Die vermeintliche Enkelin versetzt eine Frau aus Beutelsbach am Telefon in Angst und Schrecken. Foto: picture alliance / dpa

Eine weinende Stimme, ein angeblicher Staatsanwalt – und am Ende ein Paket, das spurlos verschwindet. Was in Weinstadt geschah, wirkt wie aus einem Krimi.

Der Anruf kam gegen 20 Uhr – und mit ihm die Panik. Eine ältere Frau in Weinstadt-Beutelsbach hebt ab, am anderen Ende meldet sich eine aufgeregte Stimme. Die junge Frau gibt sich als ihre Enkelin aus. Weinend berichtet sie, sie habe einen schweren Autounfall verursacht. Ein Mensch sei gestorben. Jetzt drohe ihr die Untersuchungshaft. Es sei denn, eine hohe Kaution werde gezahlt.

 

Die Rentnerin ist geschockt. Der Schock wird zur Angst, als ein Mann übernimmt. Er nennt sich „Herr König“, angeblich von der Polizei oder Staatsanwaltschaft. Die Stimme klingt bestimmt, professionell. Er fordert die Frau auf, „alles an Wertsachen zusammenzulegen“. Es sei höchste Eile geboten: Schmuck, Bargeld, Uhren, alles, was greifbar sei. Die Seniorin gehorcht.

Trick mit System: Täter halten Opfer bewusst unter Druck

Doch damit nicht genug: Der Mann kündigt an, eine Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft werde die Wertgegenstände noch am selben Abend abholen. Sie heiße „Frau Nowak“. Gegen 22 Uhr steht tatsächlich eine blonde Frau vor der Tür: etwa 40 Jahre alt, kleiner als 1,70 Meter, bekleidet mit einem weiß-beigen Mantel und einer passenden Mütze mit Federn oder Fell. Sie spricht kein Wort, nimmt das Paket entgegen und verschwindet in der Nacht.

Während all dem halten die Täter die Seniorin am Telefon, damit sie nicht auf die Idee kommt, jemanden zu informieren oder gar die Polizei zu rufen. Erst eine Stunde später dämmert ihr, dass sie betrogen wurde. Zu spät.

Polizei warnt: Aufklärung ist beste Verteidigung

Wie das Polizeipräsidium Aalen mitteilt, ermittelt die Kriminalpolizei nun wegen bandenmäßigen Betrugs. Der Fall ist kein Einzelfall: Immer wieder nutzen Telefonbetrüger die Gutgläubigkeit älterer Menschen aus, um mit inszenierten Notlagen Kasse zu machen.

Die Polizei warnt eindringlich vor dieser Masche. „Kein echter Polizeibeamter oder Staatsanwalt wird jemals Geld oder Wertsachen zur Abwendung einer Haftstrafe abholen lassen“, heißt es in der Mitteilung. Wer einen solchen Anruf erhält, sollte sofort auflegen und den Notruf wählen.

Polizei rät: Aufklärung schützt Senioren vor Betrug

Um weitere Taten zu verhindern, rät die Polizei, insbesondere ältere Menschen im eigenen Umfeld über diese perfide Betrugsform zu informieren. Je besser sie über das Vorgehen der Täter Bescheid wissen, desto geringer ist die Gefahr, darauf hereinzufallen.

Konkrete Tipps und Verhaltenshinweise bietet die (echte) Polizei unter: www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug