecz. Die Farbe findet sie dafür ideal: „Pink ist auffällig und aussagekräftig.“ Stricken – seit je ja eher ein weibliches Hobby – habe sie von ihrer Mutter gelernt. Heute wohne ihre Mutter Tausende Kilometer entfernt. „Diese Farbe und das Stricken verbinden uns nun.“ Auch ihre Tochter wolle es nun lernen, um einen Pussy-Hat zu stricken. „Das kann etwas sein, was alle Frauen weltweit verbindet.“

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