Alexander Eisele hat das Weingut seiner Eltern 2014 übernommen – und den Betrieb anschließend komplett umgekrempelt. Foto: Simon Granville

Alexander Eisele gehört zu einer neuen Generation von Weinbauern. Was macht der 39-Jährige aus Hessigheim anders als seine Eltern – und warum?

Eigentlich wollte Alexander Eisele gar kein Winzer werden. Seine Eltern bewirtschafteten seit Ende der 80er-Jahre einen Wingert in Hessigheim (Kreis Ludwigsburg) nebenberuflich, auch Oma und Opa hatten Weinberge. 2005 stieg der Junior dann doch ins Weingeschäft ein, weil er eine „gewisse Verantwortung“ spürte und sich seine Eltern wünschten, dass er weitermacht. Eisele arbeitete in verschiedenen Betrieben und übernahm 2014 den der Eltern komplett.

 

Heute ist er froh, dass er sich damals durchgerungen hat. Eisele ist Winzer aus Leidenschaft, das Weingut hat er ausgebaut, es ist nun fast zehnmal so groß wie vor 40 Jahren.

Die Weine kommen ungefiltert in die Flasche

Damals, als er eigentlich andere Pläne hatte und vom Weinbau nichts wissen wollte, sei er „ein bissle ein Revoluzzer“ gewesen. Etwas Rebellisches hat er sich behalten – zumindest was das Weinmachen anbelangt. Und auch äußerlich kommt er mit Basecap, Shorts und Tattoo am Unterarm eher wie ein Surfer als ein Winzer daher. Aber es passt.

Wenn Eisele darüber spricht, was seine Eltern damals in die Flasche gefüllt hätten, dann hört sich das etwas bieder an. „Alles halbtrocken“, „sehr, sehr klassisch“, „ultra-sauber“, „Mainstream eben“, sind die Prädikate, die er den Weinen verleiht.

„Wir machen eigentlich alles anders“, sagt der 39-jährige Familienvater. Er gehört zu einer neuen Generation von Weinbauern. Ausschließlich Spontanvergärung, Barriquefass, seit 2016 Bioanbau – all das hat Eisele eingeführt. Natürlich soll das sein, was er in die Flasche füllt. Um die 500 Zusatzstoffe können Winzer ihrem Wein beimischen, deklariert werden muss nichts außer Sulfite. Eisele filtert seine Weine nicht einmal. „So naturnah wie möglich“ soll alles sein. Rotweine verkauft er seit 2013 so, mit Weißwein hat er ab dem Jahrgang 2020 angefangen.

Sortiment wurde drastisch reduziert

So viel Natürlichkeit hat ihren Preis: nicht nur auf dem Schildchen im Supermarkt oder im Onlineshop. Mit einem Siegel oder als Prädikatswein darf Eisele seine Weine nicht verkaufen. Das will er auch gar nicht. „Wir melden gar nichts mehr bei den entsprechenden Stellen an“, sagt der Winzer. Es hätte auch keinen Zweck. Denn ein Qualitätssiegel gibt’s nur für Tropfen ohne Trübstoffe. Dass ein Wein gefiltert sein muss, sei bei denjenigen, die die Siegel vergeben, „eben so im Kopf verankert“, sagt Eisele. Dabei könne mit naturtrübem Wein das, was Boden, Lage, Klima und Besonderheiten beim Anbau – der 39-Jährige spricht gern vom „Terroir“ – hervorbrächten, viel besser transportieren. Wer Wein filtere, der kastriere ihn ein Stück weit, sagt Eisele. Seine Erzeugnisse kommen mit 0,1 bis einem Gramm Zucker pro Liter ausschließlich trocken daher. Das liegt daran, dass die ungefilterten Weine, hätten sie mehr Zucker, in der Flasche weiter gären würden.

Was die Bearbeitung des Bodens anbelangt ist der Bioweinbau anspruchsvoller, ansonsten hat Eisele eigentlich weniger Aufwand im Vergleich zu seinen konventionell arbeitenden Kollegen. Der Grund, warum er einen anderen Weg geht, ist simpel: „Unser wichtigstes Gut ist die Traube. Nach der Lese kann man die Qualität nur noch erhalten, aber nie verbessern“, sagt Eisele. „Deshalb muss man den Wein mit möglichst wenigen Arbeitsschritten in die Flasche bekommen.“ Auch bei vielem anderen ist er zurück zu den Ursprüngen des Weinbaus gegangen – und fährt gut damit. Das einst üppige Sortiment seiner Eltern hat er gnadenlos ausgedünnt. Statt 40 Produkten gibt es noch 16, das reiche vollkommen aus.

Einige Jungwinzer haben einen ähnlichen Weg eingeschlagen

Zur kleinen Erfolgsgeschichte gehört, dass Eiseles Frau Eva sich ums Marketing kümmert, auf dem Hof anpackt und Weinproben in der eigenen Vinothek mit schönem Blick in Neckartal organisiert. Die württembergischen Winzer hätten es lange Zeit verschlafen, ihre Weine offensiv zu bewerben. „Das baden wir jetzt ein Stück weit aus“, sagt Eisele. Andere Weinbaugebiete wie beispielsweise die Mosel oder die Pfalz seien touristisch lange Zeit wesentlich besser erschlossen gewesen.

Weil Eisele auf seinen Flaschen nicht einmal die Lage, in der die Reben stehen, schreiben darf, ist der Winzer kreativ geworden. An der Färbung der Kapsel über dem Korken – Gold, Silber und Bronze – erkennt man die Güte des Tropfens. Alexander Eisele sieht sich im Übrigen nicht als alleiniger Vorreiter seiner Zunft. Es gebe andere Jungwinzer in seinem Alter – zwischen 30 und 40 – aus der Region, „die richtig Gas geben“ und das von Genossenschaften geprägte Württemberg aufmischen. Eine ähnliche Richtung wie Eisele eingeschlagen haben das Weingut Dautel in Bönnigheim im Kreis Ludwigsburg oder die Familie Beurer in Kernen im Remstal. Sie haben ihren eigenen Weg der Weinproduktion gefunden. Und Alexander Eisele kann sich inzwischen auch gar keinen anderen Job mehr vorstellen.