Mit Wellness-Behandlungen werden auch viele Kosmetiker Foto: dpa

Raus aus dem Alltag – damit wird oft geworben. Doch hinter den Wellness-Angeboten verbirgt sich oft etwas anderes als Verbraucher erwarten. Experten sagen, was Wellness auszeichnet.

Berlin/Düsseldorf - Wellness – dieser Begriff klebt nicht nur gefühlt an jeder Bodylotion oder Handcreme, sondern auch an vielen Türen von Kosmetikstudios, Friseurgeschäften und Hotels. Die Anbieter werben mit Entspannung und Wohlfühlen, der aufmerksame Verbraucher fragt sich aber, wie das kleine Kosmetikstudio um die Ecke ein so umfassendes Angebot anbieten will wie ein großes Hotel.

„Der Begriff Wellness ist nicht geschützt. Jeder kann ihn verwenden“, sagt Anja Brittner-Widmann, die an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg zum Thema Destinations- und Kurortemanagement forscht. Der Begriff werde daher inflationär verwendet, weil viele Firmen und Unternehmer damit Geld verdienen wollen. Die Bodylotion trägt den Stempel ebenso wie ein Liegestuhl oder ein Hotel. Dementsprechend werden die Türen und Internetseiten mit verschiedenen Siegeln zugepflastert. „Es gibt viel zu viele Siegel und Zertifikate“, sagt Gunnar Schwan von der Stiftung Warentest. Für den Verbraucher sei es unmöglich, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden. „ Ein einheitliches Siegel wäre schön.“

Doch da fangen die Probleme an. Verschiedene Anbieter wie Tourismusverbände vergeben bereits Siegel, und die haben wenig Interesse, sich einer Regulierung zu unterwerfen, sagt Brittner-Widmann. Denn das hätte Konsequenzen: „Viele Anbieter würden dann aus dem Markt herausfallen, weil sie die Standards bei weitem nicht erfüllen“, sagt Lutz Hertel, Geschäftsführer des Deutschen Wellness-Verbands. Das einheitliche Siegel würde aber auch den Markt bereinigen und so die Qualität verbessern, sagt Schwan von der Stiftung Warentest.

Gurkenscheiben und heiße Steine

Damit aber auch das als gut zertifiziert werden kann, was dem Verbraucher guttut, muss definiert werden, was Wellness eigentlich ist. Und die Vorstellungen gehen da meist weit auseinander. Bilder zeigen Frauen mit einer Maske und Gurkenscheiben im Gesicht oder heiße Steine auf dem Rücken eines Kunden. „Diese Bilder haben aber wenig mit dem zu tun, was Wellness eigentlich ist“, sagt Brittner-Widmann. Das Wort setzt sich aus den englischen Begriffen Wellbeing, zu Deutsch gut fühlen, und Fitness zusammen. „Deshalb gehören auch Bewegung und Ernährung dazu.“ Wellness ist auch eine Lebenseinstellung, sagt Hertel vom Deutschen Wellness-Verband. Behandlungen seien nur eine Ergänzung, denn der Effekt einer Massage sei nach zwei Tagen vorbei, wenn man nicht grundsätzlich bereit sei, etwas zu ändern. Doch die meisten Menschen würden an Entspannung, Massage und Erholung denken.

Was kann man aber nun als Verbraucher tun, um das richtige Angebot zu finden? „Bevor man etwas bucht, sollte man sich genau überlegen, welche Erwartungen man hat“, sagt Brittner-Widmann. Will man sich mit verschiedenen Kosmetikbehandlungen und Massagen verwöhnen lassen, Sport treiben oder Ernährungstipps bekommen? Auch Bewertungsportale und eigene der bestehenden Siegel können hilfreich sein. „Wer sich an den Siegeln orientieren will, sollte darauf achten, dass die Anforderungen transparent dargestellt werden“, sagt Warentester Schwan. Außerdem sollte daraus hervorgehen, wer die Zertifizierung vorgenommen hat und ob sie zeitlich begrenzt ist.

Ist die Wahl dann auf einen Anbieter gefallen, ist ein gründlicher Blick auf die Homepage hilfreich. „Dort sollte unter anderem aufgeführt sein, welche Ausbildung und Qualifikation die Mitarbeiter haben“, sagt Hertel. Kosmetiker, Physiotherapeuten, Masseure und Bademeister sollten eine staatlich anerkannte Ausbildung haben. „Wellness erfordert hoch qualifizierte Mitarbeiter“, sagt Hertel. Denn zu Wellness gehöre auch, dass man Informationen und Anleitungen mit nach Hause bekommt, um sich nachhaltig besser zu fühlen.

Neben den Mitarbeitern sind auch die Infrastruktur und Ausstattung wichtig. Pro Zimmer sollten zehn Quadratmeter Wellness-Bereich zur Verfügung stehen und die verschiedenen Bereiche – Kosmetik, Sauna, Entspannung – klar abgetrennt sein. „Gerade Ruhebereiche werden oft vergessen“, sagt Hertel.

Bevor man einen Termin oder eine Behandlung bucht, sollte man ruhig auch mal beim Anbieter anrufen und nachfragen, rät Warentester Schwan. Der Preis aber ist kein Kriterium für ein gutes Angebot. „Wenn es zu billig ist, kann man schnell in die Schnäppchenfalle tappen“, sagt Brittner-Widmann von der Dualen Hochschule. 100 Euro für ein Wochenende seien zu wenig. Aber auch ein hoher Preis ist kein Merkmal für Qualität – schließlich ist Wellness immer noch eine Frage der Definition, und auch in einem teuren Hotel macht ein Buddha aus einem Schwimmbad noch lange keinen Wellness-Bereich.

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