Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu ringen sich zu einem für manche schmerzhaften Schritt durch: Aus Kostengründen wird der Standort in Bönnigheim aufgegeben. Dafür wird es eine Vinothek geben. Der Rest des Geschäfts spielt sich künftig in Brackenheim ab.
Es rappelt in jüngster Zeit gewaltig in der Weinbranche im Landkreis Ludwigsburg: Das Weingut Sonnenhof in Vaihingen-Gündelbach meldete Insolvenz an, die Bottwartaler Winzer in Großbottwar rangen sich dazu durch, ihren eigenen Keller aufzugeben und ihre Trauben künftig bei der WZG (Weingärtnerzentralgenossenschaft) in Möglingen abzugeben. Und die Weingärtner Stromberg-Zabergäu schließen ihren Standort in Bönnigheim – die ehemalige Strombergkellerei. Künftig läuft alles über den Sitz der Weingärtner Stromberg-Zabergäu in Brackenheim. Dort werden die Trauben abgegeben und auch der Wein produziert. In Bönnigheim wird es dann lediglich eine Vinothek geben.
Zwei fast gleich große Standorte
Die endgültige Entscheidung dazu wurde Mitte September gefällt. Ganz überraschend kam sie aber nicht. Seit der Fusion der Weingärtner Brackenheim und der Strombergkellerei in Bönnigheim vor etwas mehr als zehn Jahren betrieb die neue Genossenschaft zwei fast gleich große Strandorte. Der eine, ganz im Süden des Landkreises Heilbronn, der andere, ganz im Norden es Landkreises Ludwigsburg, nur knapp sieben Kilometer voneinander entfernt. Zusammen waren sie für deutlich mehr Rebfläche ausgelegt, als man überhaupt hatte. Zwar wurden in den vergangenen Jahren bereits Betriebsteile wie Verwaltung, Logistik und Abfüllung am Standort Brackenheim zusammengelegt. „Aber letztlich haben wir durch die doppelte Struktur auch entsprechende Kosten“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jürgen Conz.
In der aktuellen Situation, in der die Weinbaufläche eher rückläufig ist, reifte also die Idee, auf einen Standort zu verzichten. Beide – Brackenheim und Bönnigheim – wurden bewertet. „Was haben wir? Was brauchen wir? Was muss gemacht werden?“, lauteten die Fragen. Es zeigte sich: Beide Standorte – Brackenheim und Bönnigheim – haben ihre Vorteile, doch letztlich hat der Zeiger nach Brackenheim ausgeschlagen, vor allem aus kaufmännischen Gründen, wie Conz erläutert.
Das hat vor allem auf Bönnigheimer Seite durchaus für Gegenwind gesorgt, räumt der Vorstandsvorsitzende ein. Bis zuletzt hatten sich einige Mitglieder dafür eingesetzt, beide Standorte zu erhalten. Bei der Generalversammlung wurde dazu ein Konzept vorgetragen, das bei minimalen Investitionen den Erhalt des Status quo zum Ziel hatte.
Jürgen Conz hält das für nachvollziehbar. „Jeder hängt an seinem Standort, das ist verständlich.“ Allerdings: „Wir mussten eine Lösung finden.“ Nur noch ein Haus und dementsprechend niedrigere Kosten, das sei Potenzial, das man für die Mitglieder umsetzen könne. Stichwort Traubengeld.
Aber auch der Fachkräftemangel spielt eine Rolle. „Wir haben riesen Probleme, vor allem im technischen Bereich Kräfte zu akquirieren“, sagt Conz. Durch die Zusammenführung der Standorte könnten Arbeitsabläufe optimiert werden. Seinen Arbeitsplatz wird aber deshalb keiner verlieren. Eine gewisse Verschlankung des Teams wird es in den kommenden Jahren dadurch geben, dass einige Kollegen altershalber das Unternehmen verlassen.
Noch sind viele Fragen offen
Da die Entscheidung, den Standort Bönnigheim aufzugeben, noch ganz frisch ist, sind noch nicht alle Details in trockenen Tüchern. Aktuell läuft an beiden Standorten die Traubenannahme wie gehabt. Von den rund 450 aktiven Mitgliedern werden etwas mehr Trauben in Brackenheim als in Bönnigheim abgegeben. Ob die Traubenannahme im kommenden Herbst schon nur noch in Brackenheim stattfindet, „können wir noch nicht zu 100 Prozent sagen“.
In den kommenden Wochen sollen die einzelnen Schritte festgelegt werden, die alles in allem ein bis zwei Jahre dauern werden, so Conz’ Einschätzung. Zum Beispiel muss die Kellerei in Brackenheim entsprechend ausgebaut werden. Größtes Thema ist das Tankvolumen. Zwar können die übrigen Tanks aus Bönnigheim die sieben Kilometer nach Brackenheim gebracht werden. Dort brauchen sie aber auch einen entsprechenden Platz beziehungsweise eine Halle, wo sie stehen können.
Was nach dem Umzug nicht mehr gebraucht wird, ist der Strombergkeller in der Cleebronner Straße in Bönnigheim. Was mit der Kelter und ihrem Gelände passieren soll? Noch ist nichts spruchreif. „Wir sind mit dem Gebäude noch nicht auf dem Markt, aber es besteht durchaus Interesse“, sagt Jürgen Conz nur. Mehrere Optionen sind zwar im Gespräch, allerdings ist noch nichts davon öffentlich.
Ähnlich sieht es für die geplante Vinothek aus, die künftig die Weingärtner Stromberg-Zabergäu in Bönnigheim repräsentieren soll. Noch soll der künftige Standort nicht öffentlich gemacht werden. Eventuell werde es ein „etwas mehr frequentierter Ort“ als aktuell die Kelter am Ortsrand.
Rund um Heuchelberg und Stromberg
Die Weingärtner
Stromberg-Zabergäu bewirtschaften etwa 720 Hektar Rebfläche rund um die beiden bedeutenden Württembergischen Großlagen Stromberg und Heuchelberg im nördlichen Landkreis Ludwigsburg und im südlichen Landkreis Heilbronn. Die WG Stromberg-Zabergäu ist – nach Hektar – eine der größten Weingärtnergenossenschaft in Württemberg. Absoluter Spitzenreiter hier ist die Genossenschaftskellerei Heilbronn mit 1400 Hektar, gefolgt von den Lauffener Weingärtnern mit 850 Hektar, der Felsengartenkellerei Besigheim mit 750 Hektar und den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu mit 720 Hektar.
Fusion
Die Weingärtner Brackenheim und die Strombergkellerei Bönnigheim starteten mit einer Kooperation im gemeinsamen Vertrieb und fusionierten im Jahr 2012 zur den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu. Die Kellerei hat heute rund 850 Mitglieder, von denen 450 aktiv sind – also Trauben abliefern.