Weissacher Autor Bernd Hecktor A pälzer Schwob – ein Schwabe aus der Pfalz

Von Martin Tschepe 

Bernd Hecktor vor seiner Kulturscheune in der Forststraße in Weissach Foto: Gottfried Stoppel
Bernd Hecktor vor seiner Kulturscheune in der Forststraße in Weissach Foto: Gottfried Stoppel

Bernd Hecktor lebt seit Jahrzehnten in Weissach im Tal, im Herzen sei er aber „Hääschdener“ geblieben, ein Hauensteiner aus der Pfalz. Jetzt hat der 68-jährige Alt-68er ein Mundart-Buch über seine Wurzeln geschrieben.

Weissach im Tal - Wo ist die Heimat? „Dort, wo man sich wohl fühlt“, sagt Bernd Hecktor. Der 68-jährige Alt-68er mit der grauen Mähne und dem grauen Schnauzer schaut dabei zufrieden aus. Er ist in der Pfalz aufgewachsen, hat in Freiburg studiert, länger in der USA gelebt.

Zusammen mit seiner Frau Margit Schatz wohnt der pensionierte Lehrer seit gut dreieinhalb Jahrzehnten in Unterweissach. Er hat zig Freund im Ort, engagiert sich im Flecken, war 27 Jahre lang Gemeinderat, organisiert in seiner riesigen Scheune kulturelle Veranstaltungen für Kumpels und Bekannte – fühlt sich wohl. Also ist Schwaben seine Heimat? Jein.

Früher gab es in Hauenstein 36 Schuhfabriken

„Ich bin mit Herz Pälzer“, sagt Hecktor und grinst noch breiter als eben. Geboren in Kaiserslautern, aufgewachsen in Hää­sch­­de – auf hochdeutsch: Hauenstein –, einem als Schuhdorf bekannten Luftkurort im Landkreis Südwestpfalz. Wer Bernd Hecktor zuhört, wenn er von diesem schrumpfenden Hääschde mit seinen noch knapp 4000 Einwohnern spricht, der kann eigentlich nur zu diesem einen Schluss kommen: Hääschde ist die tollste Siedlung in ganz Deutschland.

„Früher“, sagt Hecktor, „hatten wir 36 Schuhfabriken und und 32 Kneipen“ – und rund 1000 Einwohner mehr als heute. 32 Kneipen und 5000 Einwohner! Kann man also zwei Heimaten haben? Ja klar, mindestens zwei: mit diesen Worten lässt sich Bernd Hecktors Antwort kurz zusammenfassen. „Ich bin Weissacher geworden, aber Pälzer geblieben.“ Hecktor sagt Pälzer, nicht Pfälzer, denn ein echter Pfälzer kann das „f“ nicht sprechen. Und selbst in der USA habe er sich einst pudelwohl gefühlt. Heute indes, im Trump-Amerika, würde der Politaktivist, der immer friedensbewegt unterwegs war und ist, nicht mehr so gerne leben wollen.

Buch mit Illustrationen des Künstlers Christoph Seibel

In Hääschde habe er noch jeden Menge Freunde, zum Beispiel den Christoph Seibel. Von dem Künstler stammen die Illus­trationen für das Mundart-Buch mit dem Titel „Dass lossen mer“, das Hecktor jetzt vorgelegt hat. Weil dieses auf Pfälzisch geschriebene Werk für alle Nicht-Pfälzer nur mit Mühe zu lesen ist, gibt es auch ein Hörbuch. Und wer zuhört, der versteht.

Der Titel „Dass lossen mer“ – auf hochdeutsch: „Das lassen wir“ – erinnert an eine Begebenheit, die typisch ist für das Hääschde anno dazumal. Die Hecktors waren eine alteingesessene Familie in dem Ort. Vor dem kleinen Bernd waren alle ihre Kinder in Hauenstein geboren worden. Nur der Bernd nicht, der hatte das Licht der Welt in Kaiserslautern erblickt.

Innige Beziehung zum 1. FC Kaiserslautern

Als er mal im Rathaus einen neuen Pass beantragt hat und wahrheitsgemäß erklärte, wo er geboren ist, sagte der Beamte: „Dass lossen mer“ – im Pass stand fortan als Geburtsort – na was wohl? – Hauenstein. Wobei Bernd Hecktor nichts auf Kaiserslautern kommen lässt – wenn es um den Fußballverein 1. FCK geht. Ob der VfB Stuttgart wieder in die Erste Liga aufsteigt oder nicht – das ist dem Mann aus Unterweissach ziemlich wurscht. „Es wäre schön für die Region“, sagt er – immerhin. Seine Beziehung zum FCK ist inniger. Augenzwinkernd sagt Hecktor: „Von einer Frau kannst du dich trennen, von FCK nicht.“

Lesungen: Bernd Hecktor liest am Sonntag, 7. Mai, im Heimatmuseum Unterweissach, Brüdener Straße 7, aus seinem Buch. Die Veranstaltung beginnt um 17 Uhr. Am Freitag, 12. Mai, ist er von 20 Uhr an zu Gast in der Ölmühle in Backnang, Stuttgarter Straße 67.

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