Weindorf-Treff auf dem Stuttgarter Weindorf Oper, Gewerkschaft und bekannte Stimmen

Von Heidemarie A. Hechtel 

Heideblitz! Den Gewitterguss mit himmlischen Tränen hätte es nicht gebraucht zum Finale des Weindorf-Treffs. Aber ein guter Grund für die Gäste, länger hocken zu bleiben.

Beim Weindof-Treff: Roman Zitzelsberger, Tom Hörner, Anja Off, Viktor Schoner, Stine Marie Fischer, Sonja Faber-Schrecklein, Diana Hörger (v.l.) Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Im Opernhaus brennt spät in der Nacht in den Direktionszimmern noch Licht. Hier bereitet Viktor Schoner, der neue Intendant der Oper, mit seiner Mannschaft die neue Spielzeit vor. Genau genommen, tut er das schon seit zweieinhalb Jahren. Wieso braucht man dafür so lange?, wollen die Weindorf-Treff-Moderatoren Tom Hörner von den Stuttgarter Nachrichten und Diana Hörger aus dem SWR4 Studio Stuttgart wissen. „Weil die Sänger und Dirigenten ihre Engagement auch so lange vorher abschließen“, klärt Schoner auf. Dass sein erster offizieller Termin hier ausgerechnet auf dem Weindorf ist, „fühlt sich gut an“, meint er. Wie er überhaupt gern in Stuttgart sei, vor allem, nachdem er seine drei Söhne „vom FC Bayern entwöhnen und für den VfB begeistern konnte“.

Bereits zum Ensemble gehört die blondlockige Altistin Stine Marie Fischer, die bisher schon als Polina in Pique Dame (Tschaikowsky) begeisterte und am 19. Oktober wieder die Verführerin Maddalena in „Rigoletto“ von Verdi singen wird. „Wie ist der neue Chef“, will Diana Hörger wissen. „Sehr nett“, versichert Fischer. Ihr auf Video festgehaltener Auftritt im alten Paketpostamt bringt die drängendste Frage in Stuttgarts Kulturleben zur Sprache: Wo findet die Oper während der dringend nötigen Sanierung ein Interimsquartier, nachdem OB Kuhn diese Lösung wegen zu hoher Kosten verworfen hat? Hat Schoner eine Lösung? „Ich finde die Halle einfach cool“, bricht er dafür eine Lanze: „Postdramatisches Theater im Paketpostamt, das hat doch was.“ Umso mehr, als Stine Marie Fischer von der „sensationellen Akustik“ schwärmt. Das dürfen die Opernfreunde genießen, wenn hier im November „Blaubarts Burg“ von Bela Bartok gespielt wird.

„Manchmal kleppert’s“

Roman Zitzelsberger, stellt Tom Hörner den Bezirksleiter der IG Metall in Baden-Württemberg, vor, sei der Mann, der gern laut wird. „Ja, da kleppert’s manchmal, aber die Worte kommen aus der Tiefe des Herzens“, versichert der Vertreter von 430 000 Metallern. Was er erlebt, hat auch theatralen Charakter: Die Tarifverhandlungen, die sich hinziehen, viel Nachtschlaf kosten und oft in Streik münden. „Da werden die Themen zigmal hin- und hergewälzt“, bestätigt er. „Aber mit den Tarifpartnern gehen wir immer ordentlich um.“ Die „nötige Kuttel“ hole er sich beim Sport, auch Marathonläufen.

Muss sich eine Sängerin auch sportlich stählen? Aber natürlich, betont die Altistin, die die Gäste in der VfB-Laube und die Zuhörer draußen dann mit einer Kostprobe ihrer Stimme mit der Habanera aus Bizets Carmen begeistert: Singen sei Hochleistungssport, heute mehr denn je, wo das Regietheater mehr als den Auftritt mit Standbein, Spielbein und den früher üblichen sparsamen Gesten erfordere. Alkohol vor einer Vorstellung ist daher tabu.

Opernsängerin bekommt nur Apfelsaft

Für Sonja Faber-Schrecklein, langjährige SWR-Institution, Reporterin für „Landesschau mobil“ und Moderatorin für den „Treffpunkt“, bringt der Beruf reichlich Aktivitäten. „Sie sind ja viel unterwegs, vor allem bei der Fasnet, gell“, sagt Hörner. Sie habe sich, so die Moderatorin zu, aus dieser Szene zurückgezogen: „Ich bin jetzt Mitte 50, und welcher Narr geht schon mit seiner Mama auf die Fasnet.“

Bei der Blindverkostung kommt das Expertentum der Weinkönigin Anja Off zur Entfaltung. Schrecklein-Faber meint, einen Müller-Thurgau im Glas zu haben, „weil er für einen Chardonnay nicht vollmundig genug ist“. Ist aber doch ein Chardonnay, der, so Off, durch die Klimaerwärmung jetzt vermehrt hier angebaut wird. Schoner, gebürtig aus Aschaffenburg und mit fränkischen Weinen sozialisiert, ist voll des Lobes über seinen Trollinger: „Der ist ja viel besser geworden.“ Anja Off empfiehlt, ihn im Sommer gut gekühlt zu trinken. Stine Marie Fischer, aus der Brandenburger „Streusandbüchse“ stammend, wird mit Apfelsaft abgespeist. „Ich hätte schon lieber was Alkoholisches“, hält sie nicht hinterm Berg. Denn sie hat an diesem Abend keine Vorstellung.