Stuhlstreik am Ostendplatz in Stuttgart Foto: Lg/Leif Piechowski

Stuttgarterinnen haben am Montag am Weltfrauentag mehrere Aktionen mobilisiert. „Ich bin täglich mit Sexismus konfrontiert und will mir das nicht länger antun“, sagt die 19-jährige Mannheimerin Emma Teuwem.

Stuttgart - Mehr als 30 Frauen haben sich am Montag auf dem Ostendplatz in einen Sitzstreik begeben, um auf strukturelle Benachteiligungen von Frauen in der Gesellschaft hinzuweisen. Das Frauenkollektiv Stuttgart hatte dazu aus Anlass des Weltfrauentags aufgerufen. „Ich bin täglich mit Sexismus konfrontiert und will mir das nicht länger antun“, sagt die 19-jährige Mannheimerin Emma Teuwem. Den Draht zu anderen Frauen hält sie für unerlässlich. „Wir können uns austauschen, Forderungen stellen, an Lösungen arbeiten“, sagt Teuwem.

Aufruf, die Hausarbeit ruhen zu lassen

Viele Männer fühlten sich persönlich angegriffen, wenn man auf das Thema zu sprechen komme. „Sie sagen dann oft, dass sie gar nicht sexistisch sein könnten, weil sie ja eine Frau oder eine Tochter haben“, so Emma Teuwem. Sexismus sei indes nicht allein Männersache, sondern eine Art zu denken, die in der Kultur verankert sei. Der 19-jährigen Lena Baudendistel aus Tübingen geht es bei der Aktion vorrangig um das Gemeinschaftsgefühl. „Es ist schön zu sehen, dass so viele Leute gekommen sind, und nicht nur Frauen“, so Baudendistel.

Sie glaubt, dass das Bewusstsein für die Ungleichbehandlung vonFrauen in der Gesellschaft gestiegen sei. Gleichwohl stehe den Frauen noch ein weiter Weg bevor. Die Ziele der Aktion konnte man den Ansprachen entnehmen, die den Sitzstreik einrahmten. „Wir nehmen uns die Straße, um unsere Wut in den öffentlichen Raum zu tragen und uns mit anderen Frauen zu solidarisieren“, so eine Sprecherin des Frauenkollektivs. Immer wieder konnte man die Forderung hören oder lesen, das patriarchalische System zu brechen.

Die Rednerin forderte die Frauen dazu auf, die Hausarbeit für eine Weile ruhen zu lassen, sich in Frauengruppen zu organisieren und sich öffentlich zu äußern. Eine ältere Teilnehmerin deutete auf ein an ihrem Stuhl befestigtes Schild, um zu erklären, warum sie gekommen war. „Ich streike, weil mein Körper verdammt noch mal mir gehört!“, so die Aufschrift. „Das ist in der Gesellschaft noch nicht angekommen“, ergänzte die Frau.

Demo: Frauen wehrt euch!

Nach dem Sitzstreik am Ostendplatz fuhren die Frauen mit der Bahn zum Schlossplatz, um die Aktion dort zu wiederholen. Auf dem Karlsplatz fand um 16 Uhr die vom Frauenbündnis Stuttgart organisierte Demo „Frauen wehrt euch!“ statt, an der mehr als 100 Menschen teilnahmen. Das „Stuttgarter Aktionsbündnis 8. März“ hatte wiederum zu einer Demonstration am Rotebühlplatz aufgerufen, um für Rechte und Selbstbestimmung der Frauen zu kämpfen. Das Bündnis wies darauf hin, dass Frauen einen Großteil der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit („Care-Arbeit“) verrichteten. Auch das Stuttgarter Frauenhaus beteiligte sich mit einer Straßenaktion.

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