Der Kreis hat seine eigenen Turnhallen wie hier am Berufsschulzentrum Leonberg bereits zu Notunterkünften umgebaut. Jetzt sollen kommunale Hallen folgen. Foto: Feuerwehr Leonberg

Eine Turnhalle muss am Strudelbach zur Verfügung gestellt werden, weil die Plätze für Flüchtlinge im Kreis nicht ausreichen. Der Kreistag hat indes zugestimmt, ein Bürogebäude im Leonberger Gewerbegebiet Hertich zu kaufen und für Asylbewerber herzurichten.

Weissach/Leonberg - Muss Weissach eine ihrer großen kommunalen Hallen dem Kreis Böblingen als Notunterkunft für Flüchtlinge zur Verfügung stellen? Die Strudelbachgemeinde hat diesbezüglich zumindest vor ein paar Tagen Post von Roland Bernhard bekommen, ebenso Jettingen, Steinenbronn und Waldenbuch. Denn die Kapazitäten im Kreis reichen nicht aus für die Zahl an Flüchtlingen, die noch erwartet werden. Der Landrat hat die Oberbürgermeister und Bürgermeister im Kreis schon mehrfach darauf hingewiesen, dass die Notunterbringung in kommunalen Hallen unausweichlich erscheine. „Wir sind bestrebt, diese kommunalen Hallen nur für den unbedingt nötigen Zeitraum zu nutzen“, schreibt der Landrat an die Rathauschefs. Am Freitag sollen Kreisvertreter die vier kommunalen Hallen in Weissach besichtigen, darunter drei Turn- und die Strudelbachhalle.

Leider sei es nicht gelungen, gemeinsam mit den Städten und Gemeinden ausreichend Kapazität in regulären Gemeinschaftsunterkünften zu schaffen, steht in dem Brief. 2000 Asylbewerber gibt es bislang im Kreis, 1800 weitere sind bis Jahresende angekündigt. Um schnell kommunale Hallen in Notunterkünfte verwandeln zu können, hat das Landratsamt eine Prioritätenliste erstellt. Auf Platz eins stehen die Kommunen, in denen es mehrere Hallen gibt, aber keine Gemeinschaftsunterkünfte. Dazu zählt eben auch Weissach. Auf Platz zwei folgen Kommunen mit einer unterdurchschnittlichen Quote von Flüchtlingen und mehreren Hallen. Auf Platz drei stehen die Städte und Gemeinden, wo bislang nur eine Gemeinschaftsunterkunft geplant ist. Zu dieser Gruppe zählt etwa Rutesheim. Die Stadt hat ein Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem eine Siedlung aus Wohncontainern errichtet werden könnte. Allerdings ist deren Beschaffung schwierig, der Markt ist leer gefegt, es gibt große Lieferverzögerungen.

Bislang gab es im Kreis 2130 Plätze für Asylbewerber in zehn Kommunen. Bis vergangene Woche waren dies 22 reguläre Gemeinschaftsunterkünfte, dazu fünf Notunterkünfte in kreiseigenen Turnhallen und einer leer stehenden Schule. Seit gestern sind nun auch zwei weitere Turnhallen belegt: die zweite des Beruflichen Schulzentrums Leonberg und die andere Sporthalle der Gottlieb-Daimler-Schule I. Dem Landratsamt zufolge sind gestern 100 bis 200 Menschen aus den Erstaufnahme-Stellen des Landes in den Kreis verlegt worden. Genauere Angaben seien nicht möglich gewesen. Die Flüchtlinge wurden auf die beiden Sporthallen verteilt, um diese nicht auf einen Schlag voll zu belegen.

Damit hat Leonberg nicht nur eine zweite Notunterkunft. Der Kreistag hat am Montag dem Kauf eines Bürogebäudes im Gewerbegebiet Hertich zugestimmt, das zu einer festen Gemeinschaftsunterkunft umgebaut wird. Das wäre dann die dritte und größte in der Stadt. Der OB Bernhard Schuler zeigt Verständnis für die Situation des Kreises, fordert aber , „dass eine nachvollziehbare, gerechte Verteilung unter den Kommunen im Kreis erfolgt“.

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