Die letzte Finalrunde der Württemberger Weinmeisterschaft: Tanja Baumann, Holger Gayer, Jakob Bittner (vorne von links), Klaus Warth, Jürgen Off, Tobias Hirschmüller und Sven Ellwanger (hinten von links) Foto: Matthias Ring Foto:  

In der Königskategorie Rotwein ab zwölf Euro geht die Württemberger Weinmeisterschaft unserer Zeitung in die letzte Runde.

„Bei diesem durchweg hohen Niveau bin ich froh, dass ich nicht entscheiden muss.“ Diese Einschätzung zur letzten Finalrunde der Württemberger Weinmeisterschaft 2025 kommt aus berufenem Munde. Jürgen Off, der „rote Riese“ aus der Weinmanufaktur Stuttgart, hat schließlich schon sieben Mal den Deutschen Rotweinpreis gewonnen, jüngst mit dem Drei-Sterne-Merlot Untertürkheimer Altenberg. Der ist nun auch im Rennen um den Titel der Weinmeisterschaft, allerdings nicht mit dem Jahrgang 2023, sondern mit einem 2020er. „Der ist jetzt schon deutlich harmonischer, aber dem 23er gehört die Zukunft“, sagt der Kellermeister, der rät: „Wenn man keine Zeit hat, die Weine reifen zu lassen, kann man sie in der Karaffe dekantieren, damit sie mehr Luft bekommen.“

 

Insgesamt ist die Qualität wirklich beeindruckend in der oberen Preisklasse im Wettbewerb mit „den mutmaßlich besten Rotweinen Württembergs“, sagt Holger Gayer, Moderator und Geschäftsführender Redakteur von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten. Alle sechs Weine, die unsere Weinkolumnisten mit Dieter Blankenhorn in dessen Staatlicher Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau in Weinsberg in einer Blindprobe fürs Finale herausgefiltert haben, sind absolut preiswürdig. Altmeister Jürgen Off hat starke Mitbewerber, von denen einige schon mehrfacher Weinmeister sind.

„Cool Climate“ hört man immer wieder als Stichwort

Das Weingut Wöhrwag zum Beispiel setzt ebenso auf den „Schmeichler“ Merlot (Gayer), der aber in der Cuvée Philipp zu 50 Prozent vom Lemberger begleitet wird, „der noch mehr Charakter hat“, wie der Kellermeister Jakob Bittner sagt. Die Große Reserve ist im Jahrgang 2022 zwar eigentlich noch „in der jungen Fruchtphase“, sagt Bittner, zeigt jedoch mit ihrer schlanken Säure und Frische schon jetzt Vorteile der großen Weine aus Württemberg. „Cool Climate“, hört man in der Runde immer wieder als Stichwort – trotz der Klimaerwärmung, von der hier angebaute internationale Rebsorten derzeit profitieren.

Zum Beispiel der Cabernet Franc, häufig in Bordeaux-Cuvées enthalten, in der Weinmeisterschaft aber reinsortig vertreten. Tobias Hirschmüller mit seinem noch recht jungen Wein & Sektgut in Lauffen am Neckar spricht denn auch von einer „deutschen Spezialität, Rebsorten als Solisten auszubauen“. Sein Cabernet Franc Reserve 2022 lässt Holger Gayer nicht mehr los. „Der bleibt und bleibt und bleibt – wie schafft man das?“ Durch starke Reduzierung im Ertrag, Ausbau im 500-Liter-Holzfass – und der warme Sommer 2022 habe auch mitgeholfen, „den Cabernet Franc bei uns zur perfekten Reife zu bringen“, erklärt Hirschmüller, der die Reben erst 2019 gepflanzt hat.

Auch zwei urschwäbische Rebsorten im Finale

Empfindlicher auf Kälte reagieren die Syrah-Trauben mit ihrer dünnen Schale, wie Tanja Baumann berichtet. Sie hat die Rebsorte, die anderswo auch Shiraz genannt wird, auf ihrer Weltweinreise 2015 in Südafrika lieben gelernt. Und dann nach ihrer Heimkehr ins Weingut Dr. Baumann, das Teil des großen Familienunternehmens Schloss Affaltrach ist, etabliert. Zehn Hektar habe sie sich „mit freier Hand vom Vater“ für das eigene Weingut rauspicken dürfen, der Syrah steht „in der höchsten und steilsten Lage im Paradies“. Das Ergebnis des Jahrgangs 2022 begeisterte schon die Vorkosterrunde als „herrliches Gesamtgebilde“.

Aber auch zwei urschwäbische Rebsorten haben es ins Finale geschafft, darunter zum ersten Mal in der hochpreisigen Kategorie ein Trollinger. Klaus Warth ließ seinen Bartholomäus Trollinger 2017 sieben Jahre im Fass reifen – und die Wettbewerbsrunde staunt, was der Kollege aus dieser Rebsorte herausgeholt hat. Warth bezeichnet sie als „schwäbisches Alleinstellungsmerkmal, das man nicht aufgeben sollte.“ Mit seinem Aushängeschild wolle er Mut machen, denn die junge Generation könne ganz unvorbelastet herangehen, weil sie das Imageproblem des Trollingers, das vor Jahrzehnten entstanden ist, gar nicht miterlebt habe.

Entscheidung zwischen urschwäbisch und international?

„Es ist schade, dass man immer wieder sagen muss, wie viel Qualität es in Württemberg gibt“, findet Sven Ellwanger generell. Er ist mit einer Rebsorte am Start, die ebenfalls typisch schwäbisch ist, aber für manche anderswo als Blaufränkisch nach mehr Renommee klingt. Dabei hat das Weingut Bernhard Ellwanger aus Großheppach, das zwischen gleich drei Betrieben aus Untertürkheim „die Fahne fürs Remstal hochhält“, mit einem „einfachen“ Lemberger Gutswein immerhin schon einmal die Weinmeisterschaft gewonnen. Nun ist das Premiumgewächs Lemberger SL 2021 mit einer „klaren, dunklen, beerigen Frucht“ und sehr viel Reifepotenzial im Wettbewerb. Zu den internationalen Rebsorten sagt Sven Ellwanger übrigens, dass man „damit auch wieder die Kunden einfangen“ und nebenbei für heimische Rebsorten interessieren könne.

Welche Wahl die Leserinnen und Leser nun treffen? Urschwäbisch oder international? Wir sind wie Jürgen Off froh, dass wir uns nicht für einen besten Wein entscheiden müssen, sondern freuen uns auf die Siegerehrung der Württemberger Weinmeister am 5. Dezember. Und auf die Expertise des renommierten Önologen Dieter Blankenhorn, der die Veranstaltung wieder gemeinsam mit Holger Gayer vor Publikum moderieren wird.

Karten werden verlost

Preisverleihung
Die Siegerehrung findet am 5. Dezember ab 19 Uhr im Studio von Antenne 1 im Pressehaus statt. Leserinnen und Leser können dabei sein, wenn sie ab dem 28. November, 9 Uhr, bis zum 1. Dezember unter dem Link www.zeitung-erleben.de/abo-exklusiv ihre Kartenwünsche äußern. Die Plätze sind limitiert, 7 x 2 Karten werden verlost.

Weinprobe
Die Weinprobe ist unter dem Link https://zeitung-erleben.de/event/weinmeisterschaft-rot-weiss/ abrufbar, das Paket mit den Rotweinen ab zwölf Euro plus eine Kiste Aqua Römerquelle ist für 137,10 Euro unter https://www.shop711.de/collections/wein erhältlich.