Michael Scharmann (Mitte) am Wahlabend mit Mitbewerber Alexander Bauer und Noch-OB Jürgen Oswald (von links) Foto: Gottfried Stoppel

Am 12. Dezember wird Jürgen Oswald aus dem Amt verabschiedet. Dann wird sich sein Nachfolger Michael Scharmann an seinen Wahlversprechen messen lassen müssen. In Weinstadt erhofft man sich viel von dem neuen Rathauschef.

Weinstadt - Für Michael Scharmann geht ein Traum in Erfüllung: Er ist zum neuen Oberbürgermeister in Weinstadt gewählt worden – und das mit einer deutlichen Mehrheit von mehr als 64 Prozent der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von knapp 50 Prozent (wir berichteten). „Das ist eine super Legitimation“, sagt er einen Tag nach dem Wahlsonntag. Die große Freude und auch Überraschung über das Ergebnis ist ihm noch an der Stimme anzuhören. „Damit kann ich mit breiter Brust ins Amt gehen, weil ich weiß: Weinstadt steht hinter mir.“ Er freue sich auf die Aufgabe und werde sie mit „vollem Elan und Motivation angehen“.

Fairer Verlierer

Alexander Bauer, den knapp 33 Prozent wählten, zeigt sich als fairer Verlierer und wünscht Scharmann alles Gute. Weil er Weinstadt habe voranbringen wollen, habe er in seiner Heimatstadt kandidiert, sagt Bauer, der derzeit in Schwaikheim lebt. Daher hoffe er, das dies nun Scharmann gelinge. Sie sei in keiner Weise „geknickt“, meint Helga Hohmann, die mit nur gut zwei Prozent das niedrigste Ergebnis eingefahren hat. Denn ihr sei es nicht um Prozente gegangen, sondern darum, den Wählern eine Alternative zu den Verwaltungskandidaten zu bieten, erklärt die Sozialpädagogin, die ihre Spontanbewerbung daher nach wie vor für richtig hält.

Nun ist es an Scharmann, seine Wahlversprechen einzulösen, etwa die Wirtschaftsförderung der Stadt auszubauen. Karl-Heinz Nüßle, der Vorsitzende der Vereinigung der Weinstädter Unternehmer, setzt in diesem Punkt große Hoffnungen in Scharmann. Weinstadt müsse als Gewerbestandort gestärkt werden, etwa durch eine Vermarktung des Birkel-Areals. Doch reiche dies nicht aus. Um den Weinstädter Unternehmen Entwicklungsperspektiven zu bieten und sie von einer Abwanderung abzuhalten, brauche es weitere neue Gewerbeflächen. Ebenso gelte es, etwas für den Einzelhandel zu tun, indem man beispielsweise die Aufenthaltsqualität in Endersbach verbessere. Zudem müsse das Bleistift-Areal, derzeit eine Riesenbrache im Beutelsbacher Zentrum, angegangen werden. Dies alles Schritt für Schritt zu meistern, traut Nüßle Scharmann zu: „Ich kenne ihn als geradlinigen und aktiven Menschen, der Sachen angeht.“

Vorschusslorbeeren und Ansprüche

Auch aus dem Gemeinderat gibt es „Vorschusslorbeeren“, aber auch klare Erwartungen. „Ich habe Michael Scharmann im Gemeinderat als jemanden kennengelernt, der mit Engagement und Verlässlichkeit an Aufgaben rangeht“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen Offenen Liste, Manfred Siglinger, dem vor allem wichtig war, dass es einen Wechsel auf dem Oberbürgermeistersessel gibt. Nun erwarte er, dass Scharmann sein Wahlversprechen, „dass er für Weinstadt brennt“, auch einlöse und ein „verlässlicher Ansprechpartner ist“ – für die Bürger und den Gemeinderat.

Zufrieden mit dem Ausgang der Wahl zeigt sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans Randler – obwohl sein Parteigenosse Alexander Bauer den Sprung ins Rathaus nicht geschafft hat. „Michael Scharmann erfüllt alle Erwartungen, die ich persönlich vorher in den neuen Oberbürgermeister gesetzt habe“, sagt Randler. Der 42-jährige Oberregierungsrat bringe eine Verwaltungsausbildung und Erfahrungen aus mehreren Dienststellen mit, auch das Alter passe, sodass er auch für eine zweite Amtszeit zur Verfügung stehen könnte.

„Gute Erfahrungen und tolles Engagement“ – diese Kriterien hat der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Witzlinger vor der Wahl für den neuen OB gesetzt. Erfüllt Scharmann sie? „Er bringt zwar keine Erfahrungen als Bürgermeister, aber fundierte Grundlagen in Sachen Verwaltungswissen mit“, antwortet Witzlinger, der den „Neuanfang mit allen Möglichkeiten“ optimistisch angehen möchte. Sein Anspruch an Scharmann: Dass er mit allen Rathausmitarbeitern spricht – „nicht nur mit den Häuptlingen, auch mit den Indianern“ –, so die Arbeit eines jeden kennenlernt und prüft, ob Abläufe sich verbessern lassen. Rolf Weller, der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

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