Roy Price ist für Amazons Streaming-Studio verantwortlich - und nach Belästigunsgvorwürfen mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Foto: dpa

Nicht mehr nur der Produzent Harvey Weinstein wird nun beschuldigt, Frauen im Filmgeschäft sexuell bedrängt zu haben. Auch Roy Price, der Programmchef von Amazon Prime, gerät ins Visier.

Hollywood - Seit über einer Woche hagelt es täglich neue Vorwürfe gegen den Filmproduzenten Harvey Weinstein. Dessen Bild als kreativster und kantigster Machtmensch des US-Kinos ist dem Image eines selbstherrlichen Triebtäters gewichen, der seine Produktionsfirmen als Privatbordelle und sowohl Schauspielerinnen als auch Angestellte als Sexspielzeuge betrachtet haben soll. Nun haben die Polizei in New York wie in London angekündigt, alten Vorwürfen erneut nachzugehen. Aus dem ­moralischen Zangenangriff auf Weinstein könnte ein juristischer werden.

Nicht nur Weinsteins körperliche Übermacht soll jene Frauen eingeschüchtert ­haben, die seinen Zudringlichkeiten und Brutalitäten nachgaben, sondern auch seine Macht über Karrieren sowie unverblümte Hinweise auf die Bissigkeit seiner Anwälte und seine engen Kontakte zur Klatschpresse. Wer sich gegen ihn stellte, musste fürchten, durch eine Rufmordkampagne beschädigt zu werden. Nun aber scheint die Feuerwehrtruppe aus Anwälten und PR-Strategen, die Opfer auch mal diskret abfand, am Ende ihres Lateins.

Schauspielerin Rose McGowan nimmt Jeff Bezos ins Visier

Dass Weinsteins Methoden noch immer keine Ausnahme im Filmgeschäft darstellten, ist in den vergangenen Tagen oft betont worden. Nun wird ein neuer Name genannt, und er schockiert die Branche: der von Roy Price, den Verantwortlichen der Produktionen für Streaming-Dienst Amazon Prime. Der spektakulär in die Serienproduktion eingestiegene Online-Handelsriese hat den 50-Jährigen mit sofortiger Wirkung ­beurlaubt, nachdem ihn die lesbische Produzentin Isa Hackett („The Man In The High Castle“) massiver sexueller Belästigung vor zwei Jahren bezichtigt hat.

Die Vorwürfe gegen Price fachen die schlimmsten Befürchtungen über das Ausmaß des Sexismus in der Medienindustrie an. Price entstammt nicht nur einer anderen Generation als der 65-jährige Weinstein, er ist einer der Goldjungen des ­angeblich frischesten, aufgewecktesten Sektors der Filmwelt. Nichts schien ferner vom alten Hollywood, freier von dessen ­unheiligen Traditionen als die Streaming-Szene. Die hippe Nachfolgerin von Kino und Fernsehen wird regelmäßig für Serien gelobt, deren Sensibilität, Pfiffigkeit und Differenziertheit dem lauthals rabaukigen Blockbusterkino längst abgehen.

Derweil hat die Schauspielerin Rose McGowan auch Amazon-Gesamtchef Jeff Bezos ins Visier genommen. Sie habe, twitterte McGowan, Amazon seinerzeit mitgeteilt, sie sei vom Amazon-Geschäftspartner Weinstein vergewaltigt worden. Daraufhin habe Bezos’ Firma die weitere Zusammenarbeit tatsächlich abgebrochen – aber nicht die mit Weinstein, sondern mit McGowan.

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