Weinkolumne Lesestoff Noch jugendlich

Von Harald Beck 

Das Anbaugebiet Württemberg steht  mit einigen wenigen Hektar Weißburgunder in den Listen, während die Nachbarn in Baden gut 1000 Hektar mit der Sorte bestockt haben. Foto: StZ
Das Anbaugebiet Württemberg steht mit einigen wenigen Hektar Weißburgunder in den Listen, während die Nachbarn in Baden gut 1000 Hektar mit der Sorte bestockt haben. Foto: StZ

Im Hause Schnaitmann in Fellbach gehört der Weißburgunder Steinwiege zum Basissegment des eigenen Angebots – ein leichter Tropfen mit schöner goldgelber Farbe, milden Aromen und einem noch etwas jugendlich-derben Charme.

Stuttgart - Als Sorte, die in Frankreich für den Champagner zugelassen ist, spielt der Weißburgunder (Pinot blanc, Klevner) heutzutage praktisch keine Rolle mehr. Da hat ihm der Chardonnay längst den Rang abgelaufen. Die Anbaufläche im Stammland des Burgunders wird mit gerade mal noch rund 1300 Hektar angegeben, da ist er in Deutschland mit aktuell rund 4500 Hektar noch ganz anständig vertreten und zählt laut Gault Millau Weinguide mit zu den Aufsteigern der vergangenen Jahre. So richtig groß vertreten ist er aber nicht überall in Deutschland. Das Anbaugebiet Württemberg steht mit einigen wenigen Hektar Weißburgunder in den Listen, während die Nachbarn in Baden gut 1000 Hektar mit der Sorte bestockt haben. Sie gilt als weinbaulich eher schwierige Rebsorte. Die dünnhäutigen Früchte verlangen feinfühlige Bearbeitung, außerdem reagieren sie stark auf Klimaschwankungen. Wobei die aktuellen Klimaveränderungen dem Anbau der Sorte auch in Württembergs Lagen tendenziell entgegen kommen.

Im Hause Schnaitmann in Fellbach gehört der Weißburgunder Steinwiege zum Basissegment des eigenen Angebots. Ein Tropfen mit schöner goldgelber Farbe. Milde Aromen mischen sich bei dem auch angesichts der 11 Volumenprozent Alkohol (Restzucker zwei Gramm, Säure 6,2) eher leichten Wein mit einem noch etwas jugendlich-derben Charme. Richtig kalt muss er auf jeden Fall sein, sonst kann das Geschmackserlebnis leiden.

Das Urteil der StZ-Weinrunde: Kathrin Haasis Noch sehr hefig präsentiert sich dieser Weißburgunder und leider wenig anziehend. Erst bei der Nachverkostung einen Tag später schimmert eine frischere Zitrusnote durch. Aber wer will bei einem Weißburgunder so lange warten?

Holger Gayer Ich hätte nicht gedacht, dass es einen Wein von Rainer Schnaitmann gibt, der mich enttäuscht. Aber Herr Beck hat ihn gefunden. Dieser Weißburgunder ist im Duft sehr verhalten, hat kaum Frucht und ist im Abgang bitter. Schade!

2014 Weißburgunder Steinwiege,
9,20 Euro, Weingut Schnaitmann Fellbach, 07 11/ 57 46 16, www.weingut-schnaitmann.de.