Weiter Kritik an fleischfreiem Tag Cem Özdemir verteidigt Idee des Veggie Day

Von dpa 

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir verteidigte den Vorstoß seiner Partei: Die Grünen wollen niemandem verbieten, Fleisch zu essen (...). Aber wir wollen, dass es Alternativen gibt. Foto: dpa
Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir verteidigte den Vorstoß seiner Partei: "Die Grünen wollen niemandem verbieten, Fleisch zu essen (...). Aber wir wollen, dass es Alternativen gibt." Foto: dpa

Die Kritik gegen den im Wahlprogramm der Grünen festgeschriebenen fleischfreien Tag in deutschen Kantinen nimmt zu. Gewerkschafts- und Industrievertreter reagierten ablehnend auf die Idee. Auch die SPD geht auf Distanz.

Berlin - Die Grünen stoßen mit der Idee eines fleischlosen Tags in Kantinen auch bei Gewerkschaften und der Industrie auf großen Widerspruch. „Wir sind gegen jede Form der Bevormundung“, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Franz-Josef Möllenberg, den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“ (Dienstag). „Fleisch und Wurst gehören zu einer ausgewogenen Ernährung nun einmal dazu.“ Union, FDP und Linke hatten sich schon am Montag kritisch geäußert. Die Grünen hatten bereits Ende April in ihrem Wahlprogramm die Forderung nach einem sogenannten Veggie Day in Kantinen festgeschrieben, um die Gesundheit sowie den Tier- und Klimaschutz zu fördern.

„Unsere Mitarbeiter sollten selbst entscheiden, was sie essen wollen“, sagte der Präsident des Verbandes der Familienunternehmer, Lutz Goebel, der „Bild“-Zeitung (Dienstag). Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Wolfgang Ingold. „Hinter diesen Plänen steht ein ganz seltsames Bevormundungsmodell“, sagte er dem Blatt.

Der Vegankoch und Buchautor Attila Hildmann („Vegan for Fit“) sprach sich ebenfalls gegen einen verpflichtenden Veggietag in deutschen Kantinen aus. „Ich animiere die Menschen, diese genussvolle, bunte Küche selber auszuprobieren“, sagte er der Hannoveraner „Neuen Presse“ (Dienstag).

Özdemir verteidigt den Vorstoß seiner Partei

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstag): „Wir sollten in den Kantinen gesündere Kost anbieten und den Fleischkonsum verringern.“ Zwangslösungen seien aber nicht dienlich. Auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hatte sich am Montagabend im BR-Fernsehen von seinem Wunschpartner Grüne mit dem ironischen Satz distanziert: „Die haben noch nicht mitgekriegt, dass es jetzt um die Wurst geht.“

Positive Erfahrungen mit einem vegetarischen Tag in Kantinen macht hingegen der Vegetarierbund Deutschland (Vebu). 30 Städte beteiligen sich mittlerweile an dem Projekt „Donnerstag ist Veggietag“. „Der Veggietag kommt sehr gut an“, sagte Projektleiterin Silke Bott. Meist werde das fleischlose Angebot in den beteiligten Kantinen donnerstags erhöht. Es stehen jedoch auch am Veggietag Fleischgerichte zur Auswahl. „Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sind die Länder, mit den meisten Veggietag-Städten“, sagte Bott. „Während der Veggietag zum Beispiel in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Thüringen noch nicht angekommen ist.“

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir verteidigte den Vorstoß seiner Partei. „Die Grünen wollen niemandem verbieten, Fleisch zu essen (...). Aber wir wollen, dass es Alternativen gibt“, sagte er am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es geht darum, dass wir alle miteinander schauen müssen, wie können wir unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten, aber auch zu einer artgerechten Tierhaltung.“

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