Die Weissacher tanzen zu den Rhythmen der Beatbusters. Foto: factum/Granville

Wer seinen Schulabschluss macht, der organisiert in Weissach die Kirbe. Freitag und Samstag feiern die Jungen und wenige Stunden später lockt an selber Stelle schon das traditionelle Weißwurstfrühstück für die ganze Familie.

Weissach - Einmal im Jahr, immer am letzten Oktoberwochenende steht Weissach Kopf. Dann nämlich laden die jungen Menschen im Ort, die in diesem Jahr 20 Jahre alt wurden oder noch werden, zur Kirbe ein. 2012 waren es gut 20 ­Jugendliche, die der Weissacher Tradition folgend das Fest organisierten. „Das erste Treffen hatten wir im Frühjahr“, erzählt Tamara Lenz, eine der Organisatorinnen. „Aber seit August treffen wir uns eigentlich jedes Wochenende, damit wir uns immer wieder über die Aufgaben, die jeder übernommen hat, austauschen können.“

Der Freitag- und der Samstagabend stehen ganz im Zeichen der 16- bis 25-Jährigen. Dann nämlich rockt die Festhalle in der Bachstraße richtig. Am Freitagabend spielte von 21 Uhr an die Band „Crossfire“ aus Würzburg. Aktuelle Rock- und Popsongs, aber auch harter Heavy Rock brachten die Halle zum Beben.

Am Samstagabend fand die sogenannte Neon-Party statt. Ausgestattet mit Leuchtbändern und dem einen oder anderen bunten Shirt brachte DJ Beatbusters die Jugendlichen bis 2:30 Uhr in die richtige Discolaune. „Wir waren an beiden Abenden gut besucht“, freut sich Lenz.

Am Samstagabend waren viele der direkten Straßen nach Weissach wegen Schneebruchgefahr gesperrt, so dass zu Beginn der Disco die Organisatoren Sorge hatten, ob die Gäste aus anderen Orten nach Weissach kommen würden. Die Kirbe-Macher waren daher sichtlich erleichtert, dass ihre Sorge unbegründet war. Gut 500 Jugendliche ließen sich an beiden Abenden die Kirbeparty nicht entgehen.

Allerdings war den jungen Veranstaltern die Sicherheit der Gäste, Nachbarn und Anliegern ebenso wichtig wie die Gästezahl. Deswegen arbeiteten sie eng mit einem Sicherheitsdienst und mit der Polizei zusammen. Schon beim Einlass achteten neun Männer und eine Frau eines Leonberger Sicherheitsdienstes darauf, dass niemand die Halle mit Drogen im Gepäck betreten konnte. Außerdem wurden die Personalausweise der 16 bis 18-Jährigen eingesammelt. Denn um null Uhr war für diese Altersgruppe die Kirbe bereits beendet und sie mussten die Halle verlassen. Doch die traditionsreiche Kirbe wäre nicht die Kirbe, wenn nicht alle Generationen in Weissach etwas vom Fest gehabt hätten.

Am Sonntag ist es seit je her Brauch, die Familien einzuladen. Das bedeutet für die jungen Organisatoren, dass sie noch in der Nacht die Halle für das Weißwurstfrühstück, das Mittagessen und die Kinderspiele vorbereiten müssen. „Heute früh um 3 Uhr sind die letzten Gäste gegangen“, erzählt Lenz. „Bis 5 Uhr haben wir dann aufgeräumt, Tische und Stühle aufgebaut, damit es am Sonntagmorgen um 10.30 Uhr wieder losgehen kann“, berichtet sie müde aber glücklich darüber, dass es am Abend zuvor keine Auseinandersetzungen gab.

Die jungen Leute haben sich darüber gefreut, dass es am Sonntagmittag so viele Weissacher in die Festhalle zog, Moni Fünfer war eine davon. Sie ist gebürtige Weissacherin und kann sich noch gut daran erinnern, wie sie vor vielen Jahren selbst die Kirbe organisierte. „Irgendwie fühlen sich die 20-Jährigen dazu verpflichtet, die Kirbe zu planen und durchzuführen“, erzählt sie. Manfred Kost, der auch vor einigen Jahren die Tradition weitergeführt hat, ist sich sicher, dass die Kirbe das größte Festereignis im Jahr für Weissach ist und dass es ein riesiges Loch geben würde, wenn sich nicht mehr genug Jugendliche finden würden. Beide sind sie sich einig darüber, dass der wichtigste Tag der Kirbemontag ist. Ganz Weissach ist an diesem Tag auf den Beinen, selbst Banken und das Rathaus haben dann geschlossen. Am ersten Montag nach dem kirchlichen Feiertag Simon und Judäi wird der kleine Ort mit dem Krämermarkt zur großen Einkaufsmeile. Auf dem Marktplatz, in der Gartenstraße und der Raiffeisenstraße bieten Händler alles an, was Hausfrau und -mann gut gebrauchen können. Vom Staubsaugerbeutel bis zum Hosenträger ist alles dabei. „Das letzte Highlight einer Kirbe ist aber jedes Jahr der Zug durch die Keller von Vereinen und Gaststätten“, erzählen Fünfer und Kost. Die Kirbe ist das Fest, an dem sich Freunde und Bekannte treffen – „und es ist unsere Weissacher Tradition“, betont Kost.

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