Weinführerin Eva Bubeck in den Weinbergen am Rotenberg. Foto: Peter-Michael Petsch

Winzertochter Eva Bubeck führt junge Leute durch den Weinberg, um sie fürs Thema Wein zu begeistern.

Stuttgart - Den Winzern in Stuttgart geht der Nachwuchs aus. Kaum einer will den elterlichen Betrieb übernehmen. Winzertochter Eva Bubeck (19) etwa studiert demnächst Informatik. Immerhin hilft sie den Eltern bei der Nachwuchssuche: Als Weinführerin bei einer ganz besonderen Tour.

Wein ist für Eva Bubeck mehr als ein Hobby, es ist Leidenschaft. Eine Leidenschaft, die sie gern weiter gibt: Als Weinführerin beim sogenannten Sunset Wine­tasting­, einer Tour des Collegium Wirtemberg speziell für junge Leute. Als sie von dem Projekt erfuhr, war die 19-jährige Winzertochter aus Stuttgart-Rotenberg erst skeptisch: „Weinführung, das klingt nach einer Veranstaltung für Menschen ab 50.“ Aber sie hat sich auf das Experiment eingelassen. Einmal im Monat bieten Eva Bubeck und ihre Kollegen nun an der Rotenberger Kelter Führungen für junge Leute ab 16 – ungezwungen und mit vielen eigenen Ideen.

Lässig steht die junge Frau in der Abendsonne an der Rotenberger Kelter. Ein kurzer Blick in die Runde, dann begrüßt sie ihre Gäste: „Hallo, ich bin Eva Bubeck und heute euer Wineguide. Wineguide, das ist Neudeutsch. Alle, die die Führungen machen, sind Söhne und Töchter von Winzern.“ Der englische Namen soll wohl jung und cool klingen. Klar, dass die Veranstaltung „Weinprobe bei Sonnenuntergang“ dann auch „Sunset Winetasting“ heißt. Der Nachwuchs bringt nicht nur eine eigene Sprache mit, sondern auch Kreativität. Die gut halbstündige Tour durch den Weinberg haben Bubeck und ihre mehr als 30 Kollegen, die alle zwischen 16 und 30 Jahre sind, selbst konzipiert: mit übersichtlichen Informationstafeln, multimedialer Aufbereitung und Weinverkostung direkt im Wengert. Winzertochter Bubeck will zeigen, wie faszinierend die Welt des Weins sein kann – und wie viele Gedanken und Arbeit dahinter stecken: „Meine Eltern sind keine blöden Bauern. Das zu vermitteln, ist cool.“

Trollinger: Nationalgetränk der Schwaben und mit 20 Prozent der Rebfläche die meist angebaute Sorte in Württemberg

Passend zur Zielgruppe gibt es unterwegs einen jungen Wein. Eva Bubeck verteilt den Roten: „Das ist unser Trollinger Grad Sechs. Er wird bei sechs Grad getrunken, kommt aus sechs Weinbergen – und kostet nur sechs Euro.“ Für einen Trollinger sei er sehr fruchtig. „Und warm schmeckt er nicht“, ergänzt sie. Neben der Rebe, aus der später ein Trollinger wird, informiert eine Tafel über den Wein: Er ist das Nationalgetränk der Schwaben und mit 20 Prozent der Rebfläche die meist angebaute Sorte in Württemberg.

Wie viel Zucker im Grad Sechs ist, weiß die Weinführerin allerdings nicht. Doch halt, vielleicht gibt es diese Info ja über den Bild-Code auf der Tafel. Wer ein Smartphone hat, kann den Code abscannen und kommt auf eine Internetseite mit weiteren Angaben zur Rebsorte. Auch Videos sind geplant. Sofort zückt ein junger Mann sein Handy. Doch die Frage ist zu speziell – und der Zuckergehalt­ nicht zu finden. Also geht’s weiter mit der Tour und der nächsten Frage: „Was ist Trollinger 2.0, der auf deinem T-Shirt steht?“, will ein Teilnehmer wissen. „Das ist nicht mehr Trollinger langweilig, sondern eben 2.0. Im Internet gibt’s ganz viele Rezepte für Cocktails, die man daraus mixen kann“, erläutert Bubeck. Bei solchen Kreationen und den Weinführungen verbinden sich Tradition und Moderne.

Die Ausbildung dauert drei Jahre

Wenn Eva Bubeck mal nicht weiter weiß, ist Andreas Hettich zur Stelle. Der 20-Jährige ist ebenfalls Wineguide und einer der wenigen, die selbst Weinbauer werden wollen. Die Führungen sollen helfen, junge Leute für den Beruf zu interessieren, um das Nachwuchsproblem zu lösen. Eine Teilnehmerin fragt, wie lang die Ausbildung dauert. „Drei Jahre. Ich war schon öfter im Weinkeller, aber die Arbeit dort ist nicht so meins“, sagt Andreas Hettich. Das Eis ist gebrochen, die Gruppe stellt jetzt persönlichere Fragen.

„Sie sind ja voll bei der Sache. Woher kommt die Begeisterung?“, will ein Mann wissen, der mit seinem 16-jährigen Sohn da ist. „Ich helfe viel im Weinberg, trinke gern Wein, und mir macht’s Spaß, mein Wissen weiterzugeben“, antwortet Eva Bubeck. Übernehmen will sie den Betrieb ihrer Eltern aber nicht. Auch ihre beiden Geschwister wollen einen anderen Weg gehen. „Das ist ein Beruf, den man das ganze Leben macht“, sagt die Abiturientin. Sie möchte lieber erst Informatik studieren und reisen – „als Winzerin wäre ich an Stuttgart gebunden.“

Der Weinbau ist Teil ihres Lebens. Es fasziniert Eva Bubeck, „dass die Familie jedes Jahr bei Null anfängt – und am Ende ein Wein entsteht“. Doch sie weiß, dass harte Arbeit dahinter steckt. „Wer weiß, vielleicht komme ich später über hundert Ecken doch zurück“, meint die junge Frau. Und vielleicht wecken die Wineguide-Touren das Interesse für den Beruf am Ende nicht nur bei manchen Besuchern, sondern auch bei dem einen oder anderen jungen Weinführer.

Nächste Tour im September

Durch den Weinberg führen Winzertöchter und -söhne aus der Region im Alter zwischen 16 und 30 Jahren. Die Tour ist für junge Leute ab 16 gedacht. Ältere Teilnehmer sind aber genauso willkommen.

Für fünf Euro gibt’s die Führung und zwei Weine (weiß, rot) im Wengert. Für zehn Euro können im Anschluss drei weitere Weine (weiß, rot, rosé) verkostet werden.

Die nächste Tour ist am 1. September von 17 Uhr an. Alle halbe Stunde geht es von der Rotenberger Kelter los (Württemberger Straße 230). Keine Anmeldung nötig.

www.collegium-wirtemberg.de; www.trollinger2punkt0.de

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