Axel Graser im Gespräch mit Frl. Wommy Wonder. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Und jetzt alle: Supercalifragilisticexpialigetisch. Das muss schon draufhaben, wer zum Weindorf-Treff von SWR 4 und Stuttgarter Nachrichten kommt. Drei starke Frauen waren zu Gast.

Stuttgart - Man kann sie nicht da haben, ohne dieses Wort zu hören: Supercalifragilisticexpialigetisch. Natürlich kann Elisabeth Hübert dieses Wort aus dem Effeff dahersagen. Spielt sie doch seit anderthalb Jahren die Mary Poppins im gleichnamigen Musical auf Möhringens Höhen. Supercalifragilisticexpialigetisch wird im Film erklärt, als „etwas, was man sagen kann, wenn man nicht weiß, was man sonst sagen sollte“. Es empfiehlt sich daher vorzüglich für die Duelle von Kanzlerkandidaten, weniger für den Weindorf-Treff am Mittwochabend in der Laube der Alten Kanzlei. Schließlich hatten alle Gäste etwas zu erzählen.

Die Mutter der Schwulen und Lesben

Ganz besonders Laura Halding-Hoppenheit. Die Kings-Club-Chefin ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, Linken-Stadträtin, studierte Kunstgeschichtlerin – und vielfache Mutter. Zwei eigene Kinder hat sie, und tausende adoptierte, Schwule und Lesben, die sie unter ihre Fittiche genommen hat. In Rumänien geboren, zog sie Ende der 60er Jahre erst nach Hamburg, dann nach Stuttgart. Dort fand sie eine Heimat in der Schwulenszene, „sie waren die einzigen, die mich nicht wegen meiner fehlenden Sprachkenntnisse diskriminiert haben“.

Sie arbeitete zunächst im Kings Club, übernahm diesen dann. Und erinnert sich noch lebhaft an die düsteren Jahre, als Schwule und Lesben bedroht und geschlagen wurden: „Wir haben die Reklame nicht angemacht, dass man diesen geschützten Raum nicht findet.“ Seit 15 Jahren habe sich das geändert, die Feiernden „bringen die Mama und die Oma mit“. Regisseur Rosa von Praunheim, selbst eine Ikone der Schwulenbewegung. hat ihr mit einem Film ein Denkmal gesetzt. Sie war geehrt, aber auch entsetzt, als sie die Bilder sah. „Ich habe gedacht: Scheiße siehst Du alt aus!“

Wommys Bett ist eine Spezialanfertigung

Über ihr eigenes Alter redet sie nicht. Das hat sie gemein mit Fräulein Wommy Wonder, der Kunstfigur von Michael Panzer. Vor 33 Jahren hat sie das Licht der Welt erblickt, bei einem Schülerfasching versuchte sich Panzer mit einer Parodie auf Modern Talking. daraus erwuchs Wommy Wonder. Da waren Thomas Anders und Dieter Bohlen also doch für was gut. Panzer hat übrigens Deutsch und Theologie studiert, und er hielt sich an den Spruch der Offenbarung: „Lasst uns fröhlich sein und uns freuen und ihm die Ehre geben.“ Also begann er seine Bühnenkarriere. Zweieinhalb Stunden braucht der 1,94 große Panzer, um sich in das Fräulein zu verwandeln. Inklusive der berühmten Turmfrisuren aus Plastik. Moderator Axel Graser wollte wissen, was unter der Plastikfrisur ist, ein Haarnetz womöglich? Weit gefehlt. „Es sind in Stücke geschnittene Schwimmnudeln.“ Wirklich. Zeigen wollte Wommy Wonder das leider nicht. Was Graser nicht davon abhielt, Wommy Wonder bis ins Schlafzimmer zu folgen. Er wollte wissen, ob des Fräuleins Bett eine „Spezialanfertigung ist?“ Frau Graser dürfte sich ob dieser Frage wundern. Doch, klar, es ist eine Spezialanfertigung, 2,10 Meter lang. Ebenso wie die Perücken, ebenfalls Einzelstücke, tausend Euro kostet ein Stück.

Mary Poppins singt von Kaminkehrern

Nicht ganz so aufwendig ist das Kostüm von Elisabeth Hübert. Doch ohne Corsage und Regenschirm kommt sie natürlich nicht aus. Ein Knochenjob ist das, sechs Vorstellungen in der Woche, 15 Lieder singt sie; jenes, dass Ihr mit am besten gefällt, nur im Hintergrund. Dafür hat sie den Text verinnerlicht, wie sie umgehend bewies. „Chim- Chimeney, Chim- Chimeney, so klingt des Kaminkehrers Glücksmelodie.“ Ihr Repertoire ist groß, in „Mamma Mia“, „Sunset Boulevard“, das „Wunder von Bern“, „Tarzan“ , „Friedrich“ spielte sie mit. Nun fliegt das Kindermädchen „Mary Poppins“ 2018 nach Hamburg. Geht sie mit? Darüber darf sie noch nichts sagen.

Doch bevor sie fortzieht, muss sie noch bei Weinprinzessin Viola Albrecht in Heilbronn vorbei schauen. Dort bekommt sie eine Weinprobe spendiert, im Tausch gegen eine Musicalkarte für die Mama. Laura Halding-Hoppenheit hat Hüpert auch ins Musical geladen, „sie sind eine Legende bei meinen Kollegen“. Halding-Hoppenheit will kommen, wenn sie ein bisschen mehr Zeit hat. Denn schließlich ist sie Unternehmerin. Apropos, wie sich das vertrage, Unternehmerin und Stadträtin der Linken zu sein, will Moderator Tom Hörner wissen. „Sehr gut. wenn ich unter der Brücke leben würde, könnte ich weder der Linken noch den Armen helfen.“

Prinzessinnen werden abgekrönt

Zum Schluss lernte man außer Supercalifragilisticexpialigetisch noch ein seltsames Wort kennen. Viola Albrecht wird in zweieinhalb Wochen „abgekrönt“. So heißt das tatsächlich, wenn sie die Prinzessinenwürde abgibt. Das tröstet uns Bürgerliche. Wer ungekrönt ist, wird auch nicht abgekrönt.

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