Eberhard Köngeter vom Maibaumverein zeigt eine der beiden neuen Tafeln mit historischen Sensationen. Foto: Frey

Die Römerpassage im Badgraben ist nun mit zwei weiteren Infotafeln über die Römer in Bad Cannstatt ausgestattet worden.

Bad Cannstatt - Die Römerpassage im Badgraben ist vollendet. Darüber freut sich Eberhard Köngeter vom Maibaumverein. Mit zwei weiteren Informationstafeln über das Bad Cannstatt zur Römerzeit gibt es weitere historische lokale Sensationen zu sehen, zusammengestellt von Köngeter und Andreas Thiel vom Landesamt für Denkmalpflege, grafisch unterstützt von Matthias Seitz.

Auf der ersten, bereits vor ein paar Jahren aufgehängten Tafel an der mittelalterlichen Mauer im Badgraben über die Römer in Cannstatt ist der Neckarlimes zu sehen von 90 bis 150 nach Christus, der sich am Neckar orientiert hat mit dem Fluss als Grenze. Dann hat sich die Grenze verschoben um 30 bis 40 Kilometer, weil das fruchtbare Neckarland mit hineingenommen wurde, erklärt Köngeter. Das Römerkastell von Cannstatt wurde nach Welzheim verlegt.

Cannstatt zur Römerzeit

Auf der neu aufgehängten Tafel ist erstmals eine Darstellung zu sehen, ein Aquarell, gemalt vom Malmsheimer Künstler Gäfgen, wie Cannstatt, das Neckartal zur Römerzeit besiedelt war. Der Blick geht von der Altenburg herunter und zeigt den Neckar mit Brücken sowie einer Furt über die Mühlgrüninsel, wo heute die Wilhelmsbrücke ist. Dort gab es auch bei den Römern einen Hafen, an dem sogenannte Nachen-Schiffe auf der linken Uferseite (der Rilling-Mauer) festmachten. Über den Neckar seien damals viele Materialien transportiert worden, auch Weinfässer, so Köngeter. In Cannstatt habe es hier einen Hafen gegeben.

Auf dem Plan ist auch zu sehen, dass es bereits vor 1850 eine Brücke gab, wo heute die König-Karls-Brücke steht. Straßen führen nach Köngen (Grinario) und zum heutigen Uff-Friedhof, von wo aus eine Straße ins Remstal nach Welzheim abbog. Auch ist zu sehen, dass es im Bereich des heutigen Rot-Kreuz-Krankenhauses eine römische Therme gab. In der Altstadt gab es eine Basilika mit Forum und Curia, einem politischen Zentrum. Dort, wo heute die Wiesbadener Straße ist, war zur Römerzeit eine Art Straßenpolizei zu finden, die Beneficiarier. Sie waren unmittelbar dem Statthalter von Mainz unterstellt. Im Umland sind Gutshöfe zu sehen, die als Villa Rustica bezeichnet wurden. Auch am Max-Eyth-See gibt es einen Hinweis auf einen römischen Gutshof namens „Villa Rustica“. Diese Höfe hätten das Kastell mit landwirtschaftlichen Produkten versorgt.

Wein importiert

Eine weitere Tafel informiert über das römische Leben in Cannstatt unter dem Titel „Götter, Wein, Bad und Verkehr“. Dort erfährt der Betrachter, dass es zur Römerzeit keinen Weinanbau in Cannstatt gab, sondern der Wein in die Provinz importiert wurde. Der Wein kam in Fässern von der Iberischen Halbinsel, Gallien und Italien. „Römische Keltern sind hier nicht nachgewiesen“, sagt Köngeter. Reste der römischen Therme wurden beim Bau des Hotels Hermann im Jahr 1818 freigelegt. Auch ist auf der zweiten Infotafel zu sehen, wie die 14 Pfahlköpfe freigelegt wurden, die zeigen, dass hier die Römer einen Vorläufer für die König-Karl-Brücke gebaut hatten. Nicht nur im Badgraben gibt es vielerlei Hinweise zu den Römern, auch Abgüsse von Steinmonumenten aus einem römischen Gräberfeld in Bad Cannstatt. Beim Weinfactum in der Nähe des Römerkastells gibt es diese beiden Infotafeln, die auch im Badgraben zu finden sind über die Geschichte der Römer in Bad Cannstatt.

Immer wieder wurden in Bad Cannstatt römische Funde gemacht, insbesondere zuletzt im Hallschlag an verschiedenen Bereichen, in denen alte Gebäude abgerissen und neu gebaut wurden. Unter den Funden waren unter anderem Reste einer Römerstraße und auch mehrere Töpferöfen aus der Römerzeit.

Im Badgraben kann von Cannstatt über den Tellerrand geblickt werden und eben auch die großen Verbindungslinien zu den umliegenden Kastellen. So verlief eine Straße von Grinario (Köngen) nach Augsburg, welches eine Provinzhauptstadt um 150 nach Christus war. Und während das Römerkastell etwa 500 Reiter beherbergte, zählte das Kastell in Aalen doppelt so viele, nämlich 100 0 Reiter. So gibt es noch vieles vor Ort zu entdecken.

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