Weindorf-Treff auf dem Stuttgarter Weindorf Der Witz ist fürs Klo

Von Frank Rothfuss 

Drei Gäste, aber fünf Namen: Das geladene Trio beim Weindorf-Treff von Stuttgarter Nachrichten und SWR4 hatte am Dienstag den Moderatoren Tom Hörner, Diana Hörger und dem Publikum wahrlich viel zu bieten.

Im Gespräch: Susanne Heydenreich, Diana Hörger, Heinrich Del Core (v.l.). Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Was wohl bei dieser Mischung herauskommt? „Mein Vater ist Italiener, meine Mutter ein Rottweiler“ – gestatten Heinrich del Core. Ehedem Zahntechniker, nun Späßemacher. Dem seine Geschichten im Alltag begegnen. Etwa im Bad von Freunden. Die hatten eine neue Toilette, sündhaft teuer, ein Dusch-WC von Geberit. Man setzt sich drauf, das Klo sagt „Herzlich Willkommen!“ Es wird per Fernbedienung gesteuert, „da fahren so Greifarme raus, dann wirst Du geduscht und geföhnt.“ Es gebe gar eine Lady-Taste. „Da fährt ein Greifarm vor und sucht nach einem Bändel. Wenn Du da als Mann draufdrückst  . . .“ Von der Firma Geberit wurde er eingeladen, einen Abend vor Mitarbeitern zu geben. Geld gab’s dafür, und das Dusch-WC bauten sie ihm Zuhause ein.

Wie man mit einem Fünfziger Schwarz fährt

Der Witz war buchstäblich fürs Klo. Del Core will das Prinzip weiterverfolgen: Derzeit schreibe er eine Nummer über einen Porsche. Momentan muss er aber noch den Bus nehmen. So wie jüngst in Berlin. Da stieg er ein, wollte eine Karte lösen, hatte aber nur 50 Euro dabei. Der Busfahrer darf aber nur Zwanziger annehmen, er murrte, sagte aber: Fahren Sie halt so mit. Del Core: „Dann bin ich mit dem 50-Euro-Schein drei Tage lang umsonst Bus gefahren.“

Berlin kennt Autor und „Bienzle“-Erfinder Felix Huby (79) bestens. Er wohnt dort seit Jahrzehnten. „Ich hatte viel Geld verdient beim Fernsehen, und bin dann nach Berlin gezogen, weil man dort weniger Steuern zahlte.“ Dann fiel die Mauer, „und ich zahlte so viel Steuern wie hier“. Aber nur keinen Neid. Auf den Wohnsitz Berlin natürlich sowieso nicht, aber auch das viele Geld beim Fernsehen war hart verdient. Für Manfred Krug hat Huby manche Rolle geschrieben. Krug als begnadeter Sänger und Texter pflügte mit dem Rotstift durch die Drehbücher. Huby fand Anmerkungen wie „Hat er den Verstand verloren?“ oder „Was soll dieser Schwachsinn?“ Später teilte man sich aber die Stammkneipe in Berlin.

Start im Bohnenviertel

Susanne Heydenreich hat auch ihren festen Platz. In Stuttgart am Feuersee. Dort ist sie seit 22 Jahren Intendantin des Theaters der Altstadt. Dort macht sie so gut wie alles, „mit der Arbeit auf der Bühne hole ich mir die Kraft für die Arbeit am Schreibtisch.“ Ganz besonders viel Kraft geben die Sternstunden. Wenn sie merkt, sie rührt die Leute zu Tränen – oder es kommt zu jener Sekunde, wenn die Besucher nach dem Ende des Stücks noch kurz atemlos und mucksmäuschenstill dasitzen. Bevor dann der Applaus einsetzt. Gegründet haben das Theater Vater Klaus und Mutter Elisabeth 1958 im Bohnenviertel. Gottfried Müller hatte ihnen eine der Bretterbuden überlassen, in denen er sich um die Gefallenen der Nacht im Rotlichtviertel kümmerte. 1969 brannte die Bude ab, „am nächsten Tag spielten sie wieder nebenan im griechischen Zentrum“. Sie selbst stand erstmals mit sieben Jahren auf der Bühne, „an der Hand meines Vaters“. Sie zog mit um unter den Charlottenplatz und schließlich an den Feuersee. 1996 wurde die Intendanz neu ausgeschrieben, 48 Bewerbungen gab es, Susanne Heydenreich setzte sich durch. Auch weil sie glaubt, dass sie zwei Weisheiten ihres Vaters lebt. Er habe immer gesagt: „Tue recht und scheue niemand!“ Und: „Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwerbe es, um es zu besitzen!“

Doch nicht alles, was man von den Vätern erbt, übersteht eine Karriere. Der Name zum Beispiel. Felix Huby heißt eigentlich Eberhard Hungerbühler. Als solcher arbeitete er beim „Spiegel“, als solcher saß er des Nachts beim früheren Ministerpräsidenten Hans Filbinger und legte ihm die Akten vor, die Schriftsteller Rolf Hochhuth entdeckt hatte. Filbinger hatte als Marinerichter kurz vor Kriegsende einen Matrosen zum Tode verurteilt. Zu Hungerbühler sagte er den furchtbaren Satz: „Was damals rechtens war, kann heute nicht Unrecht sein!“

Zwei Männer, vier Namen

Nun wollte Hungerbühler ein Buch schreiben, doch obgleich die Artikel beim „Spiegel“ nicht mit Namen gekennzeichnet waren, sagte sein Chef Rudolf Augstein: Gerne, aber unter anderem Namen. So wurde aus dem Hungerbühler der Huby. „Jetzt nennen mich alle so, selbst meine Frau und mein Sohn sagen Huby.“

Del Core kennt das. Er nannte sich mal mit Künstlernamen Heini Öxle. Das ging ihm irgendwann auf die Nerven, weil er glaubte von einem Heini Öxle erwarte man schwäbisches Bauerntheater. Er litt, bis Kollege Eckart von Hirschhausen sagte: benutz doch Deinen richtigen Namen! Fortan trat er als Heinrich Del Core auf. Natürlich schwätzt er weiter schwäbisch. Was ihm interessante Komplimente beschert. Eine Frau weit im Norden sagte ihm: „Ihr Dialekt hat was Erotisierendes.“ Heilixblechle.