Die Bodenzeitung regt viele Passanten zum Stehenbleiben an. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Am Weltfrauentag hat es auch in Stuttgart zahlreiche Veranstaltungen gegeben. Mit Humor zog eine Aktion auf der Königstraße viele Teilnehmer an.

Stuttgart - Auf dem Boden liegt eine mit Steinen beschwerte Plane. Die Überschrift, die dort zu lesen ist: „Was denken Sie über die Gleichberechtigung des Mannes?“ Darunter sieben Aussagen wie: „Darüber habe ich noch nie nachgedacht“, „Man sollte Männer nicht diskriminieren, nur weil sie keine Kinder kriegen“ und „Auch im Haushalt muss die Überbelastung des Mannes nach und nach abgebaut werden“. Der Arbeitskreis der autonomen Frauenprojekte hat am Weltfrauentag am Freitag eine interaktive Aktion auf der Königstraße gestartet. „Die Plane soll die Aufmerksamkeit der Menschen wecken und sie zum Nachdenken über Unterschiede zwischen den Geschlechtern im Beruf und im Alltag anregen“, sagt die Organisatorin Heike Fischer.

Bei starkem Wind zieht die Bodenzeitung am Nachmittag interessierte Fußgänger aller Generationen an. Passanten können sich einen Ball geben lassen und ihn in eine von sieben Boxen zu den jeweiligen Antworten legen.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Reaktionen sind unterschiedlich. Sie reichen von interessiert über belustigt bis zu skeptisch. Ein 26-jähriger Student wundert sich über die irritierende Fragestellung und glaubt, da hätten die Veranstalter wohl einen Witz machen wollen. Die Heilerziehungspflegerin Stefanie Ammann, 40, findet die Aktion zwar gut, sieht aber auch die Privilegien, die Frauen in der westlichen Welt im Vergleich zu denen in anderen Ländern haben. Sie schätze sich und ihre Tochter glücklich, in Deutschland geboren worden zu sein. Peter Lauck, 68, ehemaliger Lehrer hält eine Sensibilisierung für das Thema für sehr wichtig. Er war verwitwet und alleinerziehend, so habe er am eigenen Leib erfahren, wie anstrengend es ist den Haushalt, die Kinder und den Beruf unter einen Hut bringen zu müssen. Viele Männer könnten sich das seiner Meinung nach überhaupt nicht vorstellen.

Gleiche Bezahlung liegt vorn

Nach einer Stunde hatten schon fast hundert Menschen an der Abstimmung teilgenommen. „Viele Leute bleiben stehen, es gibt sogar tiefgreifende Gespräche“, sagt Heike Fischer. Sie finde es wichtig, einem so ernsten Thema mit Humor begegnen zu können. Die Aktion sei gelungen. Die meisten Stimmen bekommen hat die Antwort „Männer sollen für ihre Arbeit gleich bezahlt werden wie Frauen“.

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