Der Waldkauz kommt am häufigsten in Deutschland vor. Foto: Shutterstock/Piotr Krzeslak

Lautlos durch die Nacht und oft unbemerkt mitten unter uns: Eulen gehören zu den faszinierendsten Bewohnern Stuttgarts. Welche Arten hier leben und was sie so besonders macht, zeigt ein Blick in ihre geheimnisvolle Welt.

Eulen sind in Stuttgart keine Seltenheit – vor allem der Waldkauz und die Waldohreule sind im Stadtgebiet und in Baden-Württemberg weit verbreitet. Ob in Parks, Gärten oder auf Friedhöfen: Die nachtaktiven Vögel haben sich erstaunlich gut an das Leben in und um die Stadt angepasst.

Haben Eulen Ohren?

Ja, Eulen haben Ohren. Diese liegen asymmetrisch und ermöglichen ihnen eine präzise Lokalisierung von Beute – auch in der Dunkelheit.

Bauen Eulen Nester?

Nein, Eulen bauen keine Nester. Sie nutzen Höhlen, alte Nester oder brüten am Boden. Die Eier sind weiß und die Jungen schlüpfen asynchron.

Der Waldkauz ist die häufigste Eule in der Region

Der Waldkauz ist die am häufigsten vorkommende Eule in der Region. Rund 8000 Brutpaare gibt es in Baden-Württemberg. Davon leben einige südlich von Stuttgart in Misch- und Laubwäldern. In Stuttgart halten sie sich in Parks und auf Friedhöfen auf. Die Vögel werden etwa so groß wie eine Krähe (zwischen 34 und 42 Zentimeter). Die Tiere erkennt man an ihrem runden Kopf, ihren großen, nah beieinanderliegenden Augen und dem hellen Gesichtsschleier, der dunkel umrahmt ist. Sie fliegen nahezu geräuschlos, wenn sie sich auf die Jagd nach Mäusen, Vögeln oder Würmern begeben. Der Bestand der Waldkäuze schwankt mit dem vorhandenen Nahrungsangebot. Sinkt der Bestand an Mäusen, gibt es auch weniger Waldkäuze.

Die Waldohreule lebt ebenfalls in Stuttgart

Neben dem Waldkauz ist auch die Waldohreule recht häufig in Stuttgart vertreten. Auch in Deutschland ist sie die zweithäufigste Eule mit einem Bestand zwischen 25.000 und 41.000 Paaren. In Stuttgart besiedeln die Waldohreulen Parks, Gärten und andere Flächen, die einen reichen Wühlmausbestand haben. Die Waldohreule erkennt man an ihren auffälligen Federohren, die sie aufstellen oder am Kopf anlegen kann. Ihr Körper ist schlank und ihre Augen haben eine gelbe bis orange Farbe. Das obere Gefieder ist beige-braun marmoriert, während die unteren Federn heller sind und dunkle Längsstriche aufweisen. Fun Fact: Die „Ohren“ der Waldohreule nutzt das Tier nicht zum Hören. Die eigentlichen Ohren der Eule liegen seitlich an ihrem Kopf, gut verdeckt vom dichten Gefieder.

Sehr viel seltener kommen weitere Eulenarten in Stuttgart und Baden-Württemberg vor:

Der Uhu: die größte europäische Eule

Die größte europäische Eule, der Uhu, wurde in den 1930er Jahren nahezu ausgerottet. Mittlerweile hat sich der Bestand erholt auf knapp 400 Paare in Baden-Württemberg. Nur dank des Naturschutzes ist der Uhu heute heimisch. Der kräftige Uhu wird zwischen 60 und 75 Zentimeter groß, hat einen breiten Kopf mit schmalen Federohren. Die Augen sind leuchtend orangegelb. Das Federkleid des Uhus ist rostbraun. Oben ist es gefleckt, unten ist es heller. Sein breites Nahrungsspektrum setzt sich aus kleinen Säugetieren wie Igeln, Ratten, Kaninchen oder Hasen, sowie Vögeln wie Krähen, Tauben oder Greifvögeln zusammen.

Die geheimnisvolle Schleiereule

Die Schleiereule wird bis zu 39 Zentimeter groß, ist schlank gebaut und hat lange Beine. Ihr Gesichtsschleier ist herzförmig und weiß bis cremefarben. Ihr Gefieder ist oben gelblich bis graubraun und gesprenkelt. Sie lebt in Dörfern und an Stadträndern, brütet in Scheunen, in Kirchtürmen, auf Dachböden oder in Nistkästen. Nachts geht sie auf die Jagd über Wiesen und Feldern. Sie fliegt fast lautlos und findet ihre Beute in völliger Dunkelheit über das Gehör.

Auch der Steinkauz brütet in Stuttgart

In Baden-Württemberg kommt der Steinkauz hauptsächlich im Raum Stuttgart und Ludwigsburg vor. Er liebt alte Streuobstwiesen und Feldgehölze und lebt deshalb gerne am Streuobstgürtel, beispielsweise in Ostfildern, Fellbach oder Aichtal. Er sucht sich Höfe oder Weinberge mit alten Gebäuden, Nischen oder Nistkästen sowie alte Baumhöhlen in Obstbäumen. Der Vogel wird bis zu 23 Zentimeter groß und trägt braune Federn mit kontrastreichen weißen Tupfen. Die Unterseite seines Gefieders ist weiß mit braunen Streifen. Durch seine weißen „Augenbrauen“ beobachtet der Steinkauz seine Umgebung mit strengem Blick.


Neben oben genannten Arten, die in Stuttgart häufiger entdeckt werden können, finden sich im Großraum Stuttgart gelegentlich auch andere Eulenarten wie Sumpfohreule, Raufußkauz oder Sperlingskauz. Diese sind jedoch überwiegend in anderen Kernarealen verbreitet und brüten nicht im Stuttgarter Stadtgebiet.