Mit der Edition Rosé hat die sechste Saison der Württemberger Weinmeisterschaft unserer Zeitung begonnen. Zwischen Bekenntnissen zur Heimat gibt es viel Spaß im Glas.
Das Auge trinkt mit. Für keine Weinart gilt dies so sehr wie für den Rosé, dessen Farbspektrum vom hellem Lachston bis hin zum leuchtenden Ziegelsteinrot reichen kann. So auch in der Endrunde der Württemberger Weinmeisterschaft Edition Rosé, mit dem die sechste Saison des Publikumspreises von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten gestartet ist. Mehr als vierzig Kandidaten wurden von den Weinbaubetrieben eingereicht, und wie immer haben unsere Weinkolumnisten mit dem Direktor der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, Dieter Blankenhorn, in einer Blindprobe die sechs Weine für die Endrunde herausgeschmeckt.
„Alle hier sind schon mal Sieger“, sagt Hans-Peter Wöhrwag vom gleichnamigen Spitzenweingut in Untertürkheim, und ergänzt wie ein Sonderbotschafter der Württemberger Weinmeisterschaft: „Es geht nicht immer nur ums Gewinnen, sondern auch darum, das Interesse für heimischen Wein zu fördern.“ Das sagt sich natürlich leichter, wenn man wie er schon vier Titel, darunter einmal die Rosé-Edition, gewonnen hat. Aber Holger Gayer, Moderator und Geschäftsführender Redakteur unserer Zeitung, kann dem nur beipflichten. Diesmal ist das Weingut Wöhrwag mit einer Rosé Cuvée trocken im Rennen, mit der im Vorjahr sogar der zweite Platz in einem internationalen Wettbewerb erzielt wurde. Die Cuvée aus Merlot, Lemberger und etwas Trollinger „für die Leichtigkeit und Frische“ begeistert den Moderator allein schon wegen der „mega-klassischen Lachs-Rosé-Farbe“.
„Trocken ist bei mir trocken“
Auch im Hause Graf Neipperg in Schwaigern, das ebenfalls zum erlesenen Kreis des Verbands Deutscher Prädikatsweingüter gehört, ist eine „Grundvoraussetzung, dass der Wein zuerst einmal uns schmecken muss“, sagt Philipp Erbgraf zu Neipperg auf die Frage, ob in dieser jahrhundertelangen Familientradition der beste Wein der ist, der verkauft wird. Und doch sei der „P.+P. Rosé“, genannt nach Philipp und seiner Frau Paula, fürs Publikum gedacht. „Wir profitieren noch von den Sachen, die mein Urgroßvater gemacht hat, schauen aber weiter nach vorne“, so der Erbgraf über den Entstehungsprozess im Keller, bei dem „viele mitschwätzen“. Das Ergebnis überzeugt mit seinen schönen Fruchtnoten, hat aber mit 7,1 Gramm den höchsten Säuregehalt im Finale.
Einen anderen Extremwert bringt „Hermanns Rosé“ mit, benannt nach dem Chef des Weinguts in Schnait: nur 1,8 Gramm Restzucker. „Trocken ist bei mir trocken“, sagt Hermann Stilz trocken, der einige Eigenheiten eines Remstal-Rebellen hat. Weil einst ein Trollinger von ihm bei der Qualitätsweinprüfung nicht anerkannt wurde, hat er seinen Rosé gar nicht eingereicht, der nun als „schwäbischer Landwein“ läuft. Stilz verzichtet auf Filtration. Und weil in seiner Cuvée die Rebsorte WW 90-6-12 drin steckt, die nach der Züchtung in Weinsberg nicht weiter verfolgt wurde, sagte er sich: „Genau meins!“ Bei der Blindprobe sei man laut Gayer „verblüfft und begeistert“ von diesem kräftigen Rosé gewesen, zumal niemand in der Runde das Weingut Wissmann-Stilz mit seinen nur 1,5 Hektar kannte.
In mehrfacher Hinsicht das Gegenteil verkörpert der feinherbe Rosé aus der Edition Schwarzer Rappe der Felsengartenkellerei Besigheim. Er ist „mit Abstand der Hellste“ in der Endrunde, fast schon wie ein Blanc de Noirs, hat am meisten Restsüße (16 Gramm) und stammt aus dem größten Betrieb. Mehr als 500 Hektar von Ilsfeld bis nach Bad Cannstatt bewirtschaften die Genossen. Der Geschäftsführende Vorstand Martin Fischer spricht von einem Wein für „Feierlaune, der einfach Spaß machen soll“. Aber er spricht auch von Belastung und Kosten bei 100 Prozent Handarbeit in den Steillagen der Felsengartenkellerei. Sein genereller Appell: „Kauft lokale Weine, damit die Kulturlandschaft erhalten bleibt.“
Dem hat sich die Weinkultur Kirchheim voll und ganz verschrieben, denn das Non-Profit-Projekt wurde gegründet, um Steillagen am Neckar zu retten. Die Gemeinde Kirchheim übernimmt aufgegebene Rebflächen und ermöglicht durch Schenkungen oder unentgeltliche Pachtverträge dafür, dass sie von der Weinkultur weiter bewirtschaftet werden, berichtet der Betriebsleiter Thomas Nollenberger. Wer die „Rosa“ im Glas hat, deren spaßiges Etikett seine Tochter gestaltet hat, tut also nicht nur sich selbst etwas Gutes. Die Cuvée aus Lemberger und Cabernet Sauvignon erinnert an die Provence, wie der Macher bestätigt, der sagt: „Ich war schon an vielen Orten, aber bin immer wieder gerne zurückgekommen.“
Ein ähnliches Bekenntnis zur Heimat gibt es von Luis Carlos Reyes, nur dass die Wege bei ihm doch etwas anders verlaufen sind. Er stammt aus Kolumbien, war lange Zeit im Weinbau auf Mallorca tätig und ist nun zweiter Kellermeister der Winzer vom Weinsberger Tal. „Wo gibt’s den besten Wein der Welt“, fragt Holger Gayer provokant. „Hier, wo meine Arbeit ist“, antwortet der Rei’g’schmeckte. Mia heißt der Rosé aus der nach dem Vorstandsvorsitzenden Otto Freyer benannten Linie. Es ist ein reiner, frischer Schwarzriesling, mit dem man zweierlei zeigen will: zum einen, dass die Burgundersorte Pinot Meunier bei uns zu Unrecht in Verruf geraten ist, „nur weil Opa schon viel davon getrunken hat“, so Reyes. Zum anderen, dass eben auch eine Genossenschaft feine Weine hervorbringen kann. Bleibt nur doch die Frage, zu welchem heimischen Produkt sich die Leser bekennen, die nun die Wahl haben.
Weinmeisterschaft
Verkostung
Die Württemberger Weinmeisterschaft Edition Rosé ist unter dem Link https://zeitung-im-dialog.de/genuss/rose-meister-2026/ abrufbar. Das Paket mit den sechs Weinen der Endrunde ist inzwischen leider schon ausverkauft.