In dem Club an der Grenze zwischen Asperg und Ludwigsburg gehen Ende Juli die Lichter aus. Doch in dem Gebäude kann auch in Zukunft noch gefeiert werden.
Durchtanzte Nächte, fette Partys und Musik, die manchmal auch die ausgetretenen Pfade verlassen hat: All das und bestimmt noch anderes mehr verbinden Generationen von Besuchern mit dem Waldhaus an der Grenze zwischen Ludwigsburg und Asperg. Die Diskothek ist seit rund drei Jahrzehnten eine Institution in der Clublandschaft des Landkreises. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Anziehungskraft zuletzt nachgelassen hat. „Früher hatten wir im Schnitt pro Abend 400 bis 500 Gäste, jetzt keine 200 mehr“, sagt Betreiber Ramon Peao – der deshalb die Reißleine zieht.
„Das Waldhaus in seiner bisherigen Form als Diskothek mit regelmäßigen Öffnungszeiten wird es nicht mehr geben“, sagt Peao, der den Club seit fast 22 Jahren mit seiner Geschäftspartnerin Birgit Hörer managt. Die letzte Party steigt am Samstag, 26. Juli. Dann gehen die Lichter aus. „Wir haben vieles versucht und nie die Freude an dem verloren, was wir hier gemeinsam erlebt haben. Aber die Zeiten ändern sich – und wir mit ihnen“, schreiben Peao und Hörer auf einem Post in den sozialen Medien, in dem sie das Ende der Discothek bekannt geben.
Dass die Betreiber schon länger mit dem Gedanken spielen, die Pforten des Clubs zu schließen, war kein Geheimnis. Ihr Ziel war ursprünglich allerdings, das Anwesen zu verkaufen. Im Idealfall an jemanden, der die Idee einer Diskothek am Leben hält. „Auf uns sind auch viele Interessenten zugekommen. Die preislichen Vorstellungen waren aber unter dem, was uns vorschwebte“, sagt Peao. „Gleichzeitig war das bisherige Konzept wirtschaftlich nicht mehr tragfähig. Wir mussten also Konsequenzen ziehen. Leider ist es so, dass das Clubsterben nicht aufhört und auch uns erwischt hat. Für uns war klar, dass wir vor der Hochphase des Sommers in diesem Jahr schließen werden“, erklärt der 49-Jährige.
Das Gute für ihn und seine Geschäftspartnerin war jedoch, dass sie nicht unter Verkaufsdruck standen oder stehen. Und die Immobilie wird auch nicht brachliegen. Man lege lediglich eine kreative Pause ein, starte im Herbst an Ort und Stelle „in ein neues Kapitel“, heißt es etwas geheimnisvoll in dem Socialmedia-Post.
Waldhaus kann für private feiern gemietet werden
Ramon Peao kann aber aufklären, was es damit auf sich hat. „Wir werden das Gebäude und den Gartenbereich renovieren und im Oktober wieder eröffnen. Das Waldhaus kann dann vor allem für private Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Geburtstage gemietet werden“, verkündet Peao, der in Steinheim-Kleinbottwar lebt. Die erste Buchung habe man bereits in der Tasche. Ein Pärchen, das sich just in der Discothek kennen gelernt habe, werde in den Räumlichkeiten seine Hochzeit feiern. „Die beiden hatten schon bei uns angefragt und sich nach der Location erkundigt, als unsere Pläne gar nicht offiziell waren. Das hat uns gezeigt und bestärkt, dass wir mit unserem neuen Konzept auf dem richtigen Weg sind“, sagt Peao. Wenn man das Obergeschoss und den Garten hinzubuche, könnten bis zu 800 Gäste im Waldhaus untergebracht werden. „Aber dann wird es schon ein wenig eng“, sagt Peao schmunzelnd.
Er und Birgit Hörer setzen aber in Zukunft noch auf ein zweites Standbein. „Wir haben ein Grundstück in der Nähe gekauft. Dort wollen wir eine Hundetagesstätte eröffnen“, sagt Peao. Sie seien beide Hundeliebhaber und hätten festgestellt, dass es für ein solches Angebot einen Markt gebe. In der Corona-Zeit hätten sich viele einen Vierbeiner angeschafft, was sich gut mit der damals hoch im Kurs stehenden Tätigkeit im Homeoffice habe verbinden lassen. Mit dem Ende der Pandemie seien dann etliche Arbeitnehmer in die Büros zurückgekehrt und bräuchten nun eine zeitweise Betreuung für ihre Lieblinge.
Einzelne Events für die Öffentlichkeit
„Das Ganze hat aber räumlich nichts mit dem Waldhaus zu tun“, stellt Peao klar. Er hebt zudem hervor, dass man dort auch in Zukunft ab und zu die Türen für die Öffentlichkeit entriegeln werde. „Wir haben vor, einzelne Events wie unsere beliebte Ü-40-Party weiter anzubieten oder einen Family-Tag aus der Taufe zu heben. Aber das werden vielleicht zehn bis maximal 15 Veranstaltungen pro Jahr sein und keine 70 mehr wie jetzt“, erklärt er.