Ein Katzenhäuschen in Weissach beschäftigt ziemlich viele Leute. Foto: dpa

Tierschützer haben beim Weissacher Obst- und Gartenbauverein ein kleines Katzenhäuschen errichtet, die Gemeinde hat es abreißen lassen. Der Streit beschäftigt ziemlich viele Behörden, jetzt soll ein Runder Tisch die Lösung bringen.

Weissach - Bei den Tierschützern schlägt die Empörung hoch. „Rigoros“ sei die Gemeinde vorgegangen, habe einfach ein Schutzhäuschen für Katzen abgerissen, gerade jetzt im Winter, wo es kälter wird. Doch so einfach ist die Lage nicht. Denn der Obst- und Gartenbauverein ist alles andere als begeistert von dem Unterschlupf für wilde Katzen. Und die Gemeinde verweist darauf, dass die Hütte ohne Genehmigung im Landschaftsschutzgebiet errichtet worden sei. Ein Runder Tisch soll nun eine Lösung bringen.

Die Geschichte beginnt mit dem privaten Engagement von Stefanie Schopf aus Heimerdingen. Einer ihrer Nachbarn hat eine Parzelle in der Gartenanlage des OGV Weissach, seine Frau ist im Ditzinger Tierschutzverein. „Wir haben im Sommer auf den Garten aufgepasst und die Katzen bemerkt“, erzählt Stefanie Schopf. Konkret ging es damals um acht trächtige Katzen, die in der Gegend zwischen OGV und Häckselplatz herumgestreunt sind. Die engagierten Tierschützer haben sie angelockt, gefangen und kastrieren lassen. Irgendwie ist daraus eine enge Freundschaft entstanden zwischen Schopf, ihrem Lebensgefährten und den (heute noch vier) Tieren. „Wir fahren täglich raus und füttern sie“, erzählt Schopf.

Jeden Tag füttern die Tierschützer die Katzen

Woher die Tiere stammen, ist offen. Zwei Bauernhöfe sind in der Nähe, echte Wildkatzen sind es aber wohl eher nicht. Als die kühle Jahreszeit kam, wollte Stefanie Schopf den Tieren einen Unterschlupf schaffen. Der Ditzinger Tierschutzverein hat am Eingang der OGV-Anlage eine Futterhütte gebaut, sie selbst hat dazu ein Schlafhaus errichtet. Beides wurde auch von den Katzen freudig angenommen.

Dies ging bis Anfang Dezember gut. Dann hat sich wohl ein Mitglied des Obst- und Gartenbauvereins bei der Gemeindeverwaltung beschwert. Im Rathaus wurde festgestellt, dass es keine Genehmigung für die Hütten gibt, die zumal im Landschaftsschutzgebiet liegen. „Das wussten wir nicht“, sagt dazu Stefanie Schopf. Jedenfalls wurden die beiden kleinen Unterschlüpfe am 18. Dezember abgebaut und beim Bauhof der Gemeinde eingelagert. Seither liegen die Holzhütten dort. „Das ist natürlich bei der Kälte besonders ärgerlich“, sagt auch Birgit Kordisch, die Vize-Vorsitzende des Ditzinger Tierschutzvereins. Inzwischen hat sich auch Helga Pinnau vom Böblinger Verein eingemischt, auch die Stuttgarter Katzenhilfe wurde eingeschaltet. Die Situation ist also ziemlich unübersichtlich. Stefanie Schopf und ihr Lebensgefährte haben inzwischen mit Kartons zwei neue Behausungen gebaut – was von der Gemeinde auch erst einmal toleriert wird.

Sogar das Ministerium ist eingeschaltet

Daniel Hartmann ist im Rathaus mit dem Thema beschäftigt, das Landratsamt wurde eingeschaltet. „Wir wollen uns mit den Tierschützern zusammensetzen“, sagt er. Sogar beim Ministerium in Stuttgart habe er nachgefragt. Noch komplizierter wird die Lage dadurch, dass der kommissarische Vorsitzende des OGV, Kurt Wöhr, Bedenken erhebt: „Wenn dort Katzen gefüttert werden, streichen sie durch die Gärten und fangen keine Mäuse mehr.“

Ziemlich viel Aufregung wegen zweier kleiner Katzenhäuschen. Und viele offene Fragen. Stefanie Schopf fährt jedenfalls weiterhin täglich nach Weissach, um „ihre“ Katzen zu füttern.

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