In der „urschwäbischen“ Kategorie Rotweine unter zwölf Euro kämpfen sechs Betriebe um den Titel der Württemberger Weinmeisterschaft unserer Zeitung.
Jede Kategorie der Württemberger Weinmeisterschaft hat ihren Reiz, die Finalrunde mit den sechs besten Rotweinen bis zwölf Euro aber einen ganz besonderen. Holger Gayer, Moderator und Geschäftsführender Redakteur von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten, nennt sie die „urschwäbische“ Kategorie, „denn sie schont den Geldbeutel“. Dass man für vergleichsweise wenig Geld viel guten Wein aus Württemberg bekommt, haben im Vorfeld unsere Weinkolumnisten mit Dieter Blankenhorn in dessen Staatlicher Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg herausgeschmeckt. Und wenn es eines Beweises bedurft hätte, dass sie wirklich nicht wissen, was sie da probieren, dann hat ihn die Lembergerland Kellerei Rosswag erbracht.
Holger Gayer spricht von „den größten Profiteuren des Prinzips Blindprobe“, weil die Genossen dreist ihren Siegerwein des Vorjahres eingereicht hatten, nur eben jetzt mit dem Jahrgang 2023. Christian Kaiser, Geschäftsführer des Lembergerlands, kontert, es wäre ja schlimm, wenn der FC Bayern nach dem Gewinn der Meisterschaft in der nächsten Runde der Bundesliga nicht mehr antreten dürfte. Passend zu so viel Selbstbewusstsein heißt dieser Lemberger denn auch Meisterwerk. Der 23er sei ein bisschen frischer und schlanker als der 22er, denn „neben dem Wengerter spielt auch die Witterung eine große Rolle“, sagt Kaiser. Da die Weine der Meisterwerk-Linie ausschließlich in Handarbeit entstünden, dürften sie sich durchaus von Jahr zu Jahr etwas unterscheiden.
Bei einer Cuvée ist das anders, zumindest im Schlossgut Hohenbeilstein, wie dessen Chef Joscha Dippon sagt. „Im Gegensatz zu rebsortenreinen Weinen sollte eine Cuvée jedes Jahr gleich schmecken.“ Besonders wenn es sich um eine Marke wie die Cuvée Robert Vollmöller handele, hier im Jahrgang 2020. Sie besteht zu je einem Drittel aus Lemberger, Spätburgunder und verschiedenen pilzresistenten Cabernet-Sorten. Weil es ein „kräftiger Wein mit Wumms“ ist, hat Joscha Dippon etwas Salami mitgebracht, deren Salzgehalt den Genuss „noch runder und harmonischer“ machen soll. Aber Holger Gayer ist auch so überzeugt von der Arbeit der Bio-Pioniere, die schon seit 1992 Naturland-Mitglied sind.
Graf von Neipperg: „Wir haben keine patriotischen Weintrinker“
Ebenfalls zum erlesenen Kreis des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) gehört das des Grafen Neipperg in Schwaigern. Es ist mit einem „einfachen“ Lemberger Gutswein 2022 im Wettbewerb, aber alleine der Name Neipperg sei „ein Qualitätsversprechen gegenüber der Kundschaft“. Das sagt kein Geringerer als der Seniorchef Karl-Eugen Graf von Neipperg, der wegen einer Viruserkrankung nicht vor Ort im Studio von Antenne 1, sondern am Bildschirm zugeschaltet ist. Charaktervoll und harmonisch müsse der Lemberger sein, weiß er, „aber wenn man ihn nicht im Ertrag begrenzt, wird er zur Allerweltssorte“. Grundsätzlich beklagt Karl-Eugen Graf von Neipperg, dessen Familie unter anderem auch ein Spitzengut im Bordeaux besitzt, dass wir hier im Gegensatz zu den Franzosen „keine patriotischen Weintrinker“ hätten. Und blickt deshalb mit Sorge auf die Genossenschaften und vielen Brachflächen in Württemberg.
Holger Gayer befragt denn auch Thomas Wahler, Vorstandsmitglied der Remstalkellerei, zur Zukunft der Genossenschaften im Land. Der sieht sie ähnlich optimistisch wie sein Kollege vom Lembergerland, zumal man sich im Remstal in den vergangenen Jahren schon von 700 auf 280 Hektar verkleinert und mit der neuen gemeinsamen Kelter auch eine Aufbruchsstimmung erzeugt habe. Im Wettbewerb ist die Remstalkellerei mit einem Blauen Zweigelt 2023 aus der Edition R, einem runden, kräftigen Wein, der „nicht von Holz erschlagen wird“, so der Moderator.
Man darf auch ein bisschen an Bordeaux denken
Wie der Zweigelt ist auch Merlot noch nicht so lange heimisch in Württemberg. Josua Baumgärtner, Juniorchef vom Panoramaweingut in Hohenhaslach, berichtet, dass die Hauptsorte bei ihnen zwar Lemberger sei, man mit dem vom Vater 2005 gepflanzten Merlot aber auch neue Kunden erreichen könne. Der mitgebrachte 2023er Jahrgang wurde zu 100 Prozent im Holzfass ausgebaut und hat anders als die Vertreter im Bordeaux mehr Frucht als Würze, aber auch eine gewisse „Coolness“, wie es heißt.
Ein bisschen an Bordeaux darf man auch beim Cabernero 2022 aus der Privatkellerei Eberbach-Schäfer in Lauffen am Neckar denken. Der kunstvolle Name der Cuvée, der einst von einem Lehrjungen erfunden wurde, wie der Chef Frieder Schäfer erzählt, klingt nach dem, was drinsteckt: Cabernet, und zwar die Weinsberger Neuzüchtungen Dorsa, Cubin und Mitos. Holger Gayer ist schon vom Duft angetan, der bei allen Weinen aus der Privatkellerei eine besondere Rolle spielt, denn Frieder Schäfer ist nicht nur nebenbei auch Parfümeur. Amerikanische Eichenfässer mit einem Hauch von Vanille unterstützen das Bukett, erklärt er und sagt: „Die Nase muss einen Antrag an den Genießer machen.“ Nun müssen sich die Leserinnen und Leser unserer Zeitung bis zum 17. November entscheiden, welcher der sechs Anträge der Runde sie am meisten überzeugte, um ihn nach ganz oben auf die Weinmeister-Liste zu setzen.
Die Weinprobe im Live-Stream
Verkostung
Die dritte Weinprobe der Württemberger Weinmeisterschaft 2025 ist unter dem Link https://zeitung-erleben.de/event/weinmeisterschaft-rot-weiss/ abrufbar. Im Shop711 sind unter https://www.shop711.de/collections/wein noch alle vier Weinpakete der Endrunden erhältlich; das mit den Rotweinen bis zwölf Euro plus eine Kiste Aqua Römer Quelle für 61,40 Euro.