Auf dem letzten großen Konstanzer Seegrundstück hat ein Schweizer Hotelier ein luxuriöses Gesundheitsresort erstellt. Gegner des „Reichentempels“ bezeichnet der Investor als undankbar. Ein Besuch vor Ort.
In einem der Behandlungszimmer sitzt ein junger Mann, der Oberkörper verdrahtet, und strampelt sich am Ergometer ab. Sonst gilt Diskretion im „Buff Medical Resort“, „aber den kann ich Ihnen zeigen, das ist mein Sohn“, sagt Hans Jürg Buff. Fünf Jahre lang hat der Erstgeborene für seinen Vater in Konstanz die Stellung gehalten und viele Nächte im Baucontainer verbracht. Jetzt darf der 28-Jährige in der „Pre-Opening-Phase“ als einer der ersten die Vorzüge des Hauses genießen. Beim Paket „BuffMed Vitality“ gibt es zum Einführpreis von 2550 Euro sieben Tage lang eine „professionelle Begleitung zur Regeneration von Körper, Geist und Seele“. Die Zimmerkosten sind selbstredend nicht enthalten. „Das habe ich mir jetzt einfach mal gegönnt “, sagt Jean Jacques Buff.
50 Jahre lang hat das so genannte Büdingen-Areal an der Konstanzer Seestraße im Dornröschenschlaf gelegen. Dass das acht Fußballfelder große Seegrundstück mit seinem reichen Baumbestand nie bebaut wurde, hat gewiss etwas mit der nicht immer funktionalen Kommunalpolitik in Deutschlands letztem Zipfele zu tun. Für Hans Jürg Buff war es ein Glücksfall. Seeblick, Südlage, wenige Schritte von der malerischen Altstadt entfernt und nur durch einen Fuß- und Radweg vom Seeufer getrennt – 15 Jahre habe er nach so einem Gelände gesucht. Die zehn Millionen Euro, die er für den Bauplatz an den Kassenärztlichen Pensionsfonds überwiesen habe, seien ein Schnäppchen gewesen.
Bürgerproteste und Bauverzögerungen
Trotzdem wurde dem Schweizer Hotelier in Konstanz – so empfindet er es – nichts geschenkt. Eine Bürgerinitiative mobilisierte gegen den Neubau. Um jeden alten Baum wurde gekämpft. Die Grünen – in Konstanz stärkste Partei – hat er sowieso gefressen. Doch dann zogen sich auch die Bauarbeiten deutlich länger hin als gedacht. Im Außenbereich steht ein schwarzer Bentley mit Graubündner Nummer, daneben schiebt ein Radlader Erde hin und her. Immer noch sieht es eher nach Baustelle als nach Luxusresort aus.
Auch in dem segelförmigen Gebäude, in dem die Reichen und Schönen dieser Welt ihre Körper pflegen sollen, wuseln noch Handwerker herum. Hans Jürg Buff ist nicht zufrieden. Fast alle Gewerke hätten unter Lieferproblemen gelitten. Vor allem aber fehle es an qualifizierten Fensterbauern, Maurern, Elektrikern. Im Spabereich erklärt ihm gerade ein Schreiner, warum die Kommoden eigentümlich in der Luft schweben. Die Sockel seien eben ein paar Zentimeter zu niedrig. Buff schüttelt nur den schwarzen Lockenkopf.
Kontroversen um den „Reichentempel“
In den 120 Zimmern passt aber schon alles. Wer dort in der Badewanne liegt, kann durch das Fenster auf den See und direkt gegenüber in die Schweiz blicken. Doch offenbar liegen Welten zwischen den beiden Ländern. „In Deutschland ist Leistung nichts mehr wert“, wettert der 64-Jährige. „Da ist zu viel kommunistisches Gedankengut.“ Das habe er gerade bei der Eröffnung der Pre-Opening-Phase wieder erlebt. Statt das 120-Millionen-Euro-Projekt dankbar zu feiern, sei in den örtlichen Medien vom „Reichentempel“ die Rede gewesen, „als ob Reiche sich nicht um ihre Gesundheit sorgen dürften“, ärgert sich Buff.
Denn das ist seine Zielgruppe, um die er jetzt wirbt – in Europa, in Fernost, in Amerika, im Arabischen Raum: Menschen, denen ihre Gesundheit wichtig ist und „die sich alles leisten können“. Zum Beispiel eine Höhenluftsimulation. In jedem einzelnen Zimmer können die Ärzte die Sauerstoff- und CO2-Konzentration so einstellen, als ob man sich auf 2000, 3000 oder 5500 Meter befindet. „Wer in den Himalaya will, könnte hier das Höhentraining absolvieren und nach dem Flug direkt mit dem Aufstieg beginnen“, sagt Buff. Wie gut das Höhenklima tut, weiß er aus seinen Hotels im Engadin, wo er Schauspieler Sascha Hehn oder den spanischen König zu seinen Gästen zählt.
Luxusmedizin im Wellnessresort
Auch der Luxus einer MRT-Untersuchung, die medizinisch nicht angezeigt ist, gehört zum Angebot. Der hauseigene Kernspintomograf steht jederzeit zur Verfügung und ist fester Bestandteil des Pakets „BuffMed Cardio“ für Herzkranke. Immerhin: an drei Stunden pro Tag darf das nahe Herzzentrum das MRT für dringende Fälle mitbenutzen.
Doch diskutiert wird in Konstanz nicht über solche Vorteile, sondern über ein öffentliches Wegerecht auf dem Gelände und über den mannshohen Zaun, mit dem Buff seinen Wellnesspalast von der Seestraße, der beliebtesten Uferpromenade der Konstanzer, abgegrenzt hat. „Der Zaun ist doch pillepalle“, sagt Buff. Und das im Bebauungsplan verankerte Wegerecht bedeute noch lange kein Aufenthaltsrecht.
Der Investor wünscht sich mehr Dankbarkeit
Das mag spitzfindig klingen. Aber tatsächlich wünscht sich der Schweizer Hotelier schon etwas mehr Dankbarkeit. „Wir werden einer der größten Arbeitgeber und einer der besten Steuerzahler in der Stadt sein.“ Bei Preisen von knapp 1000 bis zu 2500 Euro pro Gast und Nacht würden schon bei der Bettensteuer im Schnitt 80 Euro anfallen. Bei der 350 Quadratmeter großen Präsidenten-Suite fließt noch deutlich mehr ins Stadtsäckel. Mit modernster Sicherheitstechnik sei die Suite ausgestattet. „Wir könnten hier jederzeit Donald Trump unterbringen“, sagt Buff.
Für seine Lieblingsspeise müsste der US-Präsident allerdings zur McDonald’s-Filiale am Konstanzer Bahnhof hinüberradeln. Im Gesundheits-Resort wird gefastet und entschlackt. 40-mal Kauen lautet die strenge Regel. Dafür gibt es, je nach Diätplan, einen Cookie als Kautrainer, eine kleine Gemüsecreme und ein Süppchen. Damit es beim langen Kauen warm bleibt, sind an den Plätzen im Restaurant Stövchen in die Tische eingelassen. Eine Bar sucht man vergebens, dafür sind überall im Haus Wasserstationen verteilt. Zum Essen wird aber kein Getränk gereicht. Auch Unterhaltungen im Speisesaal sind verpönt. Nichts soll vom Kauen ablenken.