Weinkönigin Stefanie Schwarz “Ich schaue lieber über den Glasrand“

Von Tom Hörner 

Weinkönigin Stefanie Schwarz beweist Weinverstand Foto: dpa
Weinkönigin Stefanie Schwarz beweist Weinverstand Foto: dpa

Seit dem vergangenen Jahr ist sie Württembergische Weinkönigin. Beim „Weindorf-Treff“ von SWR 4 Stuttgart und den StN wird uns Stefanie Schwarz als Expertin zur Seite stehen.

Stuttgart - Frau Schwarz, was haben Sie mit Ihren Haaren gemacht? Die sind kürzer als auf Ihren offiziellen Königinnen-Fotos. Ist das erlaubt?
Ich ließ sie schneiden, habe mich vorher aber abgesichert, ob das okay ist. Es wäre nur problematisch gewesen, wenn ich mir einen roten Kurzhaarschnitt zugelegt hätte.
Trollingerrot wäre wohl gegangen. Zum ­Einstieg ein Test: Ist Trollinger ein Rotwein?
Für mich schon. Wir vergären alle Roten auf der Maische, deshalb hat er mehr Farbe. Aus einem Trollinger kann man mehr machen, als viele Leute meinen.
Aber trinken soll man ihn gekühlt. Korrekt?
Stimmt, das würde ich auch tun. Aber dennoch ist er für mich eine Rotweinsorte.
Nächste Frage: Schmeckt Wein aus 0,75-Liter-Flaschen besser als aus Literflaschen?
Ich glaube, dass die Verpackung bei vielen Leuten eine Rolle spielt. Wenn man eine ­kleine Flasche vor sich hat, geht man von einem hochwertigeren Wein aus. Das Glas spielt auch eine Rolle. Aus einem Stielglas schmeckt vielen der Wein besser. Aber es stimmt natürlich, dass die meisten Weingüter ihre Basisqualität in großen Flaschen verkaufen. Insofern ist Wein aus den kleineren Flaschen meist hochwertiger.
Was ist Ihre Lieblingsrebe?
Das hängt von der Situation ab, momentan der Lemberger. Das ist eine Rebsorte, die großes Potenzial hat. Für Württemberg ist der Lemberger eine Vorzeigerebsorte.
Sie reden jetzt von Ihrem eigenen Lemberger?
Auch. Aber ich probiere generell viele Weine. Wenn wir in eine Wirtschaft gehen, trinken wir nie unseren eigenen Wein. Den kennen wir ja. Es ist spannender, über den eigenen Glasrand rauszuschauen.
Sie haben Internationale Weinwirtschaft ­studiert. Da gehört Trinken zum Studium.
Klar, ich habe während meines Studiums viel probiert. Auch ausländische Weine. Aber wie gesagt: Nur probiert.
Welche Konkurrenten sind Vorbilder für Sie?
Ich habe auf den guten Weingütern gelernt, bei Jürgen Ellwanger und Gert Aldinger. Solche Leute nimmt man sich zum Vorbild. Was die machen, hat Hand und Fuß.
Warum wurden Sie Weinkönigin? Sagte Ihr Vater: Mach’s, das ist Reklame fürs Geschäft?
Nein. Es war auch kein Mädchentraum von mir. Ich war nie ein Prinzessinnentyp. Aber ich habe mit einer Vorgängerin geschwätzt. Und die hat mir gesagt, dass es eine tolle ­Erfahrung war. Also dachte ich: Warum nicht? Ich bin auch schon während meiner Ausbildung angesprochen worden, wollte sie aber vorher zu Ende machen.
Was nicht ganz gereicht hat. Sie sind seit 2014 Weinkönigin, haben aber erst vor kurzem Ihr Studium beendet. Das klingt nach Stress.
Das war’s auch, vor allem, wenn Prüfungen anstanden. Die ersten zwei Wochen nach der Wahl waren echt hart, da waren Messen und die Landesweinprämierung.
Wie läuft das bei Veranstaltungen. Sie gehen hin und machen ein nettes Gesicht?
Mittlerweile reicht das nicht mehr. Man darf schon auch mit seinem Weinwissen auftrumpfen. Man muss als Weinkönigin Grußworte sprechen, darf Weinproben halten oder auf einer Gala Weine vorstellen. Da ist auch das Weinwissen gefragt.
Warum wurden Sie gewählt?
Sich selbst zu loben ist blöd. Aber mein Fachwissen spielte sicher eine Rolle. Die anderen vier Mädeln waren teils noch gar nicht in dem Beruf drin. Was positiv angemerkt wurde, war, dass ich natürlich rüberkam.
Wie läuft die Wahl ab?
Die Wahl ist zweiteilig. Morgens ist eine Fachbefragung, abends eine Gala auf der Bühne. Bei der Fachbefragung sitzt man vor 25 bis 30 Fachleuten und wird wie in einer Prüfung abgefragt. Bei der Gala vor 500 Leuten geht es darum, ob man vor großem Publikum auftreten kann.
Im Herbst, gleich nach dem Weindorf, kommt die Wahl zur Deutschen Weinkönigin auf Sie zu. Kann man sich darauf vorbereiten?
Ich denke schon. Erst kürzlich war ich auf einem Vorbereitungsseminar vom Deutschen Weininstitut. Ich werde versuchen, mir so viel wie möglich über die anderen Anbaugebiete anzueignen. Auch an meinem Englisch werde ich arbeiten. Das ist nicht schlecht, spielt aber bei einer Deutschen Weinkönigin eine ganz andere Rolle.
Weil Sie weltweit für deutschen Wein werben.
Genau. Der Titel wäre das Tüpfelchen auf dem I. Aber die Aufgabe ist aufgrund des Reisens noch zeitaufwendiger.
Wenn Sie auf Ihre Regentschaft zurückschauen: Wie viele Tage waren Sie unterwegs?
120 bis 130 Termine dürfen das schon gewesen sein. Fast jeden dritten Tag war was los. Im Prinzip muss fast alles zurückstehen, Beruf und Freunde.
Sie und Prinzessin Annekatrin Gauger werden uns beim „Weindorf-Treff“ unterstützen. Wissen Sie, was auf Sie zukommt?
Nicht genau, aber Sie werden es mir sagen.
Sie werden mit Ihrem Krönchen glänzen, bei Bedarf Wein einschenken und mit Ihrem Fachwissen auftrumpfen.
Ich schätze, das krieg ich hin. Ich habe mir die Gästeliste angeschaut und freu mich besonders auf die Sängerin Cassandra Steen.
Öffentliche Auftritte sind für Sie inzwischen Routine.
Anfangs war ich aufgeregt, obwohl ich in der Schule Präsentationen gehalten habe. Aber das war natürlich was anderes. Bei meinen ersten Auftritten als Weinkönigin habe ich mir meine Texte aufgeschrieben. Aber dann habe ich gemerkt, dass das blöd ist. Eine freie Rede kommt besser an.
Hat man als Weinkönigin einen Chauffeur?
Keinen offiziellen. Man versucht, jemand aus der Familie oder Freunde zu rekrutieren. Wenn ich auf Festen bei Winzern bin, möchte man schon bei jedem was probieren.
Angenommen Sie würden Deutsche ­Weinkönigin, gäbe es dann einen Chauffeur?
Kaum. Allerdings ist man da eh meist mit dem Flieger unterwegs.
Wann haben Sie Ihren ersten Wein getrunken.
An der Konfirmation. Viele sagen, du hast den Wein sicher schon als Baby in der ­Flasche bekommen. Wenn das so war, dann erinnere ich mich nicht daran.
Trinken Sie Bier?
Höchstens ein Radler.

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