Weindorf-Treff Grüner Daumen nach unten

Von Michael Deufel 

Ein grüner Landespolitiker und ein Profi-Gärtner müssen nicht lange nach einer gemeinsame Diskussionsgrundlage suchen. Ein Magier und ein Komödiant können diese Konstellation jedoch noch bereichern. Bester Beweis: der Weindorftreff von Stuttgarter Nachrichten und SWR 4 am Montag.

Stuttgart - Grün ist die Farbe des Abends. Nicht Rot wie ein Lemberger, nicht Weiß wie ein Riesling. Auch Rosé, für zahlreiche Weintrinker der vino-logische Kompromiss, hat am Montag beim Weindorftreff von Stuttgarter Nachrichten und SWR 4 keine wirkliche Chance. Aber mal ehrlich, was war anderes zu erwarten, wenn Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und den Chef des Blühenden Barock in Ludwigsburg, Volker Kugel, in der Laube Alte Kanzlei Platz zur Plauderstunde nehmen.

Die klassischen Farben des Weins spielen am Montag eine Nebenrolle – auch wenn die Diskutanten mit ihren Vorlieben zum Wein nicht hinterm Berg halten. Volker Kugel etwa lehnt „neumodisches Zeug wie Apérol Spritz, der wie Klostein schmeckt“, ab. Er lasse lieber „ab und zu ein Glas Riesling verschwinden“, formuliert er scherzend Richtung Gast Nummer drei, Weltklasse-Zauberer Topas. Comedian Klaus Birk, im Herzen – fußballtechnisch gesehen, ein tief Roter– fügt sich angesichts des anhaltend lauen Gekickes der Bundesligafußballer des VfB Stuttgart in die Farbenlehre des Abends. Allerdings nicht ohne einen Birk-typischen geschlechterspeziefischen Exkurs: „Wo kann man als Mann heutzutage noch weinen, wenn nicht im Stadion? Danke VfB!“

Dann dominieren jedoch grüne Themen. Also Tiere, Tiere, Radfahren. Die Moderatoren Susanne Kurz (SWR 4) und Tom Hörner (Stuttgarter Nachrichten) lassen dabei fast nichts aus. Letzterer wie Hermann ein passionierter Radler, muss sich dabei vom Minister sagen lassen, dass es nicht immer nur um die gestrampelten Kilometer geht, sondern ums Radfahren an sich. „Kilometerfresser“, erklärt Hermann, „gibt es schon unter den Autofahrern viel zu viele.“

Danach offenbart der Weindorftreff hinsichtlich des Radfahrens einen unerwarteten parteiinternen Dissens innerhalb der Landesgrünen. Hermanns Parteifreund, der Tübinger OB Boris Palmer, hatte zuletzt beklagt, wie er nach einer Radtour von einem Gastwirt auf der Schwäbischen Alb ungastlich behandelt worden sei. Hermann erklärt in der Laube, dass er bei ähnlichen Anlässen stets hervorragend bedient worden sei.

Derlei Fronten sind unter den Gästen des Weindortreffs nicht auszumachen. Der Laubenplausch dient eher dem grünen Erfahrungsaustausch. Etwa dass zu Hause bei Komödiant Birk die Ehefrau den Rasen mäht, weil Klaus Birk, wie Kenner seiner Auftritte wissen, stets mit dem Hund Gassi geht. Dass Topas zuweilen ebenfalls Gassi geht, nämlich mit seinem Mops. Dass es der Traum von TV-Gärtner Kugel ist, mal einen vierrädrigen Aufsitzmäher zu steuern – was sich bei seinem abschüssigen privaten Garten allerdings als schwierig darstellt.

Kugel räumt überdies mit einem Gerücht auf. Dass ein Profigärtner ständig mit Pflanzen spreche, sei Quatsch, „das tun Esoteriker“. Ein vernünftiger Umgang, „Wasser, Dünger und ein bissle Zuwendung“, reichten völlig, damit Gewächse gedeihen. Der sogenannte grüne Daumen, das besondere Talent im Umgang mit Pflanzen also, sei ein Mythos. Der lebende Beweis: SWR-4-Moderatorin Susanne Kurz. Obwohl sie keine Orchideen mag, hat eine Orchidee bei ihr acht Jahre lang überlebt. Als Landwirtstochter wirft sie halt keine Pflanzen weg.

Freunde des Buchsbaums müssen wiederum damit rechnen, dass ein Schädling ihre Lieblingspflanze über kurz oder lang aus unseren Breiten vertreibt. „Man wird den Buchsbaumzünsler auf Dauer nicht mit Chemie in Schach halten können“, sagt Volker Kugel. Auch eine grüne Erkenntnis.

Hier können Sie sich den Weindorf-Treff noch einmal anschauen.

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