Die Volkshochschule ist im Lockdown, die Kursleiter senden Ein-Personen-Stücke ins Internet. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Volkshochschule hat in Technik und Schulungen im Bereich digitales Lernen investiert und startet zum 22. Februar mit rund 1000 Online-Kursen. Das Ziel bleibt dennoch die Rückkehr zum Präsenzunterricht.

Stuttgart - Die Pandemie hat auch die Volkshochschule (VHS) voll erwischt. Zweimal musste sie in den zurückliegenden zehn Monaten schließen, das erste Mal ausgerechnet in dem Moment, als das 24. Solo-Tanz-Theater Festival gefeiert werden sollte. „Das hat viele sehr geschmerzt und uns bewogen, zum Kursstart im Frühjahr das Thema Bewegte Zeiten zum Schwerpunkt zu machen“, sagt Dagmar Mikasch-Köthner, die Direktorin der Volkshochschule Stuttgart.

Bewegt haben die Einnahmenausfälle aus Kursgebühren und Projektmitteln, weshalb die Stadt Stuttgart der VHS mit zwei Millionen Euro, Land und Bund mit jeweils einem sechsstelligen Betrag ausgeholfen haben. Bewegt sind die Zeiten aber auch, weil sich durch die Pandemie vieles viel schneller entwickelt hat – allem voran die Digitalisierung. Im März 2020 habe der Anteil digitaler Angebote bei einem Prozent gelegen, zurzeit sind es über 30 Prozent. „Wir gehen am 22. Februar mit rund 1000 Kursen und Veranstaltungen online an den Start“, sagt die Direktorin. Rund 1000 weitere Angebote würden noch aufs digitale Lernen umgestellt.

Direktorin fordert Land zur Digitaloffensive auf

Die Weiterbildungseinrichtung hat dafür sowohl in die Technik als auch in die Schulung investiert. „Wir haben für unsere Mitarbeiter eine Akademie für digitales Lernen gegründet, wo Anwenderfragen, Rechtliches und Technisches geklärt werden und die Online-Didaktik erarbeitet wird“, sagt Barbara Brodt-Geiger, die stellvertretende Direktorin. In Kursleiterwerkstätten würde an der Konzeption digitaler Angebote gearbeitet „und es gibt eine Servicestelle digitales Lernen zum Ausbau der digitalen Kompetenz der Mitarbeiter.“ Weil sich diese Entwicklung auch nach Corona nicht ganz zurückdrehen ließe, habe man einige Stellen dafür umgewidmet, sagt Dagmar Mikasch-Köthner. „Die Frage ist, ob die Teilnehmer alle den Weg mitgehen.“

Die Fernlernangebote kämen insbesondere im Gesundheitsbereich und bei den Fremdsprachen an. Die Anmeldungen seien in der ersten Woche gut gelaufen. „Allerdings sind private Haushalte unterschiedlich ausgestattet. Wir haben keine Hotline für unsere Teilnehmer. Online-Kurse für Migranten scheitern an der fehlenden Technik ebenso wie die für manche Schüler, die bei uns ihren Schulabschluss nachholen wollen. Die Schere geht weiter auf. Auch Volksbildung braucht eine Digitaloffensive“, sagt Dagmar Mikasch-Köthner, „Leihgeräte sind ein Thema, ,Internetzugänge ein Problem. Das Land hat da noch einiges zu tun.“ Gleichzeitig halte man am Selbstverständnis fest, „für alle erreichbar zu sein. Wir sind und bleiben eine Präsenzinstitution“.

Bewegungen in Kultur und Gesellschaft

Bis dahin also dreht sich in Webinaren, Podcasts und Streams alles um Bewegung. Im Studium generale geht’s um Konflikte in der Gesellschaft, um Protestkultur und den Aufschwung der 50er Jahre. In der Reihe Fragen an die Wissenschaft werden Mobilitätslösungen erörtert, aber auch der Krieg am Golf. Ein Kurs beschäftigt sich mit den individuellen Möglichkeiten, etwas gegen den Klimawandel zu tun, ein anderer mit der Frage, wie man in Krisenzeiten zur Resilienz kommt.

Dem Thema des gesellschaftlichen Zusammenhalts widmen sich Livestreams und Kurse zur Migrationspolitik, zur Integration und Barrierefreiheit. Und kreativ betätigen können sich die Teilnehmer beispielsweise in Workshops zum kreativen Schreiben, zum Zeichnen und zum Theaterspielen. Und als hätte die VHS nicht gerade die größte organisatorische Wende aller Zeiten vollzogen, blieb Beliebtes erhalten: Kurse in 37 Sprachen und unzählige Gesundheitsangebote bis hin zum Kurs: Fit bleiben im Homeoffice.

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