Weindorf Wein im Glas, Benzin im Blut

Von Michael Deufel 

Weindorf-Treff: Ein Kabarettist, ein Öko-Minister und ein Sportwagenmanager haben mehr gemeinsam als man denkt.

Stuttgart - Er kann einfach nicht anders. Christoph Sonntag erzählt natürlich einen Witz. Der Stuttgarter Kabarettist trifft als erster beim Weindorf-Treff der Stuttgarter Nachrichten (StN) und von SWR 4 Radio Stuttgart ein – und legt sofort los. Er ist mit Familie gekommen. Seine Kinder Samuel und Salome lachen vermutlich nicht mehr über jeden Witz des Vaters. Die beiden Moderatoren schon: StN-Kolumnist Tom Hörner und Radio-Stuttgart-Chef Axel Graser bringen sich mit Sonntag in Plauderlaune.

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Es ist noch etwas Zeit, und es regnet. Inges Rathauslaube, wo in wenigen Minuten die Sendung beginnt, füllt sich langsam. Gottlob hat das Dach nirgends ein Leck. Alles bleibt trocken. Verbraucherschutzminister Alexander Bonde kommt im Trachten­janker. Es kratzt ihm passend zum Wetter im Hals. Bei der Weindorf-Eröffnung am Mittwoch ist er noch bestens bei Stimme gewesen: „Jetzt schlägt die Erkältung halt durch“, krächzt er. Eine Stunde muss er durchhalten. Der dritte Gast, meldet die Regie, wird sich verspäten. Klaus Zellmer steckt irgendwo auf der Heilbronner Straße fest. Die PS seines Sportwagens bringen dem Vertriebschef von Porsche-Deutschland am Donnerstag nicht eine Sekunde schneller voran. Im Stau sind alle gleich.

Klaus Zellmer fährt – logisch – Porsche

Ein Kabarettist, ein Öko-Politiker und ein Automanager – was für ein ungleiches Trio. Der eine spottet meistens über den anderen, weil er damit sein Geld verdient. Für den andern ist das, was der Dritte treibt, aus ideologischer Sicht Teufelszeug, und der Dritte wiederum bewegt zwar Millionensummen, hat aber mit selber Witze machen wenig am Hut. Die drei Gäste des ersten Weindorftreffs haben dennoch mehr gemeinsam als man annehmen sollte.

Zum Beispiel das Auto: Klaus Zellmer fährt – logisch – Porsche. Einen mit 550 PS. Es raunt in der Rathauslaube. „Bei freier Straße und ohne Geschwindigkeitsbegrenzung fahre ich auch mal über 300 Stundenkilometer.“ Auch Christoph Sonntag fährt Porsche, aber mit weniger PS und auch nur bis September, dann muss er den Wagen zurückgeben. „Willsch mol fahra?“, fragt Sonntag StN-Kolumnist Tom Hörner, für den eine Fahrt in einem Stuttgarter Sportwagen offenbar einen besonderen Reiz hätte. Minister Bonde ist „noch nie einen Porsche gefahren“. Einspruch: Irgendwie gilt sein VW Caddy nach der Fusion der Autobauer aus Stuttgart und Wolfsburg auch als Porsche.

Zweite Gemeinsamkeit des Trios: der Naturschutz. Sonntag hat sich mit seiner Stiftung des Stuttgarter Max-Eyth-Sees angenommen. Inzwischen ist der See wieder recht sauber – möglich geworden auch durch die Unterstützung von Zellmers Arbeitgeber. Es sei schön, wenn so ein Beispiel für gelebten Naturschutz „viele Nachahmer findet“, stellt dazu Minister Bonde fest.

Ohne Verkostung geht es nicht

Der Weindorf-Treff fördert nicht nur Gemeinsames der drei Gäste, sondern auch manch Überraschendes zu Tage. Etwa dass Alexander Bonde während eines Schüleraustauschs auf Hawaii mit Musiker und Chartstürmer Jack Johnson in eine Klasse ging: „Wir saßen in Mathe nebeneinander.“ Oder dass Klaus Zellmer einst bei Abitur und Studium zuweilen die nötige Disziplin hat vermissen lassen. „Ich hatte schon immer Benzin im Blut. Als junger Mensch bin ich lieber unter meinem VW Käfer gelegen und habe geschraubt.“

Ein Weindorf-Treff ist aber nicht nur zum Plaudern da. Ohne Verkostung geht es nicht. Zur Blindverkostung müssen die Gäste Masken aufsetzen. SWR-4-Moderator Axel Graser sorgt für faire Bedingungen. Zu Porsche-Mann Zellmer: „Wie früher bei Thomas Gottschalk in ,Wetten dass . . .?‘ tu ich jetzt mal so, als haue ich Ihnen ins Gesicht.“ Dann der Test: Alexander Bonde, ganz Profi, schwenkt das Glas, riecht hinein – und tippt wie die beiden andern Probanden bei Versuch eins, Spezi, falsch. Bei Versuch zwei, Mineralwasser liegen Kabarettist, Politiker und Manager wieder auf einer Linie. Spaßvogel Sonntag: „A bissle Bimsstein, a bissle Terroir – Remstalwasser, Jahrgang ‘98.“ Auch bei Versuch drei, einem Trollinger herrscht, zumindest was die Farbe angeht, Einigkeit.

Kabarettist, Öko-Politiker und Manager eines Sportwagenbauers – das muss sich nicht zwingend widersprechen.

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