Weiteres Ermittlungsverfahren Dieselskandal lässt Bosch nicht los

Von Inge Nowak 

In den USA sind weitere Klagen gegen Bosch  im Zusammenhang mit dem Dieselskandal anhängig. Foto: dpa
In den USA sind weitere Klagen gegen Bosch im Zusammenhang mit dem Dieselskandal anhängig. Foto: dpa

Im Herbst 2015 wurde der Skandal um Abgas-Manipulationen bei VW-Diesel-Modellen publik. Seitdem fällt immer wieder der Name des weltgrößten Zulieferers Bosch, der auch bei Dieseltechnologie Spitze ist. Nun hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ein drittes Ermittlungsverfahren gegen den Konzern eingeleitet.

Stuttgart - Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft nimmt den Zulieferer Bosch stärker unter die Lupe. Ende Dezember sei ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Konzern eingeleitet worden, sagte ein Sprecher der Stuttgarter Staatsanwaltschaft. Konkrete Beschuldigte gebe es nicht. Ermittelt werde gegen Unbekannt wegen Beihilfe zum Betrug im Zusammenhang mit möglichen Manipulationen der Abgasnachbehandlung bei Audi, so der Staatsanwalt. Der Konzern kooperiere im vollen Umfang mit den Behörden, sagte ein Bosch-Sprecher. Audi wollte den Vorgang nicht kommentieren.

Es ist das dritte Verfahren gegen den Stuttgarter Technologiekonzern im Zusammenhang mit dem Abgasskandal, der im Herbst 2015 publik wurde. Der Name Bosch ist in der Vergangenheit im Zusammenhang mit Manipulationen immer wieder gefallen. Grund dafür ist, dass die Stuttgarter die Dieseltechnologie forciert haben und einen großen Marktanteil in dem Bereich haben. Wohl alle bedeutenden Autohersteller stehen in der Kundenkartei der Stuttgarter. Auch im VW-Abgasskandal in den USA kam die Motorsteuerung für die VW-Diesel, deren Manipulation die Wolfsburger eingeräumt hatten, von Bosch.

Der Vorwurf: Beihilfe zum Betrug

Bei den beiden anderen Ermittlungsverfahren gegen Bosch, die bei der Stuttgarter Staatsanwaltschaft anhängig sind, geht es ebenfalls um Beihilfe zum Betrug im Zusammenhang mit Dieselmanipulationen. Das eine Verfahren, das seit Frühjahr 2017 läuft, steht im Zusammenhang mit Daimler-Fahrzeugen, bei dem anderen geht es um VW-Modelle. Im letztgenannten Fall, der bereits am längsten läuft, wird konkret gegen sieben Bosch-Mitarbeiter ermittelt. Keiner davon gehöre zur obersten Führungsriege, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Ranghöchste davon komme aus dem mittleren Management.

In den USA ist Bosch mit neuen Vorwürfen konfrontiert worden. Die US-Anwaltskanzlei Hagens Berman wirft dem Autobauer Ford vor, ähnlich wie VW Abschalteinrichtungen eingesetzt zu haben, um die Abgaswerte einzuhalten – und hat Klage gegen Ford und seinen Zulieferer Bosch eingereicht. Betroffen sind die Pickup-Geländewagen F250 und F350. Unter realen Bedingungen stießen die Fahrzeuge doppelt so viel Stickoxid aus wie erlaubt. Die Motorsteuerungen stammen dabei offensichtlich allesamt von Bosch.

Die US-Anwälte testen anscheinend selbst

Wie zu hören ist, stützt sich die Klage auf Tests, die die US-Anwälte selbst veranlasst haben. Bosch teilte mit, dass man die Vorwürfe der Manipulation sehr ernst nehme; konkreter wurde der Unternehmenssprecher nicht. Ford hat die Anschuldigungen zurückgewiesen. Alle Fahrzeuge des Autobauers erfüllten die Vorschriften der US-Umweltbehörde EPA.

Nach der Einreichung der Klage können sich die beiden Beschuldigten Ford und Bosch nun im nächsten Schritt zu den Vorwürfen äußern. Erst danach wird das US-Gericht entscheiden, ob die Klage von Hagens Berman zulässig ist. Nicht abzusehen ist, ob die US-Umweltbehörde EPA sich in den Fall einschaltet und eigene Untersuchungen anordnet.

Weitere Verfahren in den USA möglich

Auf Bosch könnten in den Vereinigten Staaten noch weitere Verfahren zukommen, ist zu hören. So hat ein Gericht Klagen im Zusammenhang mit Manipulationsvorwürfen gegen Fiat-Chrysler bereits zugelassen. US-Anwaltskanzleien wollen gegen Bosch auch im Zusammenhang mit Daimler und GM-Modellen vorgehen. Konkreter dazu äußern will sich Bosch aber nicht.

Auch das Verfahren im Zusammenhang mit VW-Modellen ist in den USA noch nicht ganz abgeschlossen. Zwar hat sich der Zulieferer mit den Sammelklägern auf 300 Millionen Euro Schadenersatz geeinigt – und dabei stets betont, keine Schuld anzuerkennen. Aber die Verfahren von einigen wenigen Einzelklägern und von Händlern laufen noch. In der Bilanz 2016 hat Bosch 1,1 Milliarden Euro für rechtliche Risiken zurückgestellt. Erhöht wurde der Wert bisher anscheinend nicht.

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