Weinstadt Endspurt im Wahlkampf

Von lui 

Michael Scharmann, Helga Hohmann und Alexander Bauer (von links) stellen sich am Sonntag zur Wahl. Foto: Archiv/Stoppel
Michael Scharmann, Helga Hohmann und Alexander Bauer (von links) stellen sich am Sonntag zur Wahl. Foto: Archiv/Stoppel

Warum die Bürger sich am Sonntag, 9. Oktober, für sie entscheiden sollen, und was kurz und knapp gefasst ihre Top-Themen sind, das hat unsere Zeitung die Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Weinstadt gefragt.

Weinstadt - Wen wählt Weinstadt am Sonntag zu seinem neuen Oberbürgermeister? Zur Wahl stellen sich drei Kandidaten: der 42-jährige Oberregierungsrat und Weinstädter Freie-Wähler-Stadtrat Michael Scharmann, der von Kindheit an in der Kommune fest verwurzelt ist und für den Oberbürgermeister sein Traumberuf ist; der 48-jährige Kriminalhauptkommissar und Kreisrat Alexander Bauer, der in Weinstadt aufgewachsen ist, mittlerweile indes in Schwaikheim lebt und dort für die SPD im Gemeinderat sitzt, aber bereit wäre als OB wieder in seine Heimatstadt zu ziehen; die 61-jährige gelernte Krankenschwester, studierte Sozialpädagogin und Hausfrau Helga Hohmann aus Korb, die sich erst kurz vor Bewerbungsschluss spontan entschlossen hat zu kandidieren.

Die Weinstädter Wähler sind schon einmal für Überraschungen gut gewesen

Doch wer die Weinstädter kennt, weiß bei den drei Namen muss es auf den Stimmzetteln nicht bleiben. Bei der eigentlich konkurrenzlosen Wiederwahl des Amtsinhabers Jürgen Oswald notierten die Wähler mehr als 100 Namen zusätzlich und brachten damit das Auswertungsprogramm zum Absturz. Ein Gradmesser, wie zufrieden die Weinstädter mit den offiziellen Kandidaten sind, wird daher auch ihr Ideenreichtum in puncto eigener Vorschläge sein.

Fragt man Alexander Bauer, was dafür spricht, dass die Weinstädter ihr Kreuzchen hinter seinem Namen machen, zählt er gleich mehrere Gründe auf: „Ich bin es von Berufs wegen gewohnt zu führen und zu entscheiden. Zudem bin ich gewohnt mit Leuten in allen Lebenssituationen umzugehen, bringe als Gemeinde- und Kreisrat sowie studierter Verwaltungswirt Polizei Kompetenz mit, komme aber von außen und bin daher frei von Abhängigkeiten. Das sehe ich als einen Vorteil um die bisherige Schubladenpolitik in den Griff zu bekommen.“ Wenn er OB werde, möchte er als erstes das Thema Wohnbau angehen, indem er bei einem Wohnbaugipfel alle Beteiligten – von Bauträgern über Investoren bis hin zu Grundstückseigentümern – an einen Tisch holt, um „Bremsklötze zu entfernen“. Als nächstes wolle er sich „nahtlos“ , um die Situation der ortsansässigen Unternehmen kümmern und ihnen ein „offenes Ohr“ bieten, um sie in der Stadt zu halten. Dazu gehöre für ihn auch Gewerbeflächen, insbesondere das Birkel-Areal, zügig weiterzuentwickeln. Als drittes möchte Bauer Konzepte für die fünf Ortsteile entwickeln, ihre Vielfalt als Stärke nützen und sie „über Zufriedenheit zusammenführen“, um dann auch gemeinsame Projekte anzugehen und Sehnsüchte zu wecken, etwa nach einem gemeinsamen Schwimmbad.

Helga Hohmann will indes, bevor sie sich eine Agenda aufstellt, wenn sie denn Oberbürgermeisterin wird, erst einmal eine Bestandsaufnahme machen. Zusammen mit Verwaltung und Gemeinderat, erst danach wolle sie sachliche Entscheidungen treffen. Was sie aber auf jeden Fall sofort ändern würde: „die Art der Leitung“. Sowohl im Rathaus als auch im Stadtparlament wolle sie „eine teamorientierte, positive Zusammenarbeit fördern“. „In der Sozialpädagogik hat man da andere Methoden.“ In ihrem sozialpädagogischen Hintergrund sieht sie auch ihre Stärke und den Grund, weshalb man sie wählen sollte. „Denn das Ziel der Sozialpädagogik ist es, den einzelnen zu stützen und die Interessen in einer Gruppe zusammenzuführen – auch in einer Stadt. Und das bringe ich mit“, sagt Hohmann. Als weiteres Ziel will sie daher, die Bürgerbeteiligung fördern und hierfür in der Verwaltung extra eine Stabstelle einrichten, die sich um die Anliegen der Einwohner kümmert.

Michael Scharmann hat dagegen einige Ziele gesteckt, die er als Oberbürgermeister angehen möchte: als erstes ein Schul-, Sanierungs- und Entwicklungskonzept. Als nächstes hält er es für sehr wichtig für die Interkommunale Gartenschau 2019 Organisationsstrukturen zu schaffen. Es müsse ein Koordinator eingesetzt werden, der die Projekte insgesamt organisiert und nicht nur einzelne. „Drittens möchte ich die Wirtschaftsförderung ausbauen, um gutes und innovatives Gewerbe anzusiedeln“, erklärt Scharmann. Dafür sei es notwendig, aktiv auf den Markt zu gehen, beispielsweise mit dem Birkel-Areal. Genauso gelte es aber auch das bestehende Gewerbe im Blick zu haben. „Mein mittel- und langfristiges Ziel ist es, auf eine Familienstadt für alle Altersstufenhinzuarbeiten.“ Stichworte: sozialer Wohnungsbau und Barrierefreiheit. Warum all das keiner so gut kann wie er? „Weil ich großes Herzblut und Leidenschaft ins Amt bringe. Zudem habe ich eine umfangreiche Ausbildung in Verwaltung und Personalführung“, zählt Scharmann auf, „und ich kann begeistern und mitziehen, um Projekte mit dem Rückhalt der Bevölkerung durchzuführen und den Gemeinderat zu begeistern.“

Lesen Sie jetzt