Tobias Single verabschiedet sich in Fellbach. Foto: Patricia Sigerist

Nach nur fünf Jahren strebt Nachwuchstalent Tobias Single beruflich überraschend neuen Ufern zu. Nachfolger wird ein Mann, der zuletzt bei Schaumwein-Gigant Henkell Freixenet tätig war – und sich den Weg zum Arbeitsplatz in Wiesbaden künftig sparen will.

In ihren Rebhängen am Kappelberg haben die Wengerter aktuell mit den Folgen der Frostnacht und dem durch die feuchtwarme Witterung enormen Pilzdruck zu kämpfen. Mehr noch als Peronospora und Mehltau dürfte allerdings der Wechsel in der Führungsriege der lokalen Genossenschaft für Gesprächsstoff bei der Laubarbeit sorgen.

 

Kellermeister Tobias Single, seit mittlerweile fünf Jahren als oberster Hüter der Weinqualität im Amt, quittiert in Fellbach überraschend den Dienst. Der Familienvater, fachlich über jeden Zweifel erhaben und von seinem Vorgänger Werner Seibold noch umfassend auf seine wichtige Rolle vorbereitet, strebt beruflich neuen Ufern zu. Mit Weinbau will Tobias Single dem Vernehmen nach nichts mehr zu tun haben – wohl nicht zuletzt wegen der kaum mit einem geregelten Familienleben vereinbaren Arbeitszeiten. Vor allem in der Ernte im Herbst stehen für einen Kellermeister extrem lange Arbeitstage auf dem Programm – wer für die Produktion verantwortlich ist, fällt in der Lesezeit nach seinem Tagwerk nur für ein paar Stunden ins Bett, bevor es wieder weitergeht.

Die Work-Life-Balance vertrug sich für Single nicht mit dem stressigen Posten

Das gleicht sich zwar über den Winter in aller Regel wieder aus. Dennoch war der mit reichlich Überstunden verbundene Stress für den 34 Jahre alten Quereinsteiger von der Zollernalb offenbar zu viel. Dass der Abschied von Tobias Single eher am Thema Work-Life-Balance als an internen Querelen liegt, bestätigt Thomas Seibold. „Wir waren absolut zufrieden mit ihm, die Qualität ist auf einem Top-Niveau“, gab der Vorstandschef der Fellbacher Weingärtner am Mittwoch zu Protokoll – und spricht trotz des mitten in der Saison stattfindenden Personalwechsels von einer guten Entscheidung, einem Nachwuchstalent die Chance auf den anspruchsvollen Posten zu geben.

Abgefedert wird die Enttäuschung über die unerwartete Kündigung durch die Tatsache, dass die Fellbacher Weingärtnergenossenschaft auf der Suche nach einem Ersatz nicht lange die Fühler ausstrecken musste – und sich für den Posten des Kellermeisters einen Kandidaten geangelt hat, der in Fellbach bestens bekannt ist und in der Branche durch seine vielfältige Erfahrung durchaus als weinbautechnische Koryphäe gelten darf. Nachfolger von Single nämlich wird Thomas Zerweck, seit vielen Jahren selbst in der Mitgliedskartei der lokalen Genossenschaft und beruflich weit herumgekommen. Nach seiner unter anderem bei Hans Haidle absolvierten Lehrzeit hat der Diplom-Ingenieur für Getränketechnologie in vielen renommierten Weingütern und Kellereien gearbeitet.

Dem neuen Kellermeister werden Erfahrung und hohe Kompetenz nachgesagt

Thomas Zerweck freut sich auf die Herausforderung. Foto: WG

Nachgesagt wird ihm, die Genossenschaft in Bad Cannstatt weinbaulich auf ein deutlich verbessertes Level gehoben zu haben, tätig war Zerweck auch bei der WZG in Möglingen sowie beim herzoglichen Weingut auf Schloss Monrepos. Zuletzt war der 55-Jährige, einst ein durchaus begabter Handball-Torhüter, bei Schaumwein-Gigant Henkell Freixenet in Wiesbaden als Produktionsleiter beschäftigt – die weite Entfernung zum Wohnort in der Fellbacher Pfarrstraße mit ein Grund für die schnelle Bereitschaft, sich neu zu orientieren und beruflich in die Heimat zurückzukehren.

„Ich freue mich auf die Herausforderung bei den Fellbacher Weingärtnern. Dass sich diese ausgezeichnete Genossenschaft auch noch in meinem Wohnort befindet, ist natürlich ideal“, sagt der neue Kellermeister. Als Stellvertreter hat die Genossenschaft bereits im März Marcel Sperr eingestellt – nicht zuletzt, damit sich die Belastung im Herbst auch besser auf mehrere Schultern verteilt.