Infostand auf dem Marktplatz. Foto: Werner Kuhnle

Eine Rallye durch die Innenstadt lud alle dazu ein, ihr Wissen über Frauenrechte zu testen. Dass das Recht auf körperliche Unversehrtheit immer wieder durch Männer mit Füßen getreten wird, machte Bianca Biwer vom Weißen Ring deutlich.

Die Organisatoren und die beteiligten Gruppen hatten sich viel Mühe damit gegeben, am Weltfrauentag in Ludwigsburg über Frauenrechte und Gewalt an Frauen zu informieren. Sie hätten Scharen von Besucherinnen und Besuchern verdient gehabt. Doch die Resonanz war – was auch dem Bilderbuchwetter und den noch andauernden Faschingsferien geschuldet sein dürfte – eher gering.

 

Vor allem auf dem großen Rathaushof fiel die zum Teil gähnende Leere auf, die beiden Stände auf dem Ludwigsburger Marktplatz, wo zeitgleich der Wochenmarkt stattfand, waren hingegen etwas besser besucht. So freute sich beispielsweise Getraude Holstein vom Frauenverband Courage darüber, dass gleich am Anfang etliche Besucherinnen vorbeikamen, die für das zweite Frauenhaus spendeten.

Überraschende und erschreckende Erkenntnisse

Sehr ruhig war es zunächst auch beim Verein „Frauen für Frauen“ in der etwas abgelegenen Abelstraße, doch dann fanden sich doch noch einige Besucherinnen ein. „Wir sind direkt vom politischen Frauenfrühstück hier hergekommen“, berichteten zwei Frauen. Wer den Weg zu den 14 verschiedenen Ständen, die Stationen einer informativen Rallye waren, fand, wurde aber mit reichlich Infomaterial versorgt. Und erfuhr beispielsweise beim Stand der Stadt Ludwigsburg beim Beantworten von fünf Fragen Überraschendes. „Seit wann brauchen Frauen nicht mehr die Erlaubnis ihres Ehemanns, wenn sie einen Führerschein machen wollen?“ Die richtige Antwort lautete: 1958. „Das ist ja noch gar nicht so lang her,“ staunten Tina Kyriss und ihr elfjähriger Sohn Theo. Beide waren entschlossen, alle Stationen zu absolvieren, um genügend Stempel zu bekommen. „Theo meinte: Lass uns den Einkaufsgutschein gewinnen“, sagte seine Mutter mit einem Schmunzeln.

Wenig zu schmunzeln gab es am späten Nachmittag im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse. Zu erschreckend war das, was Bianca Biwer, die Bundesgeschäftsführerin des Opferschutzvereins Weißer Ring, zu berichten hatte. Ihr Thema: „Von der digitalen Gewalt zum Femizid“ – also zum Mord an Frauen, weil sie Frauen sind. Mehr als 17 000 Opfer digitaler Gewalt habe es 2023 gegeben – eine Zunahme von 25 Prozent. Und das seien nur die bekannten Zahlen. Cybermobbing, die Verbreitung von Hassinformationen, gezielte Falschinformationen bis hin zu gefälschten Pornos mit den Betroffenen, darunter zum Teil schon Kinder unter zehn Jahren: Sie alle verfolgten das Ziel einer psychischen  oder emotionalen Schädigung der Opfer. Und: „So etwas bleibt nicht im Digitalen.“ Meistens fänden beide Formen von Gewalt – digitale und reale – gleichzeitig statt. „Was im Digitalen verbreitet wird, wirkt wie ein Brandbeschleuniger, weil die potenziellen Täter im Internet Bestätigung finden“, so Bianca Biwer.

Femizide sind selten Affekttaten

Im letzten Jahr seien in Deutschland 360 Frauen und Mädchen getötet worden. Besonders schlimm: „Bei über 50 Prozent der Femizide hat sich das angekündigt.“ Biwers düstere Prognose: Die beispielsweise über Tiktok verbreitete toxische Männlichkeit werde zu noch mehr Problemen führen.

Eine Frau aus dem Publikum wollte wissen, wie sie einer jungen Bekannten helfen könne, die von ihrem Partner niedergemacht werde. „Sie wird erst rausgehen, wenn sie es kann“, sagte Bianca Biwer. „Sie können ihr nur immer wieder sagen: Wenn du willst, bin ich für dich da.“