Das interaktive Beteiligungsformat beim Abschlussforum kommt bei den Bürgern gut an. Per Fragebogen kann jeder seine Meinung zu den in der Innenstadtstrategie aufgeführten Ideen einbringen – und selbst etwaige Maßnahmen priorisieren.
Das Interesse ist groß an der Vorstellung der Innenstadtstrategie für Leonbergs Kernstadt. Sie basiert auf den Ergebnissen zahlreicher Umfragen und Workshops, die seit Januar 2022 den Bürgern von der Stadtverwaltung angeboten wurden um herauszufinden, wie sich Leonbergs Kernstadt mittelfristig weiterentwickeln kann. Doch wer eine vorgefertigte, ausgearbeitete Strategie erwartet hatte, der wird positiv überrascht. Denn in einem interaktiven Format werden die zahlreich anwesenden Einwohner mit einbezogen. „Ihr Feedback ist jetzt gefragt, gestalten Sie die Zukunft von Leonbergs Innenstadt mit“, sagt Baubürgermeister Klaus Brenner bei der Einführung in die Veranstaltung. Und das Angebot wird fleißig genutzt. Jeder kann per Fragebogen seine Meinung zu den in der Strategie aufgeführten Ideen einbringen und selbst die Maßnahmen priorisieren.
Die einzelnen Themen sind in acht Schwerpunkte gegliedert, die an sechs Stelen im Foyer des Rathauses vorgestellt und mit Experten diskutiert werden können. Auf dem Boden des Foyers ist eine riesige Luftbildaufnahme von Leonberg ausgelegt. Überall sind kleine Fähnchen aufgestellt, die zeigen sollen, wo genau in der Stadt die im Fragebogen genannten Einzelmaßnahmen verortet sind. Ziel der Strategie ist, dass die Innenstadt lebendig, gesund und produktiv sein soll und dass die drei innerstädtischen Zentren stärker vernetzt werden. Die konkreten Vorschläge dazu, wie dies gelingen kann, gehen teilweise sehr ins Detail. Zum Beispiel eine Bürgerbeteiligung für die Gestaltung öffentlicher Räume, ein Hitzeaktionsplan, barrierefreie Wege in die Innenstadt, eine Belebung des Rathausvorplatzes, eine Durchgrünung der Innenstadt, und bessere Wegeleitsysteme.
Die Themen sind in acht Schwerpunkte gegliedert
Auch Bürger, die an der Veranstaltung nicht dabei waren, können noch bis Anfang September an der Befragung teilnehmen. Den Fragebogen gibt es an den Stelen oder online auf der städtischen Homepage. Die Infostelen werden im August auf dem Belforter Platz, dem Marktplatz, am Bahnhof, dem Neuköllner Platz, dem Eltinger Kirchplatz und am Stadtpark aufgestellt.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen aus der Fachstrategie Stadtklima und Grün befassen sich mit dem Klimawandel und der Bedeutung von Grünräumen in der Stadt. Dazu sollen bestehende Freiflächen und Bestandsbäume geschützt und zu einem Grünnetz verbunden werden. Verschattung, eine gute Durchlüftung der Stadt und die Verbesserung der Luftqualität gehören ebenfalls dazu. Sehr großes Interesse hatten die Besucher des Abschlussforums am Thema Wohnen. Dabei geht es um bezahlbaren Wohnraum, neue Wohnformen und die Verbindung von Arbeit und Wohnen. Die Strategie dies zu erreichen heißt dreifache Innenentwicklung. Mobilität, grüne Infrastruktur und Bauen sollen in Einklang gebracht werden.
Bei der Strategie Wirtschaft und Arbeit wird angestrebt, in der Innenstadt eine ausgewogene Nutzungsmischung zu schaffen und die Funktionstrennung von Wohnen, Leben und Arbeiten aufzuheben. So soll die Innenstadt belebt und der Handel und das Gewerbe gestärkt werden. Ein neues Baulücken- und Leerstandskataster wird als Chance gesehen, Flächen effizienter zu nutzen. Das Fachkonzept Kultur und Begegnung geht von einer immer vielfältigeren Gesellschaft aus. Damit alle am gesellschaftlichen Leben teilhaben können, müssen Begegnungsräume gut erreichbar, multifunktional, inklusiv und generationenübergreifend nutzbar sein.
Handel und Gewerbe sollen gestärkt werden
Im Einzelhandel gibt es ein verändertes Kundenverhalten. Die Antwort darauf lautet Multicodierung. Dabei geht es in einer attraktiven Innenstadt um temporäre Nutzungen, neue Geschäftsmodelle, mehr Gastronomie und generationenübergreifende konsumfreie Orte. Bei dem Thema Mobilität in der Stadt werden nichtmotorisierte und umweltfreundliche Fortbewegungsmittel immer wichtiger. Der Fuß- und Radverkehr soll künftig Vorrang erhalten.
Ist die Strategie einmal vom Gemeinderat verabschiedet, was für September geplant ist, geht es um eine weitere Priorisierung durch die Stadtverwaltung. Dabei wird untersucht, in welchen Bereichen die Stadt schon Maßnahmen geplant oder begonnen hat, die um Ideen einfach ergänzt werden können. Wichtig ist auch die Frage, ob es für einzelne Maßnahmen Förderungen gibt. Allein die Kosten für die Strategieerstellung sind weitgehend durch Fördergelder gedeckt. Die große Strategie wird in einen Flächennutzungsplan eingehen, der festlegt, wo Flächen für urbanes Gebiet, für Wohnen, Gewerbe, Grün oder auch Mischgebiete entstehen sollen. Brenner stellt aber auch klar: „Viele Muss-Themen haben eine erste Priorität, dazu gehört zum Beispiel der Kita-Bau.“ Aber ihm ist wichtig, dass die Bevölkerung die Möglichkeit hat, bei der Gestaltung ihrer Stadt mitzusprechen. „Das ist auch ein Korrektiv für unsere eigenen Ideen“, sagt Brenner. Die Ideen, die jetzt für die Innenstadt entstehen, sollen dann auch für die Teilorte umgesetzt werden. Auch hier sind die Planungsbüros schon beauftragt. Letztlich ist die Innenstadtstrategie der Leitfaden für die Entwicklung der Stadt in den nächsten 15 Jahren.