Sechs von neun Feiertagen in Deutschland sind religiös – Zeit, auch mehr politische Feiertage einzuführen. Foto: dpa

Das Abgeordnetenhaus in Berlin hat diesen Donnerstag den Weltfrauentag zu einem landesweiten Feiertag erklärt. Ein wichtiger Schritt, um Diversität im Land zu fördern, findet Autorin Theresa Ogando.

Berlin - Eigentlich ist Berlin eines der Bundesländer mit den wenigsten Feiertagen, aber das war einmal. Als erstes Bundesland führte die Hauptstadt diesen Donnerstag den Weltfrauentag offiziell als Feiertag ein und hat jetzt insgesamt immerhin zehn Feiertage.

Erstmals ausgerufen wurde ein Weltfrauentag im Jahr 1911. Damals stand der Tag im Zeichen des Kampfes für das Frauenwahlrecht. 100 Jahre später diesen Tag zum Feiertag zu erklären, ist sehr passend. Denn auch im Jahr 2019 – in Zeiten von Genderpaygaps, Donald Trump und Me too – gibt es in der Praxis noch keine vollständige Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Aus diesem Grund gibt es den Weltfrauentag am 8. März. Viele Menschen gehen an dem Tag auf die Straßen, um das zu ändern – und in Berlin haben die Demonstranten jetzt mehr Zeit dafür.

Mehr Diversität im Land fördern

Aber nicht nur deshalb ist es ein guter Schritt, den Tag zum Feiertag zu ernennen, sondern auch, weil er zu mehr Diversität der Feiertage beiträgt. Sechs von neun der bundesweiten Feiertage sind christlich. In Baden-Württemberg sind es sogar neun von zwölf.

Bei 33 Prozent Nicht-Christen in Baden-Württemberg wäre ein weiterer nichtchristlicher Feiertag neben dem Tag der deutschen Einheit, Neujahr und dem 1. Mai, angebracht. Zumal viele Menschen zwar offiziell der katholischen oder evangelischen Kirche angehören, aber dennoch nicht religiös sind. 2011 gaben 58 Prozent der Befragten von infratest dimap an, gläubig zu sein, die Zahl der Religiösen ist nochmal niedriger einzuschätzen und die Tendenz ist sinkend. Deshalb lohnt es sich über nichtchristliche Feiertage nachzudenken.

Mehr politische statt religiöser Feiertage

Ein nichtreligiöser Feiertag bietet zumindest das Potenzial, dass sich alle Bürger – egal welcher religiösen Zugehörigkeit – damit identifizieren können. Außerdem könnten politische Themen mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Wie es zum Beispiel mit dem Weltfrauentag der Fall ist, oder auch mit einem 8. Mai als Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus, oder mit dem Europatag.

Aber auch nichtpolitische Feiertage könnten allen die Möglichkeit bieten zusammen zu feiern. Wie ein Weltkindertag, der in Thüringen kürzlich zum Feiertag erhoben wurde oder ein Tag des Sports, wie es ihn in Japan gibt.

Auch ein islamischer Feiertage wäre möglich

Eine weitere Möglichkeit um Diversität bei den Feiertagen zu fördern, wäre es, andere Religionen zu berücksichtigen. Zum Beispiel könnte man einen muslimischen Feiertag zum Fastenmonat Ramadan zum Feiertag erklären, denn Muslime bilden immerhin einen großen Teil der deutschen Gesellschaft. Laut der baden-württembergischen Landesregierung sind knapp 14 Prozent der Bevölkerung im Land muslimischer Herkunft. Eine Zahl, die man nicht ignorieren sollte bei der Vergabe neuer Feiertage.

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