Weinkolumne Lesestoff Hahnenschrei

Von StZ 

Weinhang bei Heilbronn. Hier kommt unser Wein der Woche her. Foto: dpa
Weinhang bei Heilbronn. Hier kommt unser Wein der Woche her. Foto: dpa

Ein Barbera aus Württemberg? Ja, das geht. Unsere Weinrunde hat den 2013er-Wein aus der Nähe von Heilbronn getestet – und für gut befunden.

Stuttgart - Sind wir nicht tolerant? Selbst in unseren Weinbergen heißen wir Migranten aus aller Herren Länder längst herzlich willkommen. Sie bereichern uns, die Merlots, Cabernet Sauvignons, Nebbiolos und Syrahs. Dieser Tage habe ich sogar einen Barbera aus Württemberg getrunken – zum ersten Mal.

Aus Flein bei Heilbronn stammt dieser Erstling aus dem Jahre 2013 – und zwar von einem Weingut mit dem bemerkenswerten Namen „Wo der Hahn kräht“. Die Geschichte dahinter: 1965 eröffnete Familie Schick im Deinenbachtal ein Gartenlokal. Den Namen für die Wirtschaft suchten die Schicks in einem Wettbewerb. Weil bis Ende der fünfziger Jahre eine Hühnerfarm dort gestanden hatte, kam irgendein kluger Kopf auf die Idee, „Wo der Hahn kräht“ vorzuschlagen. Er gewann und wurde für seine Kreativität mit einer Kiste Fleiner Eselsberg Riesling belohnt.

Heute steht dort ein Hotel samt Restaurant und eigenem Weingut. 6,5 Hektar bewirtschaftet die Familie und legt Wert darauf, neben den württembergischen Stammsorten auch einige Exoten auf der Liste zu haben, einen Viognier zum Beispiel, oder eben den Barbera, der 2010 angelegt und 2013 zum ersten Mal ausgebaut wurde. Natürlich ist der Wein noch jung, fruchtig und bei weitem nicht so füllig wie seine italienischen Brüder aus dem Piemont. Doch mit seiner rauchigen Note und dem Aroma nach dunklen Kirschen macht er richtig Spaß und Lust auf mehr.

Das Urteil der StZ-Weinrunde: Kathrin Haasis Dieser Barbera ist so hell wie ein Trollinger, und duftet nach Kirsche. Mit seinem italienischen Namensvetter hat er nicht viel zu tun – ist aber trotzdem ein sehr süffiger Tropfen, Frucht und Holz und Säure sind toll ausbalanciert.

Harald Beck Klar, das, was man von einem klassischen Barbera erwartet, hat er nicht, dieser schwäbelnde Italiener. Was aber nicht unbedingt was Schlechtes sein muss. Er ist schlanker, fruchtig, irgendwie fast ein kräftiger Verwandter des Trollingers.