Die Tochter von Gert Seibold, des stellvertretenden Vorsitzenden der Fellbacher Weingärtner, ist die Hauptdarstellerin des „Federle“-Videos. Gedreht wurde der Kurzfilm von Celine Eyround. Foto: privat

Der Weintrend geht in Richtung leichte Tropfen. Mit dem alkoholreduzierten Wein „Federle“ treffen die Fellbacher Weingärtner den aktuellen Geschmack.

Fellbach - Beschwingt hüpft und turnt Leah Seibold durchs Bild. Die 18-jährige Tochter von Gert Seibold, des stellvertretenden Vorsitzenden der Fellbacher Weingärtner, ist die Hauptdarstellerin in einem zweieinhalbminütigen Kurzfilm, der auf der Internet-Plattform Youtube zu sehen ist. Er bewirbt eine seit April erhältliche Neukreation der 1858 gegründeten Vorzeige-Genossenschaft: das „Federle“.

„Federle“ ist der neue Verkaufsrenner

Der alkoholreduzierte Wein hat sich zu einem Renner entwickelt. Das belegt nicht nur der subjektive Eindruck von der Präsentation bei der großen Weinprobe anlässlich des vergangenen Fellbacher Herbstfests, sondern das unterstreichen vor allem die Verkaufszahlen. Rund 25 000 Flaschen in den Variationen weiß, rot und rosé haben die Fellbacher Weingärtner von der Ernte des Jahres 2015 abgefüllt. „Der Weiße und der Rosé sind ausverkauft“, sagt Vertriebs-Geschäftsführer Rolf-Dieter Hess. Inzwischen steht bereits das „Federle“ weiß und rosé des zweiten Jahrgangs in den Verkaufsregalen. „Für den 2016er Jahrgang planen wir die doppelte Menge von 2015“, sagt Frances Ellwanger, die bei den Fellbacher Weingärtnern für das Marketing zuständig ist.

Ein wenig mag zum Erfolg auch der vom schwäbischen Musik-Comedy-Duo „Kehrwoch-Mafia“ komponierte Federle-Song beigetragen haben – obwohl sich die Abfragen auf der Internet-Plattform Youtube durchaus noch steigern lassen. Bernd Steckroth und Buddy Bosch haben mit Rolf-Dieter Hess einen echten Fan bei den Fellbacher Weingärtnern und sind bereits mehrfach bei der Genossenschaft aufgetreten. Folglich hatte der 62-Jährige auch keine Einwände, als ihm das Duo vorschlug einen Federle-Song zu komponieren, der dann in das Video Eingang fand.

Neue Käuferschichten ansprechen

Mit dem „Federle“ sind die Fellbacher Weingärtner auf den Zug aufgesprungen, der in Richtung leichter, alkoholreduzierter Weine fährt. „Das Ziel war, einen Alkoholgehalt von weniger als zehn Prozent zu erreichen“, sagt Rolf-Dieter Hess. Er will auf diese Weise neue Käuferschichten ansprechen. Mit 9,5 Volumenprozent haben Kellermeister Werner Seibold und sein Team eine Punktlandung hingelegt. Weil durch den Klimawandel der Oechslegrad und nach der Gärung vor allem bei trocken ausgebauten Weinen der Alkoholgehalt tendenziell in die Höhe gehen, haben sich die Weinmacher für den „Federle“ einiges einfallen lassen: Die Trauben werden früh gelesen, die Gärung vorzeitig gestoppt. Zudem setzt Werner Seibold etwa zehn Prozent Süßreserve ein, die wie bei allen Fellbacher Weinen ausschließlich von den Hängen des Kappelbergs stammt. Ergänzend wird ein osmotisches Verfahren eingesetzt, das dem Wein weiteren Alkohol entzieht.

Alkoholfreie Weine konnten bisher nicht überzeugen

„Wir würden auch ein alkoholfreies Produkt machen, wenn es nach Wein schmeckt“, sagt Rolf-Dieter Hess. Er hat deshalb den Markt der alkoholfreien Weine intensiv unter die Lupe genommen – aber kein Erzeugnis hat ihn und seinen Gaumen überzeugt. „Es ist süßes Zeug, das nicht mehr nach Wein schmeckt“, sagt Frances Ellwanger. Mit dem „Federle“ ist den Fellbacher Weingärtnern eine Neuheit gelungen, die dem vom Aufsichtsratsvorsitzenden Ralf Bauerle kreierten Werbespruch „Der haut nedd so nei“ gerecht wird. Ein zweites Glas führt auch bei ungeübten Weinfreunden nicht automatisch zum Verlust der Muttersprache.

Eine strategische Neuausrichtung der Werbeaktivitäten ist trotz des schwungvollen Auftritts von Leah Seibold im Federle-Video und einiger weitere Internetfilme über die Fellbacher Weingärtner jedoch nicht geplant. Beiträge in sozialen Netzwerken gehören aber längst ganz selbstverständlich zum Marketingmix der Fellbacher Vorzeige-Genossenschaft.

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