2023 gab es noch ein paar mehr Stände auf dem Kirbemarkt in Weissach. Foto: Jürgen Bach

Für viele Alteingesessene ist der Kirbemontag der wichtigste Tag des Jahres. Besonders der Kirbemarkt dünnt aber immer mehr aus. In diesem Jahr war in Weissach kaum was los – warum?

Das lange Kirbewochenende hat in Weissach schon lange Tradition: Am Wochenende wird das Tanzbein geschwungen, und am Kirbemontag, quasi Nationalfeiertag in der Gemeinde am Strudelbach, ziehen Jung und Alt durch die Kneipen, Keller und Vereinsheime des Dorfs, während auf dem Kirbemarkt die Händler ihre Waren anpreisen. Nur: Brechenvoll ist es am Kirbemontag schon eine Weile nicht mehr.

 

Für Frust, besonders bei eingefleischten Kirbegängern, hat am vergangenen Montag – Kirbemontag 2025 – der sehr dürftig ausfallende Markt rund um den Marktplatz in der Ortsmitte gesorgt. Auch in den sozialen Medien hatte so mancher seinen Unmut darüber ausgelassen. Der Kirbeverein hatte einen Partybus organisiert, der laut Rathaus auch gut gelaufen ist, ebenso wie ein Strickclub in der Strickfabrik. Viele Händler waren aber nicht vor Ort.

Laut Rathaus gab es kaum Anmeldungen für den Kirbemarkt

Woran lag das? „Wir haben vor einem halben Jahr um Anmeldung gebeten“, berichtet Bürgermeister Jens Millow. Nach dürftiger Rückmeldung habe man sogar noch einmal nachgehakt, die Veranstaltung außerdem auf einer Plattform für Marktbeschicker beworben. „Da ist dann vielleicht eine Handvoll zusammengekommen“, so Millow. Traditionell würde für den Markt die Gartenstraße gesperrt, das habe man sich aber aufgrund des dünnen Rücklaufs gespart und stattdessen noch ein kleines Karussell und einen Süßigkeitenstand organisiert.

Am eigentlichen Kirbemontag wären dann sogar drei Händler nach Weissach gekommen, diese hatte man dann aber wieder weggeschickt. „Das ging nicht Ad-hoc“, erklärt Millow. „Das muss vom Bau vorbereitet werden, es war kein Strom gelegt, Wasser oder Abwasser.“

Kirbemarkt wird von Jahr zu Jahr kleiner

Dass sich wenige Händler angemeldet hätten, könnte laut dem Bürgermeister auch am Wochentag liegen – ein Montag eben auch für die Beschicker nicht der beste Tag. „Es werden von Jahr zu Jahr weniger“, sagt er. „Letztes Jahr waren es auch nur elf, wo wohl mal über 60 dabei waren.“ Um den Kirbemarkt zu halten, müsse man in Zukunft „vielleicht noch mal Fantasie“ reinstecken. „Wir haben uns das als Hausaufgabe mitgenommen.“

2025 war derweil nicht das erste Jahr, in dem es mit der Kirbe geruckelt hat. 2022, kurz nach dem Amtsantritt von Jens Millow und einem damit einhergehenden großen Mitarbeiterwechsel im Rathaus, hatte es ebenfalls keinen Kirbemarkt gegeben. Denn damals hatte im Rathaus scheinbar niemand auf dem Schirm gehabt, dass die Organisation des Markts in der Verantwortung der Verwaltung liegt.

Weniger Marktbeschicker, weniger Freiwillige

Die Veranstaltungen rund um das Kirbewochenende, mit Familientag und Partys, wird eigentlich traditionell von jenem Jahrgang organisiert, der im Kirbejahr 20 Jahre alt ist. Genug Freiwillige fanden sich unter den jungen Leuten aber immer häufiger nicht mehr, etwa 2021, als die Kirbe deshalb ganz ins Wasser fiel. Im selben Jahr vermeldete das Rathaus ebenfalls zu wenige Marktbeschicker.

Um die finanzielle Last und Verantwortung des Kirbejahrgangs etwas zu lindern, hatte sich in den Folgejahren die Gemeinde mit einer Finanzspritze am Fest beteiligt – bis sich 2024 schließlich ein Verein zum Erhalt der Tradition gegründet hatte, der unabhängiger von den Kirbejahrgängen arbeiten will.