Markus Heid: Ein Glas Rotwein gehört für viele zum schwäbischen Essen dazu. Foto: Gottfried Stoppel

In Fellbach gibt’s jetzt schwäbisches Vesper und Wein – in der Guts.Bar des Weinguts Heid. Ein Themenabend stellt die Tomate in den Fokus, andere locken mit veganen Menüs.

Für Markus Heid, Wengerter aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis), ist vespern „die schwäbische Version von After Work“. Er selber vespert gerne, sagt der vielfach ausgezeichnete Biowinzer. Er sei damit groß geworden. Das Vesper hat in Landwirtschaft und im Weinbau Tradition. Markus Heid möchte, dass dieser Brauch nicht verloren geht, jetzt hat er die Location dazu. In der Cannstatter Straße 13 in Fellbach hat er ein Fachwerkhaus restauriert, im Obergeschoss haben bis vor ein paar Jahren seine mittlerweile verstorbenen Eltern gewohnt; zur Straßenseite hin war im Erdgeschoss viele Jahre ein Kinderbekleidungsladen eingemietet.

 

Weingut Heid öffnet Guts.Bar in Fellbach immer mittwochs

Die Ladenfläche hat er mit bodentiefen Fenstern ausgestattet, Balken und Wände freigelegt und daraus die rustikale Guts.Bar gemacht – „der Name vereint Wein und Gastro“ – und somit den Raum für ein Vesper zur Verfügung. Der Raum zur Weinverkostung im Gebäude dahinter bleibt bestehen.

Die Inneneinrichtung der Guts.Bar ist rustikal. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Einmal in der Woche, immer mittwochs, gibt’s jetzt das Guts.Vesper. Los geht es jeweils um 17 Uhr – bei schönem Wetter auch im Hof –, um 21 Uhr kann die letzte Runde bestellt werden. Zu Wurst, Käse, Brot und Essiggurke und Radiesle gibt es Heid’schen Wein oder selbst gemachten Cidre; das neueste Produkt im Getränke-Sortiment des Weinguts.

Die umgebauten Räume der Guts.Bar sind ideal dafür – blanke Holztische und ein rustikales Umfeld. Es habe einer gewissen „Findungsphase“ bedurft, bis das Konzept für die Guts.Bar stand, blickt Markus Heid auf die mehrjährige Umbauzeit zurück. Bei der Ausstattung der Räume, sie bieten Platz für 50 Personen, ist die Handschrift von Markus Heids Partnerin Bettina Hermann erkennbar. Moderne und historische Elemente lassen sich in der Bistrofläche aufeinander ein. Die Guts.Bar wird das Team des Weinguts regelmäßig bespielen, nicht nur am Mittwoch zur Vesperzeit. Es soll Veranstaltungen geben, die das Weingut organisiert, und man kann die Räume mieten. Für private Feiern, Meetings und Veranstaltungen.

Guts.Bar ist ein seperater Teil des Weinguts Heid in Fellbach

Als die Guts.Bar noch im Werden und die mit Spülmaschine und Kühlschränken ausgestattete Theke noch nicht eingebaut war, hatte die benachbarte Buchhandlung Lack bereits einen Versuchsballon gestartet und den Sterne-Koch und Autor Vincent Klink zu einer Lesung eingeladen. „Solche Veranstaltungen passen gut zu uns als Weinmacher und gut in die Guts.Bar“, sagt Markus Heid.

Die neue Location ist ein separater Teil des Weinguts. Neulich gab es dort ein „Cider-Vesper“, demnächst stehen Tomaten aus eigenem Anbau im Fokus. Am 15. August, ein Freitag, werden von 19 Uhr an ausschließlich Gerichte mit und aus Tomaten serviert.

Im vergangenen Jahr sind im Weingut die Äpfel aus den Streuobstwiesen von Mitarbeiter Konstantin zu Cider verarbeitet und vergoren und jetzt in Flaschen gefüllt worden. Ein aufwendiges Verfahren. Konstantin kommt aus Hessen. Er hatte die Idee, den Cider mit Handkäs’, typisch für seine Heimat, anzubieten. „Wir wollen am liebsten nur Produkte aus eigenem, maximal regionalem Anbau auf den Teller beziehungsweise das Vesperbrettle bringen“, sagt Markus Heid. Bereits im dritten Jahr wachsen verschiedenste Tomatensorten in seinen Weinbergen, mittlerweile sind einige Gemüsearten dazu gekommen.

Die vergane Pionierin Kathi Bretsch ist neu beim Weingut Heid in Fellbach

Eine ideale Konstellation hat sich vor ein paar Monaten ergeben, als Kathi Bretsch zum Team des Weinguts gestoßen ist. Die Köchin, Illustratorin und Kochbuchautorin kommt aus Stuttgart, wo sie ihr veganes Restaurant Super Jami Kitchen aufgebaut und zehn Jahre betrieben hat. Sie gehört zu den veganen Pionieren Stuttgarts. Ihr Restaurant hat sie im vergangenen Jahr aufgegeben, weil sie „Lust auf Weinbau“ und eine „Veränderung“ verspürt hat und dies nun im Weingut Heid verwirklicht.

Das Ergebnis fließt in Themenabende in der Guts.Bar. Am 2. August und am 25. Oktober kreiert sie jeweils sechs Gänge Gemüseküche beziehungsweise ein veganes Menü zum Thema Herbst, „mit gepickelten Trauben und geschmorten Pilzen im Weinblatt.“ Für Themen-Abende ist eine Reservierung unter info@weingut-heid.de erforderlich.

Schwäbisch und Bayrisch

Brotzeit
Das Vesper ist für Schwaben das, was für die Bayern die Brotzeit ist – eine kalte Zwischen-Mahlzeit. Gevespert wird morgens, nach den ersten Stunden Arbeit im Wengert oder auf dem Feld, oder am späten Nachmittag beziehungsweise frühen Abend. Früher war das Mittagessen immer eine warme Mahlzeit, am Abend wurde dann kalt gevespert.